> > > Stolz, Robert: Zwanzig Blumenlieder
Freitag, 25. September 2020

Stolz, Robert - Zwanzig Blumenlieder

Zweitklassiges erstklassig


Label/Verlag: Bella Musica
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Vielleicht ist es Kitsch. Aber vor allem: farbige, fein musizierte Walzertristesse.

‚Vergißmeinnicht’, ‚Klatschrose’, ‚Primel’, ‚Veilchen’, ‚Lilie’, ‚Herbstzeitlosen’, ‚Edelweiss’, ‚Rebenblüte’, ‚Fingerhut’, ‚Kunstblume’, ‚Rittersporn’, ‚Stiefmütterchen’, ‚Sonnenblume’, ‚Feuernelken’, ‚Schneeglöckchen’, ‚Todesblume’, ‚Orakelblume’, ‚Rote Rose’, ‚Myrthe’. So heißen Robert Stolzens ‚Zwanzig Blumenlieder’, op. 500: ‘Blüten, die bisher im Verborgenen blühten und deren Schönheit durch diese Ersteinspielungen wieder in Bewusstsein gerückt werden soll.’ (Aus dem Beiheft.)

Mit dieser Platte setzt das badische Label Bella Musica eine Reihe unter dem Titel ‘Hommage’ fort. Sie ‘erweist wesentlichen Themen unseres Lebens und unserer Umwelt […] die musikalische Reverenz’. Dieses Mal wird ein ‘fein abgestimmter musikalischer Blumenstrauß aus der Feder bedeutender Komponisten’ ‘zusammengestellt’. (Blumig ist auch der Beihefttext geraten.) Neben Stolzens ‚Blumenliedern’, von Christfried Bickenbach im Einvernehmen mit dem Komponisten orchestriert, werden Karl KomŸaks ‚Edelweiss’-Ouvertüre und Carl Michael Ziehrers ‚Blumen-Polka’ geboten. Weiters zwei klassische Walzerfolgen: Johann Straußens ‚Rosen aus dem Süden’ und Lehárs ‚Wilde Rosen’.

Manfred Müssauer und die ‚Donau Philharmonie’ – eine Eliteauskopplung mitteleuropäisch-postkakanischer Orchester, auf Instrumenten der Jahrhundertwende musizierend – sind ohne Zweifel berufene Interpreten des Wiener Repertoires. Wenn auch nicht alle Tempi konsensträchtig sind – mancher Walzer kommt ungemein hurtig daher –, diese Musiker wissen genau, was sie tun. Das dunklere (nicht: schwerere), durchsichtige Klangbild der Originalinstrumente bietet eine apart-delikate Alternative zur hochfrequenten Wiener Philharmoniker-Brillanz.

Wenn auch die Ausführung untadelig ist – über Robert Stolzens musikalisches Ingenium und, mehr noch, sein musikalisches Geschmacksurteil, gehen die Meinungen weit auseinander. Diese Musik ist epigonal: gegenüber dem Goldenen wie Silbernen Zeitalter der Wiener Operette – Strauß und Lehár – und der Orchesterpalette Wagners wie der Impressionisten. Die ‚Blumenlieder’ datieren aus den Zwanziger Jahren. Gegen Schönberg, selbst ‚moderate’ Modernisten wie Strawinsky und Ravel, wirkt Robert Stolz geradezu altbacken, künstlerisch unambitioniert: wie Richard Strauss zuzeiten des ‚Rosenkavaliers’. (Auch dies ein Blumenstück, der Suggestion des Titels nach – und ‘Zuckerwasser’, wiewohl genial gebraut, nach Otto Klemperers Dafürhalten.) Mit dem feinen Unterschied, dass Stolz, bei allem Respekt, eine Etage unterhalb Richards des Zweiten wohnhaft ist: nach musikalischem Können wie Wollen. Ähnliches gilt, mutatis mutandis, für den Dichter der Texte: Bruno Hardt-Walden, recte: Bruno Wradatsch, nimmt sich zuweilen wie ein trivialisierter Richard Dehmel aus: Jahrhundertwendeplüsch, Resedaduft, samtene Sofas. Dies alles scheint, zuweilen, ironisch gebrochen mit Zwanziger Jahre-Frivolität, als hätte Tucholsky Dehmel parodieren wollen: ‘Ein Zwerglein trippelt durch die Au mit seiner kleinen Zwergenfrau – zum Tanz! Acht Käfer spielen mit Gefühl ein Jazzbandstück nach neuem Stil. Und alle Zwerglein singen leis’ die populäre Schlagerweis’ – zum Tanz’. Freunde bizarren Humors kommen auf ihre Kosten. Wer Helge Schneider liebt, wird Wradatsch mögen. Immerhin.

Summa summarum: Neben lyrischen Bizarrerien schlägt die erstklassige musikalische Darstellung durch Manfred Müssauer und die Donau-Philharmoniker zu Buche. Darüber hinaus wird die Diskographie der leichten Muse um einige hörenswerte Raritäten bereichert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Stolz, Robert: Zwanzig Blumenlieder

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Bella Musica
1
25.10.2007
Medium:
EAN:

CD
4014513023247


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