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Dienstag, 26. Januar 2021

Kokkonen, Joonas - Cellokonzert

Wunderbare Linien und Farben


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Kokkonens großartige Musik erklingt hier frisch, eindrucksvoll, bewegend - und ungemein farbig. Damit könnte eine Wiederentdeckung in unseren Landen eingeleitet werden.

Der Finne Joonas Kokkonen darf, so erfährt man im informativen Booklettext der hier vorliegenden, jüngst veröffentlichten Einspielung aus dem Hause Ondine, als angesagtester Komponist seines Heimatlandes zwischen ca. 1960 und 1980 gesehen werden. In hiesigen Gefilden kennt ihn – leider – kaum jemand, vielleicht abgesehen von einzelnen Kammermusikwerken, die von neugierigen Ensembles hin und wieder hervorgezaubert werden. Die relative Unbekanntheit darf aber keinesfalls auf scheinbar unbedeutende Werke zurückgeführt werden; diese erstklassige Einspielung zeigt uns die hohe Qualität und Tiefgründigkeit der Musik Kokkonens, die sich mühelos neben Rautavaaras elegischen Linien behaupten kann, und neben den Vertretern der jüngeren Generation (Salonen, Saariaho, Lindberg, Kaipainen etc.) allzumal.

Vorgestellt werden uns mit dieser Aufnahme drei Werke aus dem Zeitraum zwischen 1967 und 1971, jener Phase also, in der Kokkonen seine karge, herbe Tonsprache besonders in der Instrumentierung farblich anreicherte. Dabei allerdings scheint es ihm nie um Opulenz zu gehen, sondern vielmehr um eine breite Palette an Zwischentönen, Zwischenräumen, Zwischenfarben. Das, worauf es aber ankommt, jene tragenden Säulen, die ein ‘zwischen’ erst ermöglichen, stehen fest gefügt: Kokkonen ist ein ausgezeichneter musikalischer Architekt.

 

Kein ‘leeres’ Virtuosentum

 

Das etwa zeigt beispielhaft sein Cellokonzert aus dem Jahr 1967. Angelegt in fünf Sätzen, zeigt sich dieses Konzert als eine optimale Plattform, um instrumentale Versiertheit mit musikalisch Profundem verbinden zu können. Jenes Profunde speist sich aus der musikalischen Konzentration; eine anfangs vorgestellte Keimzelle erweist sich als so tragfähig und wandelbar, um so unterschiedlich gestimmten Momenten wie dem bewegten des Einleitungssatz oder dem sich elegisch verströmenden ‘Adagio’, dem Kern des Konzertes, als Ausgangspunkt zu dienen. Mit musiksprachlichen Mitteln, die man mit klassizistischer Moderne (etwa Bartók) assoziieren kann, lebt diese Musik vor allem von prägnanten Motiven, klarer Rhythmik und freitonaler Harmonik. Dabei findet man durchaus den Anlauf zur großen (mitunter romantisch gefärbten) Geste, doch stets wird diese gebrochen, mal durch instrumentatorische Mittel (‘unheilvolles’ Tam-Tam), mal durch abrupte Abbrüche des Höhepunkts.

Den hier beteiligten Musikern scheint man die Nähe zu dieser Musik anzumerken; das Finnische Radio-Symphonieorchester agiert mit höchster Brillanz im Klang, bis in Letzte durchgestalteten Phrasierungen und vor allem Sinn für Farbnuancen. Sakari Oramo erweist sich als optimaler Interpret, der den beiden Sinfonien mit weit ausladenden Spannungsbögen ebenso überzeugend beikommt wie mit rhythmisch akzentuierter Figuration. Dabei trifft er den Ton von Kokkonens Vierter Sinfonie aus dem Jahr 1971 optimal; die langsamen Ecksätze, vor allem das ‘Adagio’-Finale wirken wie aus einem Guss, wunderschön verbunden in der Linienführung der einzelnen Stimmen und gekonnt balanciert in den Orchestergruppen. Nicht minder bewegend gelingt die Dritte Sinfonie (1967) mit ihren dunklen Zauberweltklängen im ersten Satz oder dem fast Schostakowitsch ähnelnden, zuweilen recht spitz klingenden Allegro. Auch diese Sinfonie wird mit ohne reißerische Oberflächenwirkungen mit einem tief empfundenen, sehr dichten ‘Adagio’ zu Ende geführt.

Exzellent gelungen ist ebenso das Cellokonzert, in dem der Cellist Marko Ylönen von seiner technischen Perfektion, seiner hohen Musikalität, dem Sinn für Farbgebungen auf seinem Instrument und einer überzeugenden Einfühlung in die Stimmungswelten von Joonas Kokkonens Musik ein beredtes Zeugnis ablegt.

Eindrucksvoller, eindringlicher und farbiger könnte diese ebenso emotional wie auch technisch äußerst dichte und fein geschliffene Musik nicht erklingen. Oramo und seinen Musikern ist damit eine großartige Interpretation gelungen, die auch in klanglicher Hinsicht kaum Wünsche offen lässt; auch wenn die Akustik in der Aufnahme der beiden Sinfonien ein wenig viel Raum bietet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Kokkonen, Joonas: Cellokonzert

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
29.03.2010
Medium:
EAN:

CD
761195109823


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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