> > > Mahler, Gustav: Sinfonie Nr. 5 cis-Moll
Montag, 24. Februar 2020

Mahler, Gustav - Sinfonie Nr. 5 cis-Moll

Phänomenales Raumerlebnis


Label/Verlag: Octavia
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Klangtechnisch mustergültig aufbereiteter Live-Mitschnitt von Mahlers Fünfter aus dem Prager Rudolfinum, der in interpretatorischer Hinsicht aber etwas die Zwischentöne vermissen lässt.

Die fünfte Sinfonie Gustav Mahlers (1860-1911) eröffnet die Dreiergruppe der mittleren Sinfonien, in denen sich der Komponist von der in den ersten vier Gattungsbeiträgen im Vordergrund stehenden Wunderhorn-Thematik distanziert; insbesondere diese drei Werke sind seit ihrer Entstehung oft kritisiert worden und stehen in der Gunst auch überzeugter Mahler-Verehrer nicht selten zurück. Gerade die Fünfte findet sich aber trotz dieser Bedenken immer wieder auf Konzertprogrammen wieder, und auch an Einspielungen mangelt es in Folge dessen nicht. In die umfangreiche Liste reiht sich nun auch die vorliegende SACD des japanischen Labels Exton ein.

Live aus Prag

Die Aufnahme dokumentiert einen Konzertmitschnitt aus dem Prager Rudolfinum vom Oktober 2003 mit den von Zdenek Mácal geleiteten Tschechischen Philharmonikern. Mácal, der bei Exton bereits einige andere Mahler-Sinfonien vorgelegt hat, beweist auch im vorliegenden Fall formale Übersicht und die nötige Gestaltungskraft, den Riesenbogen der Fünften zu einem packenden Klangerlebnis werden zu lassen. Im forschen Vorwärtsdrang kommen jedoch die für Mahler so wesentlichen Zwischentöne an einigen Stellen vielleicht etwas zu kurz; an prominenter Stelle wäre hier wohl das – durch die Verwendung in Viscontis Verfilmung von Thomas Manns ‚Tod in Venedig’ berühmt gewordene – Adagietto zu nennen, das für meinen Geschmack zu dick im Klang geraten ist und, hart an der Grenze zum Kitsch, letztlich einfach zu ‚diesseitig’ wirkt. Diesen Satz hätte man sich dann doch mehr wie den Hauch aus einer anderen Welt gewünscht; allerdings ist die Diskrepanz, dass er zwar der mit Abstand bekannteste, sicher aber nicht der kompositorisch bedeutendste Satz der Sinfonie ist, generell ein Problem. Die Musiker folgen Mácal mit lustvollem und hochgradig engagierten Spiel; der Orchesterklang ist warm und volltönend. Lediglich kleinere Schwächen in der Intonation, etwa die schwächelnde Basstuba am Ende des zweiten Satzes oder bei den – grundsätzlich ja heiklen – zahlreichen Unisono-Stellen in den Bläsern, insbesondere im gewaltigen Scherzo, hat man hinzunehmen; Spielfreude und interpretatorisches Feuer machen das aber mehr als wett.

Klang vom Feinsten

Die eigentliche Stärke der Produktion ist die unglaublich gute Aufnahmequalität, die ja das Markenzeichen des audiophilen Labels Exton ist – Tomoyoshi Ezaki hat hier wieder Maßarbeit geleistet und den Orchesterklang bereits in der Stereo-Version äußerst differenziert und unverfälscht eingefangen. Der enormen Plastizität der Mehrkanalvariante gelingt es dann tatsächlich, das noch einmal deutlich zu übertreffen. Das gesamte dynamische Spektrum, das bei Mahler vom kaum hörbaren Beben in der Pauke bis zu schlagwerkgestützten Ausbrüchen des vollen Orchesters reicht, ist verlust- und verzerrungsfrei abgebildet. Gelegentliches Husten aus dem Publikum oder Nebengeräusche aus dem Orchester gehören zur Live-Atmosphäre einfach dazu und beeinträchtigen den Hörgenuss nicht. Das Booklet kommt zwar in Hochglanzoptik daher, weist jedoch – insbesondere zum Werk – nicht gerade umfangreiche Texte auf, zudem lediglich in Englisch und Japanisch. Inhaltlich geht das über grundsolides Niveau nicht hinaus.

Audiophile Aufnahme

Mácals Interpretation kann man trotz der genannten Kritikpunkte ohne größere Bedenken akzeptieren, es sollte aber auch ergänzt werden, dass sie der umfangreichen Liste der Mahler-Deutungen am Ende nichts entscheidend Neues hinzufügt, so wie es etwa Norrington in seinem Zyklus (wenn auch vielleicht nicht immer so erfolgreich) ganz explizit versucht. Wer noch keine Aufnahme der fünften Sinfonie besitzt oder interpretatorische Individualität hinter klangtechnische Belange zurückstellt, der sei nachdrücklich auf diese audiophile Einspielung hingewiesen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mahler, Gustav: Sinfonie Nr. 5 cis-Moll

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Octavia
1
19.10.2007
Medium:
EAN:

SACD
5425008376134


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Octavia

EXTON & TRITON sind zwei audiophile Reihen von Octavia Records aus Japan, die sich vornehmlich auf europäische Sinfonik, Klaviermusik und Kammermusik spezialisiert haben.

Die Zusammenarbeit mit so bedeutenden Orchestern wie Sydney Symphony, Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Pittsburgh Symphony Orchestra, Netherlands Radio Philharmonic Orchestra und so berühmten Dirigenten und Künstlern wie Vladimir Ashkenazy, Manfred Honeck, Sakari Oramo, Pascal Rogé, Jaap van Zweden u.v.a. zeugen von derem hohen Anspruch.


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