> > > Schostakowitsch, Dimitri: Streichquartette Nr. 2 & 4
Montag, 5. Dezember 2022

Schostakowitsch, Dimitri - Streichquartette Nr. 2 & 4

Vertieft


Label/Verlag: Channel Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Aufnahme der Streichquartette Nr. 2 und 4 von Dimitrij Schostakowitsch in einer Bearbeitung für Streichorchester ist ein seltener Glücksfall.

Die Amsterdam Sinfonietta hat sich als eines der international herausragenden Streichorchester fest etabliert. Sie verfügt wie kaum ein anderes Streichorchester – vom Ostbottnischen Kammerorchester vielleicht einmal abgesehen – über eine exzellente Abstimmung, die das Spiel des 22-köpfigen Klangkörpers so wirken lässt, als spiele ein Streichquartett. Hinzu kommt ein wunderbar runder, homogener Ensembleklang. Ergänzt wird die hohe Präzision jedoch durch einen kammermusikalischen Geist: Jeder einzelne Musiker fühlt sich offenbar für das Gesamtergebnis verantwortlich und legt sich entsprechend engagiert ins Zeug. Beste Voraussetzungen also für einzigartige Werkdarstellungen – was die Amsterdam Sinfonietta in der Vergangenheit oftmals bewiesen hat.

Das holländische Streichorchester stellt, zumal in den bei Channel Classics veröffentlichten Einspielungen, vor allem kammermusikalisches Repertoire in den Vordergrund, das für Streichorchester arrangiert wurde. Dies trifft auch auf die Einspielung der Streichquartette Nr. 2 und 4 von Dimitrij Schostakowitsch zu, die vor einiger Zeit erschienen ist. Zugleich knüpft das Orchester mit Schostakowitsch an seine ersten Erfolge an, als die Amsterdam Sinfonietta noch von Lev Markiz geleitet wurde. Die erste Einspielung galt den von Rudolf Barshai besorgten Bearbeitungen der Schostakowitsch-Quartette Nr. 8 und 10. Nun, fast 20 Jahre später und mittlerweile unter der Leitung der Konzertmeisterin Candida Thompson, ist die musikalische Qualität des Orchesters aufgrund der intensiven Zusammenarbeit über einen langen Zeitraum noch ein wenig höher. Zudem scheint Candida Thompson als prima inter pares ihre Kolleginnen und Kollegen zu musikalischen Höchstleistungen herauszufordern. Das ist in den beiden hier aufgenommen Quartetten, deren Streichorchesterbearbeitung von einem der Kontrabassisten, Marijn van Prooijen, erstellt wurde, in jeder Sekunde beinahe mit Händen zu greifen.

Die beiden 1944 (Quartett Nr. 2) und 1949 (Quartett Nr. 4) entstandenen Werke werden hier in mehrerlei Hinsicht vertieft. Zuerst einmal ganz einfach dadurch, dass die hinzugefügte Kontrabassstimme dem Klangbild eine sonore Tiefe verleiht. Sie führt dazu, sinfonische Klangdimensionen zu erschaffen – etwa in der kräftig zupackenden 'Ouvertüre' des A-Dur-Quartetts op. 68 –, an anderer Stelle, beispielsweise im 'Allegretto' des Streichquartetts Nr. 4 D-Dur op. 83, dass der Orgelpunkt als Klangstütze den Oberstimmen einen festen Grund bereitet. Der satte, weich gemischte Gesamtklang des Ensembles erweist sich als äußerst flexibel – je nach expressivem Kontext. Mal verdichtet er sich zu sinfonischer Stärke und Opulenz, mal zeigt er sich faserdünn, gar brüchig, um die Tragik, die sich in diesen beiden Streichquartetten selbst hinter lebendigen Rhythmen verbirgt, zu unterstreichen.

Candida Thompson, die das instrumentale Rezitativ im zweiten Satz des A-Dur-Quartetts expressiv, aber ohne Überzeichnung anlegt, bringt das Streichorchester dazu, die gegensätzlichen Stimmungen dieser Musik voll auszuspielen. Sind bereits die ersten drei Sätze des D-Dur-Quartetts von großer Innenspannung erfüllt, so erweist sich das Finale als ein höchst energisch angegangener Höhepunkt, der die Amsterdam Sinfonietta als ein Kammerensemble mit sinfonischem Potential zeigt.

Die ganze Ausdruckspalette des Orchesterspiels wirkt freilich vor allem deshalb so fesselnd, weil der Klang von C. Jared Sacks kongenial verarbeitet wurde. Die dynamische Bandbreite ist fesselnd – allein solche Piano-Abstufungen hören zu dürfen lohnte den Kauf dieser Aufnahme –, die Reichhaltigkeit der Farben innerhalb des Streichensembles erstaunlich. Doch am besten gefällt die Mischung von breitem Klangpanorama und Deutlichkeit polyphoner Linienführung. Allein aus klangtechnischen Gründen gehört diese hybride SACD zu den gelungensten Einspielungen. Dass sie auch musikalisch keine Wünsche offen lässt, macht sie umso empfehlenswerter.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schostakowitsch, Dimitri: Streichquartette Nr. 2 & 4

Label:
Anzahl Medien:
Channel Classics
1
Medium:
EAN:

SACD
723385260073


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Channel Classics

Channel Classics Records is a quality record label based in Holland. Director, producer and recording engineer is C. Jared Sacks. Having grown up in Boston Massachusetts, schooled at Oberlin Conservatory and the Amsterdam Conservatory of music with 15 years experience playing French Horn, Jared decided to make his hobby of recording a profession in 1987. The label started in 1990 with the name Channel Classics coming from the street he lived on in Amsterdam. (Kanaalstraat).
Jared and his Dutch wife Lydi Groenewegen together with a group of assistants work closely with distributors in 37 countries to promote the artists through the CD?s.


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