> > > Vaganten ohne Heimat. Lieder und Texte über Zigeuner und andere Heimatlose: Brahms (Zigeunerlieder), Dvorak (Zigeunermelodien) u.a.
Samstag, 28. Mai 2022

Vaganten ohne Heimat. Lieder und Texte über Zigeuner und andere Heimatlose - Brahms (Zigeunerlieder), Dvorak (Zigeunermelodien) u.a.

Heimatlos


Label/Verlag: Musicaphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Lieder und Texte über das Ungebundene und Heimatlose in romantischer Idylle und der Realität des 20. Jahrhunderts.

Die bei Musicaphon erschienene CD ‚Vaganten ohne Heimat – Songs about the Homeless’ vereint eine beeindruckende Zusammenstellung von Liedern und Texten über Zigeuner und andere Heimatlose. Geschickt und ansprechend werden zwischen romantischen Liedern von Brahms, Liszt, Stolz und Dvořák Texte von Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts eingefügt. Mit Franziska Vondru, Gesang und Rezitation, und Wolfgang Hess, Klavier, hat sich ein Duo gefunden, das auf angenehme Art und Weise in die Welt der Vertriebenen ein- und entführt. Von Johannes Brahms sind auf dieser CD acht Lieder aus den 'Zigeunerliedern’ op. 103 zu hören und von Antonin Dvořák sieben Lieder aus den 'Zigeunermelodien’ op. 55. Von Franz Liszt ist das Lied 'Die drei Zigeuner’ mit aufgenommen worden und von Robert Stolz das Chanson 'Zigeunerlied’, op. 139.

Franziska Vondru bringt jedes Lied auf andere Weise zum Klingen, egal ob es melancholisch, beschwingt, dramatisch oder fröhlich angelegt ist. Vondru verfügt über eine wandelbare Stimme; sie gestaltet lange Bögen wunderschön aus und meistert auch große Sprünge und schnelle Passagen leicht und beweglich. Leider leidet an einigen wenigen Stellen die Textverständlichkeit. Wolfgang Hess überzeugt durch sein gefühlvolles, angenehmes, nicht aufdringliches Klavierspiel. Das Duo scheint sehr gut aufeinander eingespielt, jedes Ritardando erklingt gut abgestimmt, ebenso jeder Dynamikwechsel. Allerdings tritt das Klavier teilweise etwas zu sehr in den Hintergrund, was aber eher an der nicht perfekt ausgesteuerten Aufnahme liegen mag.

Die Texte und Gedichte, die auf der CD zu hören sind, stammen alle aus dem 20. Jahrhundert. Eine Ausnahme bilden die Ausschnitte aus der Novelle ‚Carmen’ von Prosper Merimée, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts geschrieben wurden. Neben den beiden Novellenausschnitten wurden Gedichten von Gertrud Kolmar, Mascha Kaléko, Federico Garcia Lorca, Mahmud Darwish und Selma Meerbaum-Eisinger mit aufgenommen.

Franziska Vondru trägt die Texte emotional und lebendig vor. Ihre Sprechstimme überrascht, ganz anders als beim Gesang, durch das tiefe, warme Timbre. So heben sich die Texte deutlich von den Liedern ab.

Informativ und ansprechend schlicht ist das Booklet gestaltet. In einer kurzen Einführung wird die Intention dieser CD deutlich gemacht. Der Booklettext gibt einen Überblick über die Komponisten und Autoren sowie deren jeweilige Lebensläufe. Darüber hinaus sind alle Lied- und Sprechtexte abgedruckt. Auch die Musiker werden mit einem kurzen Lebenslauf vorgestellt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Claudia Pollety Kritik von Claudia Pollety,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Vaganten ohne Heimat. Lieder und Texte über Zigeuner und andere Heimatlose: Brahms (Zigeunerlieder), Dvorak (Zigeunermelodien) u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Musicaphon
1
23.09.2007
59:25
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4012471518799
M56879


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"Die Fahrenden, das fahrende Volk, Menschen ohne feste Heimat - wer das in früheren Jahrhunderten sagte, meinte meist die Zigeuner. Die Geschichte weiß - ähnlich wie bei den Juden - von jahrhundertelanger Diskriminierung, Ächtung, Verfolgung und Vertreibung. Inzwischen ist uns längst bewusst, dass heimatlos sein, vertrieben werden, nicht geduldet werden oder ins Exil gehen müssen nicht unbedingt nur mit dem mittlerweile zum Schimpfwort gewordenen Begriff des Zigeuners verbunden ist. In diesem Programm werden Lieder und Literatur aus der Zeit der Romantik mit ihren eher idealisierenden oder klischeehaften Bildern Sprechtexten von Autoren des 20. Jahrhunderts gegenübergestellt. Fast alle dieser Autoren haben - ungeachtet ihrer Herkunft - etwas gemeinsam: sie haben selbst erlebt, was es heißt, vertrieben worden zu sein, die Heimat verloren zu haben oder im Exil leben zu müssen. Franziska Vondru hatte Engagements an den Städtischen Bühnen Frankfurt, an der Deutschen Oper Berlin, diverse Gastspiele in Europa, war außerdem bei Funk und Fernsehen tätig sowie in Konzerten in den Bereichen Lied und Oratorium. Von 1991 bis war sie 1998 Dozentin für Gesang am Institut für Musikpädagogik der J.W.Goethe-Universität Frankfurt. Seit 1998 lehrt sie an der Musikhochschule Frankfurt. Besonderer Schwerpunkt ihrer Konzerttätigkeit sind Themenabende mit Liedgesang und Sprechkunst, die auch durch CD-Einspielungen dokumentiert sind, wie zum Beispiel „Herz, stirb oder singe“ (Musicaphon M 56844)"


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Musicaphon

Ende der 50er Jahre gründete Karl Merseburger, Inhaber des Tonkunstverlages in Darmstadt, das Label CANTATE. Etwa zur gleichen Zeit rief Karl Vötterle (Bärenreiter-Verlag) in Kassel MUSICAPHON ins Leben. In beiden Fällen sollte vorrangig das jeweilige Verlagsprogramm auf Tonträgern dokumentiert werden. Nachdem Merseburger den Tonkunstverlag 1963 aufgeben mußte, übernahm Bärenreiter das Label CANTATE und führte beide gemeinsam unter dem Dach der 1965 gegründeten Vertriebsfirma "Vereinigte Schallplattenvertriebsgesellschaft Disco-Center" fort. Auf beiden Labels erschienen in den 60er und 70er Jahren bedeutende Aufnahmen. Besondere Schwerpunkte setzte Wilhelm Ehmann, Leiter der Westfälischen Kantorei in Herford, mit seinen historischer Aufführungspraxis verpflichteten Interpretationen der Werke von Heinrich Schütz. Bach-Kantaten wurden von Helmuth Rilling mit der Gächinger Kantorei und dem Figuralchor der Gedächtniskirche Stuttgart eingespielt. MUSICAPHON gewann daneben Profil mit der Veröffentlichung musikethnologischer Aufnahmen, herausgegeben von der UNESCO (Musik des Orients und Musik Afrikas) bzw. vom musikwissenschaftlichen Institut der Universität Basel (Musik Ozeaniens und Musik Südostasiens). 1994 erwarb der Musikwissenschaftler Dr. Rainer Kahleyss (Kassel) die Label, 1996 auch die Vertriebsfirma von Bärenreiter, die jetzt als "Klassik Center Kassel" firmiert. Seitdem werden auf CANTATE geistliche Musik, auf MUSICAPHON weltliche Musik vom Frühbarock bis zur Gegenwart veröffentlicht. Auch für die Rezeptionsgeschichte bedeutsame Aufnahmen der Altkataloge werden sukzessive auf CD umgestellt.


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