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Sonntag, 28. November 2021

Bach, Johann Sebastian - Orgelwerke

Herzlichst grüssen Reger und Straube


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bachs Orgelwerk entfaltet in Silbermanns Orgellandschaften in den gar nicht angestaubten VEB-Aufnahmen der 60er und frühen 70er Jahre - ein Festmenü für das Opulenz liebende Ohr.

‚Preise dein Glücke, gesegnetes Sachsen’, möchte man da doch ob dieses schmucken Pappschächtelchens, welches der geneigte Rezensent gerade in den Händen hält, freudig ausrufen: Johann Sebastian Bachs so ziemlich komplettes Orgelwerk gespielt auf des heiligen Gottfried Silbermanns Orgeln von der mitteldeutschen Phalanx rühriger Tastenprofessoren und aufgezeichnet in den glorifiziert ostalgischen Tagen der ‚VEB Deutsche Schallplatten Berlin’ der 1960er und frühen 1970er Jahren. Die 15 CDs legen nicht nur beredtes Zeugnis ab von der sächsischen Silbermännischen Orgellandschaft, sondern dokumentieren auch eine Geschichte der Traditionsweitergabe.

Über 50 Orgeln baute Gottfried Silbermann (1683-1753) in den sächsischen Landen.12 davon sind hier klingend vereint. Es sind dies die Orgeln im Dom zu Freiberg, in der St. Georgskirche zu Rötha, in der Dorfkirche zu Helbigsdorf, in der Dorfkirche zu Reinhardtsgrimma, in der Dorfkirche zu Crostau, in der St. Petrikirche zu Freiberg, in der Dorfkirche zu Ponitz, in der Dorfkirche zu Großhartmannsdorf, in der Dorfkirche zu Fraureuth, in der Schlosskirche Burgk, in der Dorfkirche zu Nassau und schließlich in der Katholischen Hofkirche zu Dresden. Keine als komplette Edition der Orgelwerke Bachs intendierte Veröffentlichung ist dieser dicke Schuber, vielmehr eine Kompilation unterschiedlicher, vormals einzeln publizierter Einspielungen der in Sachsen wirkenden oder meist gewirkt habenden Orgelgrößen Robert Köhler, Arthur Eger, Christoph Albrecht, Hans Otto, Hannes Kästner, Günter Metz, Herbert Collum, Johannes Schäfer, Johannes-Ernst Köhler und Erich Piasetzki. Aus diesem Grunde sind die verschiedenen Werkgruppen und ihre BWV-Nummern innerhalb dieser 15 CDs massiv gestreut, unterbrochen und erst anderswo wieder fortgesetzt, was mitunter die Akribisten stören mag. Editorische Gewichtung erhalten diese Aufnahmen nicht einmal in erster Linie durch die durchweg herausragenden Interpretationen der Genannten, sondern vielmehr durch die im Booklet fokussierte enorme Fülle an Informationen zu den einzelnen Orgeln, ihrer Entstehung, Klangqualität und genauen Disposition.

Was aus dem Lautsprecher dringt, sind Interpretationen von jenen, die gleichsam in der Max Regerschen organistischen Tradition der Leipziger Straube/Ramin-Kaderschmiede erzogen wurden. Punktgenauigkeit und perlende Transparenz waren nicht die Zielsetzungen dieser Lehrmeister. Gebundenes Spiel, die Dominanz der beinahe romantisierend ausgeschwungenen Phrase, edle, vollfarbige Klanglichkeit in intrikaten Registerwechseln – das waren die Axiome, die in den Schülern fortwirkten und auch diese Einspielungen noch auffallend prägen. Das Schöne daran: man hört Bachs Orgelwerk von Organisten gespielt, die den Mut zur klanglichen Entfaltung nie verloren, denen das Musikantische immer oberstes Gebot vor der puritanischen Intellektualität blutleerer Selbstgefälligkeit war. Herrlich unverkopfte, unverkrampfte, satte, klangreiche Darbietungen in volumenausschöpfender Klangqualität.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Orgelwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
15
26.10.2007
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
782124841720
0184172BC


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"Nicht nur für ausgemachte Orgel-Fans ist diese Box mit nahezu allen wichtigen Orgelwerken Johann Sebastian Bachs eine interessante Sammlung mit Editions-Charakter. Die verschiedenen, historisch bedeutsamen Silbermannorgeln verbinden alle Aufnahmen und machen diese Zusammenstellung zu etwas wirklich Besonderem und in ihrem Umfang Einzigartigem. Bach hat in der Orgel von Anfang an das ihm gemäße Ausdrucksmittel gesehen und sich mit dieser Gattung während seines gesamten Lebens kontinuierlich auseinandergesetzt. Schon früh hatte der Ruhm des damals jungen Bach sich bereits über die Grenzen seiner unmittelbaren mitteldeutschen Heimat verbreitet - man lobte seine spieltechnischen Fertigkeiten genauso wie sein „freyes Orgelspiel“ und die Vollkommenheit seiner Orgelstücke. Silbermanns Orgeln in Thüringen und Sachsen zählen heute zu den großen Schätzen barocker Orgelbaukunst, er stellte hohe Anforderungen an die Qualität der handwerklichen Arbeit und schon zu Lebzeiten wurden seine Orgelbauten in Lob- und Erinnerungsgedichten gepriesen: kein noch so kleiner technischer Mangel konnte festgestellt werden. Bachs Orgelwerke auf Orgeln der bedeutendsten deutschen Orgelbaumeister des 18. Jahrhunderts - allemal ein Höhepunkt!"


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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