> > > Ludwig Güttler spielt:: Werke von: Vivaldi, Telemann, Heinichen u.a.
Donnerstag, 2. Dezember 2021

Ludwig Güttler spielt: - Werke von: Vivaldi, Telemann, Heinichen u.a.

Dresdner Hofmusik im Güttler-Marathon


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dresdner Hofmusik kompakt: Ludwig Güttler und die Virtuosi Saxoniae präsentieren stundenweise kompositorische Juwelen für die sächsischen Kurfürsten - nur wenige bleiben ungeschliffen.

Am Hof der kunst- und musiksinnigen Fürsten in Dresden war im 18. Jahrhundert einiges geboten. Die schiere Unersättlichkeit der Hoheiten in musischen Dingen generierte ein regelrechtes Füllhorn der Musikgeschichte. Davon legen die zahlreichen Quellen in der Sächsischen Landesbibliothek reiches Zeugnis ab. Dresden war ohne Zweifel einer der Brennpunkte des europäischen Musiklebens des 18. Jahrhunderts. Die 1548 gegründete Dresdner Hofkapelle hatte durch ihre außergewöhnlich reiche Ausstattung und Leistungsstärke unter der Führung von Johann Georg Pisendel eine Internationalität erreicht, von der sich auch ein Antonio Vivaldi gerne überzeugen ließ. In der Funktion des Leiters der Kammermusik des sächsischen Kurprinzen Friedrich August war Pisendel 1716 nach Venedig gekommen, Vivaldis Schüler geworden und 1717 mit Konzerten des Italieners nach Dresden zurückgekehrt. Angeregt durch die Professionalität der Dresdner Hofkapelle, komponierten auch Georg Philipp Telemann, Johann David Heinichen, Johann Friedrich Fasch und Johann Gottlieb Graun Konzerte für dieses Orchester. Sie sind auf der ersten von insgesamt acht CDs enthalten, die sich in einem profunden Überblick der weltlichen wie geistlichen Musik am Hofe Dresdens im 18. Jahrhundert widmen. Die anderen CDs enthalten Sinfonias und Konzerte wiederum von Telemann, Pisendel, Vivaldi, Johann Joachim Quantz, Capriccios und Psalmen von Jan Dismas Zelenka, die Missa Die Patri C-Dur desselben Komponisten, Johann Adolf Hasses Messe in g-moll sowie Zelenkas Laudate Pueri und Kantaten von Attilio Ariosti, Alessandro Scarlatti, Heinichen und Johann Joseph Fux. Einmal mehr war es der rührige Ludwig Güttler, der mit seinen Virtuosi Saxoniae in der Zeitspanne von 1989 bis 1995 die vorliegenden Aufnahmen produzierte. ‚Berlin Classics’ hat diese umfangreiche Kompilation der einst schon mal veröffentlichten Einspielungen im dicken Schuber in Zweitauswertung wiederaufgelegt. Ein Kompendium meist exquisiter Aufnahmen.

Mit Vibrato geht es auch

Ganz so historisch, wie es zumindest die die CD-Hüllen zierenden Stadtansichten Dresdens aus dem 18. Jahrhundert suggerieren, geht es in den Einspielungen selbst nicht zu. Historisch informiert heißt für Güttler und die Virtuosi Saxoniae in erster Linie, die geforderte barocke Phrasierung zu determinieren, nicht aber, die Faktur der Musik durch entschlacktes Non-Vibrato-Spiel in die Blutarmut zu treiben. Hier wird dem edel polierten Mischklang gefrönt, dass es eine wahre Hörfreude ist, weil die Virtuosi Saxoniae all die delikaten Konzerte und Sinfonias mit so satter Stringenz und Formteile prägnant abzirkelnder Binnenspannung belegen. Und diese energetisch aufgeladene Edelpolitur reinigt eben nicht, wie man vielleicht denken könnte, lediglich die Folie, auf der Güttler seine blechblastechnischen Virtuositäten ausbreiten kann. Nichts verkommt hier zur Staffage, keine Schichtung solistischer und orchestraler Passagen bleibt unausbalanciert, hier herrscht spielfreudiges Dialogisieren. Dass Güttlers Dirigat das Klangbild gleichsam ästhetisiert, indem er so manchem Übergang, so mancher formalen Abgrenzung die Kanten glättet, mag man ihm nachsehen. Alles ist sauber ausgehört, artikuliert, rhythmisch aufgeladen und dynamisch differenziert. Eine Balance, die in den Aufnahmen der geistlichen Werke mitunter ins Wanken gerät. Dem germanisierten Lateinisch des Tenors Peter Schreier, dem unter anderem die Partien in Zelenkas Laudate Pueri-Kompositionen zukommen, ist das nicht vorrangig anzukreiden. Profi genug, die altersbedingten Engführungen der Stimme in höherer Lage und die etwas liquide formulierten Koloraturen gesangstechnisch abzufedern, kann er durchaus überzeugen. Routinierte Gesangsprofessionalität beweisen auch Venceslava Hruba-Freiberger, René Jacobs, Reinhart Ginzel und Olaf Bär in Zelenkas Missa Die Patri C-Dur sowie Dagmar Schellenberger, Axel Köhler, Ralph Eschrig und Egbert Junghanns in Hasses Messe g-Moll. Beide Messen werden chorisch vom Thüringischen Akademischen Singkreis betreut, der sehr wohl mit kraftvollen Stimmgruppen aufwartet. Diese Kraft aber ist die Crux: in der Dynamik agiert der Chor oft zu undifferenziert, wirkt so balanceschwächend auf die Interaktion von Vokalem und Instrumentalem ein und verliert in der Höhe an schlagkräftigen Volumen, gerade weil in der Höhe gestemmt und eng gesungen wird.

Die Klangqualität der knapp 20- bis 12-jährigen Aufnahmen ist zufriedenstellend, im Volumen etwas flach, aber in guter Schichtbalance. Aufmerksamkeit verdient überdies das umfangreiche und äußerst informative Booklet. Ein angenehm zu gehender Güttler-Marathon ohne eigentliche Durststrecken.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ludwig Güttler spielt:: Werke von: Vivaldi, Telemann, Heinichen u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
8
26.10.2007
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
782124841621
0184162BC


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"Die Dresdner Hofkapelle gehörte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu den besten Ensembles in ganz Europa und zählte zahlreiche Ausnahmevirtuosen zu ihren Mitgliedern. Das berühmte „Dresdner Barock“ steht in der Musikgeschichte für einen opulenten, an Soloinstrumenten reichen Concerto-Stil, der auch ein wichtiger Schritt hin zur klassischen Sinfonik war: Aber auch die geistlichen Werke, die hier entstanden sind, überraschen durch eine Vielfalt an Formen des Ausdrucks und der Gestaltung, wie sie auf diesem Gebiet eher selten anzutreffen sind. Vivaldis Techniken aufgreifend, entwickelten Komponisten um Pisendel, Heinichen und Zelenka einen für Dresden typischen reichhaltigen Klang. Wer sonst wenn nicht die besten Musiker der Dresdner Spitzenorchester sind für dieses Repertoire prädestiniert, und in dieser Box sind acht mittlerweile legendäre Aufnahmen der Virtuosi Saxoniae unter Ludwig Güttler erstmals zusammengefaßt. Ein Kaleidoskop musikalischer Hochkultur und authentischen Musizierens in kompakter und preisgünstiger Form!"


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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