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Montag, 6. Dezember 2021

Bach, Johann Christian - Symphonies concertantes vol.5

Für musikalische Stammbaumforscher


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Orchester findet die Balance zwischen historischem Klang und geschmackvollem Musizieren.

Eine Lieblingsbeschäftigung der Musikwissenschaftler ist das Durchforsten der Musikgeschichte nach Vererbungslinien. Im Mittelpunkt des Interesses steht das Ziel, bestimmte musikalische Entwicklungen mit Namen zu verknüpfen und diese wiederum in eine chronologische Reihe zu bringen. Dabei kommen dann im Idealfall Stammbäume von nicht unbeträchtlicher Länge zustande, die Aussagen darüber machen können, welcher Komponist bei welchem Vorgänger über die imaginäre Schulter geschaut hat. Mit der Gesamtaufnahme der Sinfonie Concertante des zweitjüngsten Sohnes von Johann Sebastian Bach, Johann Christian, hat das Label cpo einen Komponisten entdeckt, der eine Art Mittelstellung in einem solchen Stammbaum einnimmt.

Johann Sebastian Bach starb, als Johann Christian fünfzehn Jahre alt war. Trotzdem mag die musikalische Ausbildung des Vaters eine gründliche gewesen sein. Nach seinem Tod lebte Johann Christian fünf Jahre bei seinem Bruder Carl Philipp Emanuel, der bereits ein angesehener Komponist am Berliner Hof war. Dort erfuhr Johann Christian eine Ausweitung seines Weltbildes, die für seinen darauf folgenden, sieben Jahre andauernden Aufenthalt in Italien sicherlich von entscheidender Bedeutung war. In Italien konnte er sich einen Ruf als Opernkomponist erwerben, der ihn schließlich bis nach London führte, wo er ab 1762 bis zu seinem Tod im Jahr 1782 lebte und arbeitete.
Das Londoner Publikum nahm ihn mit Freuden auf, hatte doch Georg Friedrich Händel die Wege für italienische Oper in Englands Hauptstadt bereitet. Zwar ließ das Interesse des Londoner Publikums an seiner Musik gegen Ende seines Lebens merklich nach und er starb nach längerer Krankheit im Alter von 46 Jahren von den Engländern unbeweint, sein Ansehen auf dem Kontinent war jedoch durchaus hoch.
Für zwei der wichtigsten europäischen Musikzentren, Paris und Mannheim, hatte er Opern geschrieben. In Paris kam es mehrfach zu Begegnungen mit Wolfgang Amadeus Mozart, der wiederum um den bewunderten Freund länger als die Engländer trauerte und immer wieder behauptete, dass Johann Christian Bach sein geistiger Ziehvater sei. Hört man die Sinfonie Concertante, glaubt man ihm aufs Wort. Man versteht sofort die Herkunft von Mozarts Tonsprache, auch wenn seine Musik ungleich komplexer ist als Bachs. Die gehört aber dennoch zur gehobenen Unterhaltungsmusik, weil sie ein Bedürfnis nach Musikaufführungen befriedigte, das durch die Entstehung öffentlicher Konzerte entstand.
Die Gattung der Sinfonia concertante versprach reichlich Abwechslung: Anders als beim barocken Concerto grosso, in dem eine Solistengruppe vom Pleno-Orchester passagenweise unterstützt wurde, haben bei ihr zwei oder mehrere Instrumente ausgearbeitete solistische Parts. In dieser Gattung gebührte wieder einmal Mozart die Krone für das beste Werk, die Sinfonia concertante KV 364 für Violine, Viola und Orchester. Johann Christian Bachs insgesamt mindestens 17 derartige Kompositionen verfügen jedoch allein schon wegen der unterschiedlichen Besetzung des Soloparts über mehr Abwechslung.

Die Hanover Band unter Anthony Halstead spielte in der fünften Folge der cpo-Gesamtaufnahme drei Sinfonien ein: C36a in C-Dur mit zwei Violinen und Cello, C39 in D-Dur mit zwei Flöten, zwei Violinen und Cello und C40 in Es-Dur mit zwei Oboen, zwei Hörnern, zwei Violinen, zwei Violen und Cello.
Eines lässt sich Bach bestimmt nicht vorwerfen: eine krampfhafte Suche nach einer neuen Tonsprache oder neuen Formen. Seine Werke sind gefällige Unterhaltungsstücke, die dem Geschmack eines breiten Publikums entgegen kamen. Und Halstead lässt keinen Zweifel an ihrem Unterhaltungscharakter. Das Orchester findet die Balance zwischen historischem Klang und geschmackvollem Musizieren. Dass die Werke dabei zum Teil austauschbar erscheinen, liegt jedenfalls nicht an der sorgfältigen Interpretation.

Die Klangqualität ist, wie bei cpo üblich, famos, das CD-Booklet ist, ebenfalls wie üblich, mit jeder Menge Informationen zu Komponist und Werken bestückt. Die Reihe ist empfehlenswert, auf jeden Fall für musikalische Stammbaumforscher.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Kritik von Dirk Jaehner,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Christian: Symphonies concertantes vol.5

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
cpo
1
54:47
1999
2001
Medium:
BestellNr.:
CD
999 628-2

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Bach, Johann Christian


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Dirigent(en):Halstead, Anthony
Orchester/Ensemble:The Hanover Band


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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