> > > Chopin, Frédéric: Cello-Sonate g-Moll Op. 65
Samstag, 25. November 2017

Chopin, Frédéric - Cello-Sonate g-Moll Op. 65

Gelungenes Miteinander


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Beliebtes und Ungewöhnliches aus dem Repertoire für Cello und Klavier in einer sehr beachtenswerten Deutung zweier Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs. Das Duo Julian Arp und Caspar Frantz spielt Werke von Chopin, Schumann, Debussy und Janáèek.

Mit dem Cellisten Julian Arp und dem Pianisten Caspar Frantz legen zwei viel versprechende junge Künstler ihr Schallplattendebüt vor. Das Leipziger Label Genuin widmet den Preisträgern des Deutschen Musikwettbewerbs, bei dem das Duo im Jahr 2006 ausgezeichnet wurde, seit kurzem die CD-Reihe Edition Primavera. Hier ist nun auch ein Tonträger mit dem Duo Arp Frantz und einem durchaus außergewöhnlichen Kammermusikprogramm erschienen, aufgenommen im Saal der Siemensvilla zu Berlin. Das Duo interpretiert mit der Cellosonate von Claude Debussy und Robert Schumanns Phantasiestücken op. 73 zwei Standards des Repertoires, lässt aber mit der Einspielung zweier seltener gehörter Werke aufhorchen: der späten, zu Unrecht vernachlässigten Sonate op. 65 von Frédéric Chopin sowie des Zyklus Pohádka von Leoš Janáèek.

Die beiden 26jährigen Musiker haben ihr Studium noch nicht beendet (Arp als Meisterschüler von Prof. David Geringas an der Berliner Musikhochschule Hanns Eisler, Frantz in der Klasse von Prof. Matthias Kirschnereit an der Rostocker Musikhochschule). Die souveräne Darbietung hält allerdings dem Vergleich mit Spitzenmusikern ohne weiteres stand – dem Hörer offenbart sich eine äußerst gelungene Synthese zweier künstlerischer Überzeugungen, der die zehnjährige gemeinsame Spielpraxis in jeder Phrase anzumerken ist.

Dialog und vollkommene Gleichberechtigung

Frantz versteht es, im ausladenden Klavierpart von Chopins später Cellosonate dem Melodieinstrument den Raum zu geben, den es benötigt, um sich auch im mittleren und tiefen Register entfalten zu können. Das Verhältnis der beiden Instrumente ist niemals problematisch: die Partner befinden sich im ständigen musikalischen Dialog, wenn einer der beiden nicht zeitweise begleitend zurück tritt, ohne dadurch an Substanz zu verlieren. Arp phrasiert so lebendig wie ein Bläser, vor allem in den Kantilenen des knappen Largo und im lyrischen Mittelteil des Scherzosatzes, der schön mit dem energischen Charakter der Außenteile kontrastiert. Hier greifen das bewegte Oktavunisono des Klaviers und die knappen, aber immer kantablen Phrasen des Cellos wie in einem netzartigen Geflecht ineinander.

Schumanns Drei Phantasiestücke, im Original für Klarinette, zeichnet hier ein Aspekt aus, der sich mir in der Deutung des Duos Arp Frantz erstmals vermittelt: Das feurige dritte Stück ergibt sich wie notwendig, gleichsam als Coda, aus dem Mittelsatz. Eine Steigerung in Tempo und Dramatik, die den ganzen Zyklus durchzieht, wird so spürbar – das Werk wirkt nicht mehrteilig, sondern wie ein einziger Phantasiesatz, der wie aus einem Guss musiziert wird.

Zwar liegt in Debussys Cellosonate von 1915 ein kompositorisches Übergewicht auf dem Part des Cellos. Der Streicherpart wird aber zumeist lyrisch und mitunter sogar hauchzart in hohe Flageolett-Regionen geführt, so dass er trotz ständiger Präsenz niemals als vordergründige Solostimme erscheint. Nur vereinzelt, wenn dunkle Farben die Einleitungen im ersten und dritten Satz bestimmen, gehen Passagen der C-Saite in den Figurationen des Klaviers unter. Der vibratolose Ton wird von Julian Arp an den geeigneten Stellen sehr effektvoll eingesetzt; die Kombination von Pizzicato und trockenen Klavierakkorden in der Sérénade klingt sehr disparat, aber als Prinzip von antagonistischen Klangebenen durchaus überzeugend.

Interpretationen lassen wenig zu wünschen übrig

Eine ähnlich dominante Rolle wie in der Debussy-Sonate spielt das Pizzicato in den drei Märchenbildern Pohádka von Janáèek, wird aber hier noch besser ausgelotet. Die für den Komponisten so typische fragmentarische Satzweise, die manchmal wie abgerissen anmutenden Phrasen, dürften für mich sogar noch überraschender inszeniert werden. Sehr gut gelingt dem Duo auch hier die Betonung des starken dialogischen Charakters des Werkes: das Sich-Zuspielen von Motiven, häufig im Kanon und mit rhythmischer Überlagerung verbunden, und der damit verbundene ständige Wechsel der melodisch führenden Rolle. Besonders gut gelungen ist das Finale, eine anmutig bewegte und schließlich leise verebbende Kantilene.

Die gelegentlichen Griffgeräusche des Cellisten stören nicht, sondern verleihen der Darbietung zusätzliche Authentizität. In der Gesamtwirkung entsteht ein sehr natürliches und auf virtuose Effekte weitgehend verzichtendes, den puren Notentext zu vermitteln suchendes Klangbild. Die Tonregie zeichnet für tadellose Ausgewogenheit in der Balance der beiden Instrumente sowie für eine warme und sehr angenehme Raumabbildung verantwortlich. Ein großer Pluspunkt ist auch die schlichte, graphisch sehr ansprechende Gestaltung des Tonträgers: das Beiheft bringt keinen belesenen musikwissenschaftlichen Analysetext, sondern ein Interview mit den beiden Künstlern. So wird Informatives auf elegante Weise in einem unterhaltsamen Gewand präsentiert – der Leser erfährt Wissenswertes über die Werke direkt aus dem Munde der Interpreten, wobei auch historische Aspekte nicht ausgeklammert bleiben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Chopin, Frédéric: Cello-Sonate g-Moll Op. 65

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
24.08.2007
EAN:

4260036250930


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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