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Mittwoch, 22. Januar 2020

Smetana, Bedrich - Orchesterwerke

Wunder der Klarheit


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Non plus ultra: Talich stellt selbst Kubelík und Anèerl in den Schatten.

Eine viel gebrauchte Floskel sagt, einer bringe etwas ‚zum Leuchten’. Auf Václav Talich und Tschechiens Musik – sei es Smetana, Dvoøák, Janacĕk, Suk, seien es die vielerlei kleineren böhmischen Meister, darunter Blodek und Kovaøovic –, auf Talich trifft diese Formel im strengsten Sinn zu, weit mehr als auf Anèerl, Neumann, selbst den großen Rafael Kubelík. Wer wissen möchte, was ‚idiomatisches’ Interpretieren landschaftlich gebundener Kompositionen ist – im besten, weltläufigsten Sinne –, der möge Vacláv Talich hören und pfingstliche Wunder musikalischer Beredsamkeit gewärtigen.

Das Label Supraphon aus Prag hat sich um Talichs tönendes Erbe in besonderer Weise verdient gemacht: Auf bislang 17 CDs bringt es das Schaffen des Meisters zu Gehör. Die (Doppel-)CD Nr. 17 versammelt Petitessen – Polkas und Ouvertüren – des tschechischen Repertoires und Sinfonische Dichtungen der ‚Klassiker’ Smetana, Dvoøák und Janacĕk. Es braucht nicht betont zu werden, dass Talich Maßstäbe setzt: Die Farben strahlen heller, als würde Staub von alten Ölgemälden geblasen. Wie matt, ja wie ratlos nehmen sich Abbados Bemühungen um Dvoøáks ‚Mittagshexe’ aus: Nichts ist hier falsch – und nichts ganz richtig. Dagegen Talich: Jede Phrase scheint haarscharf, prägnant kalibriert, nach Aufbau und dramatischem Sinn. Agogik und Artikulation: immer ins Schwarze. Bei Talich beginnen die Töne zu sprechen – wie es Sinfonischen Dichtungen frommt. Dennoch geraten die Musiker nie in die Nähe tumben Chargierens, überdeutlicher Redseligket. Die Probenmitschnitte – Übersetzungen sind im Beiheft enthalten – zeigen den Meister im steten Bemühen um Klarheit und Reinheit der Architektur und des Ausdrucks.

Die rhetorische Kraft dieser Studioaufnahmen verdankt sich zum guten Teil den Toningenieuren Stanislav Sýkora und Jaroslav Rybáø: Die ältesten Einspielungen datieren aus den 20er Jahren und klingen dennoch frisch und plastisch durchgebildet. (Den hohen Rauschpegel nehmen wir dankend in Kauf.) Sýkoras/Rybáøs vorzügliche Leistung ist symptomatisch für die außerordentliche editorische Sorgfalt dieser Edition. Endlich ein Booklet, das nicht so sehr unterhalten will (und werben), sondern informieren – unbeschadet eines durchaus goutierbaren Layouts. Dies ist der seltene Fall, dass die Form einer CD-Edition ihrem Inhalt gerecht wird. Kein Leichtes, bei Aufnahmen dieses Gewichts: Bessere Darstellungen tschechischen Repertoires wird man auch künftig nicht finden. 

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Smetana, Bedrich: Orchesterwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
2
24.08.2007
Medium:
EAN:

CD
099925383725


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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