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Sonntag, 28. November 2021

Haydn, Joseph - Lieder und Kantaten

Haydn und England


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Sopranistin Susanne Rydén und der Pianist Mark Tatlow liefern eine vielfach schöne, wenn auch nicht sehr mitreißende Interpretation der Haydnschen Lieder und Kantaten.

Joseph Haydn wurde von den Engländern während seiner beiden Londonaufenthalten wie ein Heiliger verehrt und als größtes musikalisches Genie der Zeit gefeiert. So rissen sich die Leute um seine Partituren, um die beliebten Kompositionen auch in ihren eigenen vier Wänden nachmusizieren zu können. Seine Werke erschienen in vielen kammermusikalischen Bearbeitungen. So war es nur logisch, dass die Londoner Verleger bei Haydn immer wieder neue Stücke in Auftrag gaben, die sowohl effektvoll klangen als auch nicht zu hohe technische Ansprüche an die Aufführenden stellten. So entstanden unter anderem auch sechs Lied-Vertonungen englischer Originalgedichte, die Haydn während seiner ersten Londonreise verfasste. Vorlage waren ihm dabei die Gedichte von Anne Hunter, die zu seinen engeren Bekannten vor Ort zählte. Auf Grund des großen Erfolges dieser Liedsammlung schrieb Haydn im Jahr 1800 sechs weitere Vertonungen, wobei neben Gedichten von Hunter auch Texte von Shakespeare und Metastasio als Vorlage dienten.

Schon recht zu Beginn seiner ersten Englandreise riss Haydn seine Hörer mit der Kantate ‘Arianna a Naxos’ zu solchen Tränenströmen hin, dass das Werk wegen seiner großen Ausdruckskraft sofort kultischen Charakter bekam. Jede Sängerin, die etwas auf sich hielt, nahm die Kantate in ihr Programm auf und Abschriften der Partitur kursierten schon bald in ganz Europa. Das Stück traf offenbar genau den Nerv der Zeit, denn es vereinte die allgemeine Antikenverehrung mit Elementen der Empfindsamkeit und sprach damit tonangebenden Damen wie Lady Hamilton aus dem Herzen. Diese war eine glühende Anhängerin Haydns und besuchte ihn mit ihrem Geliebten Lord Nelson sogar eigens in Eisenstadt. Sie soll ihm die zwei Tage dort nicht von der Seite gewichen sein- wie Zeitgenossen berichteten. Besonderer Höhepunkt dieses Besuchs war die Aufführung der Kantate ‘Lines from The Battle of the Nile’, einer Huldigungsode auf Lord Nelson, die Haydn dem gefeierten Seehelden zu Ehren vertont hatte. Haydn begleitete dabei Lady Hamilton am Klavier und verhalf dem Stück dadurch zu ungeahnter Popularität in England.

Die schwedische Sopranistin Susanne Rydén und der englische Pianist Mark Tatlow haben jetzt gemeinsam diese von Haydn für England komponierten Werke neu eingespielt und auf einer bei Berlin Classics erschienenen CD passend zusammengestellt.

Die Kantate ‘Arianna a Naxos’ gelingt ihnen als packende Seelenstudie, der verzweifelten Heldin. Haydns Werk, welches die letzten Minuten vor ihrem Selbstmord einfängt, spiegelt die ganze Dramatik der einsamen und enttäuschten Frau. Rydén gelingt es dabei wunderbar mit ihrer einfühlsamen Interpretation das Gefühlsleben der lebensmüden aber immer noch wütenden Arianna offenzulegen. Ihre klare, wenn auch manchmal etwas scharfe Stimme eignet sich dabei gut für Haydns Musik, denn auch wenn dieser einige virtuose Koloraturen schrieb, war doch seine Kantate eindeutig für den eleganten Salon und nicht für die Opernbühne bestimmt. Tatlow bemüht sich dabei um einen differenzierten Anschlag, der besonders in den Meeresschilderungen wunderschön perlend rauscht. Er bleibt aber immer ganz klar im Hintergrund und verharrt auch in den Zwischenspielen in der Rolle eines reinen Begleiters.

In den folgenden englischen Liedern nimmt sich auch Rydén so weit zurück, dass sie streckenweise monoton in ihrem Ausdruck ist. Ihr Timbre ist zwar weiterhin strahlend rein, doch spielt sie nie mit der ihr gegebenen stimmlichen Ausdruckspalette und riskiert keinen emotionalen Ausbruch. Dadurch betont sie zwar die künstlerische Einfachheit der schlichten Kompositionen, nimmt ihnen aber auch gleichzeitig jegliche dramatische Aussage.

Die heroische Ode ‘Battle of the Nile’ gestalten Tatlow und Rydén dann als augenzwinkernd pathetisches Schlachtengemälde, das von würdevollem Ernst und verschmitztem Stolz getragen wird. Rydén ist zwar manchmal etwas schwer zu verstehen, doch ist ihre Schilderung ansonsten überzeugend und unterhaltsam anzuhören.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Haydn, Joseph: Lieder und Kantaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Berlin Classics
1
24.08.2007
73:00
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
782124161828
0016182BC


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"Alle Werke, die die schwedische Sopranistin Susanne Rydén und der britische Pianist Mark Tatlow für diese Aufnahme ausgewählt haben, stehen in engem Zusammenhang mit Haydns Aufenthalten in London und seinen englischen Kontakten - so besingt die Kantate „The Battle of the Nile“ Lord Nelsons erfolgreiche Seeschlacht. Die inspirierte Solo-Kantate „Arianna a Naxos“ überrascht durch eingängige Melodik und emotionale Dramatik. Feine Kleinodien aus Haydns Liedschaffen ergänzen das Programm der Solo-Kantaten. Susanne Rydén verleiht mit ihrer schlanken, schimmernden Stimme dem Programm tiefsinnigen Charme. Begleitet wird sie von Mark Tatlow einfühl sam auf einem historischen Hammerflügel aus Haydns Zeit."


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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