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Donnerstag, 29. September 2022

Salieri, Antonio - La Locandiera

Schwieriger Live-Mitschnitt


Label/Verlag: NEI - Nuova Era Internazionale
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dieser Life-Mitschnitt von Salieris Oper ‘La Locandiera’ leidet unter einer schlechten Aufnahmequalität, einer schwächelnden Intonation bei Sängern und Orchester, ist aber auf Grund der musikalischen Qualität des selten gespielten Stücks hörenswert.

Salieri war 23 Jahre alt, als er von einem befreundeten Sänger dazu angeregt wurde, Goldonis erfolgreiches Theaterstück ‘La Locandiera’ zu vertonen. Seit einigen Jahren war er in Wien ansässig geworden und hatte sich trotz seines jungen Alters schon einen Namen als Opernkomponist machen können. 1773 wurde ‘La Locandiera’ in Wien uraufgeführt und sorgte sofort europaweit für viel Aufsehen, denn sowohl des heitere Sujet als auch die Musik Salieris trafen den Nerv der Zeit. Das Stück gehörte daraufhin fest zum Repertoire der Opera Buffa, doch geriet es nach der Jahrhundertwende in Vergessenheit. Die Handlung ist dabei folgende: Die attraktive und intelligente Wirtin Mirandola wickelt mehrere reiche adelige Verehrer um ihren Finger, um sich am Ende für ihren treu ergebenen Kellner Fabrizio zu entscheiden. Salieri mischt in seiner Vertonung traditionelle Rezitativ- und Arienabfolgen mit einer etwas freieren Gestaltung, die seiner melodienreichen Tonsprache gut entgegenkommt.

Der nun wieder aufgelegte Live-Mitschnitt des Stücks aus dem Teatro Rossini (Lugo1989) wird von Fabio Luisi geleitet und dokumentiert eine der frühesten Aufführungen dieser Oper nach ihrer Wiederentdeckung in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Alessandra Ruffini singt die Titelheldin mit sympathischer Schlichtheit. Ihr heller Sopran mit delikatem Vibrato passt gut zu Salieris Musik. Leider wirkt ihre Ausdruckspalette etwas eingeschränkt, denn sie variiert diese kaum, was auf die Dauer etwas monoton wirkt. Gastone Sarti als Marchese di Forlimpopoli singt seine Partie mit solider Bassstimme, die er nur selten unnötig zu Lautstärke zwingt. Koloraturen scheinen ihm hingegen nicht leicht zu fallen, denn immer wenn die Musik an Tempo gewinnt wirkt er etwas atemlos. Oslavio de Credico singt die Partie des Conte dell'Albafiorita. Seine sentimentale Eingangsarie ‘Io quand'ero ragazzo’ gestaltet er behäbig und ohne Esprit. Es fehlt ihm auch an einer leichten Höhe, was zur Folge hat, dass er in hoher Lage seine Stimme forciert. Die Rolle des Fabrizio wird von Piero Guarnera mit viel Routine gesungen. Er glänzt weder durch außergewöhnliche stimmliche Leistung noch hinterlässt er einen negativen Eindruck. Seine Stimme ist gut geführt, doch verfügt er über kein besonderes Timbre.

Hingegen kann Luigi Petroni, der den Cavaliere die Ripafratta singt, mit einer schönen Tenorstimme aufwarten, die er mit geschmeidiger Technik führt, auch wenn er in der Höhe leichte Probleme bekommt und die Stimme eng wird. Paola Leolini als Lena fällt dagegen mit ihrem herben Timbre und scharfen Vibrato negativ auf. Ihre schwerfällige Darstellung wird ihrer Partie nicht wirklich gerecht.

Das Orchester Sinfonica dell' Emilia Romagna ‘A. Toscanini’ zeigt immer wieder erhebliche Schwächen. Die Streicher spielen beispielsweise in der Ouvertüre nicht immer synchron und haben im Zusammenspiel mit den Holzbläsern Intonationsprobleme, ein Eindruck, der unter anderem durch die Akustik und schlechte Aufnahmequalität noch befördert wird. Auch hat Fabio Luisi Mühe, Orchester und Sänger in den schnelleren Duetten und Ensemblestücke zusammen zuhalten. Ansonsten ist es auf Grund der schon erwähnten Probleme mit der Akustik schwer, etwas über die Qualität seines Dirigats zu sagen, da fast alle Feinheiten verloren gegangen zu sein scheinen.

Das Booklet weist zwar eine ausführliche deutschsprachige Einführung in die Oper auf, doch ist der Text so konfus und merkwürdig übersetzt, dass es schwer fällt, ihm zu folgen. Ein weiterer Kritikpunkt sind die fehlenden Trackhinweise im abgedruckten Libretto, so dass es umständlich ist, gezielt einzelne Nummern nach Durchlesen des Librettos herauszusuchen. Trotzdem ist die Oper auf Grund ihrer musikalischen Qualität für Operninteressierte hörenswert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Salieri, Antonio: La Locandiera

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
NEI - Nuova Era Internazionale
2
19.10.2007
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4011222241856
224185


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