> > > Borodin, Alexander: Symphonien Nr. 1 & 2
Donnerstag, 2. Dezember 2021

Borodin, Alexander - Symphonien Nr. 1 & 2

Russische Heiterkeit


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Borodins heitere Symphonien werden spritzig und schwungvoll interpretiert von Michel Plasson und der Dresdner Philharmonie. Leider wird das Vergnügen durch die unbefriedigende Klangqualität getrübt.

Aleksandr Borodin wurde wie Johannes Brahms im Jahre 1833 geboren. Gemeinsam ist beiden Komponisten, dass sie für die Komposition ihrer Symphonien viele Jahre benötigten. Doch die Ergebnisse könnten kaum unterschiedlicher sein. Dabei sind entgegen allen Klischees Borodins zwei vollendete Symphonien frei jeglicher russischen Schwermut, und Brahms’ grüblerischer Stil ist nirgends zu finden. Am romantischen Anspruch der ‘Großen Symphonie’ wird man sie nicht messen dürfen, mit einer knappen halben Stunden bewegen sie sich eher im Rahmen der Werke Mozarts und Haydns. Tatsächlich sind auch charakterliche Ähnlichkeiten auszumachen: Borodins Musik ist heiter und im Klangbild aufgehellt, im Vordergrund steht besonders das hohe Holz. Vielleicht hat sich einige Jahre später Sergej Prokofjew auch an diesen Werken als Vorbild für seine ‘Symphonie Classique’ orientiert. Sind auch hin und wieder einige kleine Schwächen zu spüren (Durchführung des Eingangssatzes der Ersten), so kann man sich dem Charme dieser Werke doch nicht entziehen, der hinreißenden Schwung mit russisch-folkloristischem Kolorit und Orientalismen verbindet, stärker noch als bei Borodins Freunden des ‘Mächtigen Häufleins’.

Die Aufnahme mit dem französischen Dirigenten Michel Plasson und der Dresdner Philharmonie darf sich leider nicht ganz mit dem Attribut des Reihentitels ‘Reference’ schmücken. Durch ausgesprochen frische Tempi und große Präzision gelingt den Musikern zwar eine spritzige und nie langweilige Interpretation, und ob nicht einige Stellen doch breiter ausgespielt werden könnten ist Geschmackssache. Im orientalischen Andante der ersten Symphonie bleiben auch in dieser Frage keine Wünsche mehr offen. Ein deutliches Manko aber ist der relativ unbefriedigende Klang der Aufnahme von 1992, veröffentlicht vom Label Berlin Classics. Zu viel Hall und fehlende Tiefe lassen das Orchester blass erscheinen, und da kaum von einem hervortreten solistischer Instrumente gesprochen werden kann, leidet der kammermusikalische Charakter vieler Stellen. In dieser Hinsicht fällt die Einspielung selbst hinter die relevanten Konkurrenzaufnahmen aus den Siebzigern (Andrew Davis, Loris Tjeknavorian) zurück, mit denen sie sonst durchaus gleichzusetzen wäre.

Die einigermaßen bekannte zweite Symphonie in h-Moll ist neben den ‘Polowetzer Tänzen’ und der ‘Steppenskizze aus Mittelasien’ das meistgespielte Werk Boodins und hat auch auf Tonträgern deutlich mehr Resonanz gefunden als ihre Vorgängerin. Und so stieg hier zum Beispiel auch Carlos Kleiber in den Ring, dessen Konzertmitschnitt von 1972 eine Klasse für sich darstellt und auch Plassons zwanzig Jahre jüngere Interpretation trotz allem Schwung weit hinter sich lässt. Eher ein schlechter Scherz ist zudem das Tempo des genialen zweiten Satzes, das mit einem Prestissimo nicht mehr viel zu tun hat. Um so besser und gefühlvoller gelingt das anschließende Andante, für dessen gesangliche Melodik Borodin eigentlich aus dem ‘Mächtigen Häuflein’ wegen Verrats hätte ausgeschlossen werden müssen.

Das Beiheft beleuchtet interessante Aspekte zu Komponist und Werken, teilweise jedoch etwas subjektiv gefärbt, und enthält kurze Künstlerbiographien.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Borodin, Alexander: Symphonien Nr. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Berlin Classics
1
13.07.2007
59:59
1994
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
782124139629
0013962BC


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"Borodin - der wohl genialste der „Russischen Fünf“ - bezeichnete die Musik als „Zeit - vertreib, als eine Erholung von ernsteren Beschäftigungen. Die Ablehnung, wie sie die übrigen „Fünf“ gegenüber den klassischen Formaten wie Kammermusik und Sinfonik hegten, teilte er nicht. Seine erste Sinfonie wurde im Jahr 1869 aufgeführt - der Erfolg ermunterte den Kompo - nisten, eine weitere Sinfonie, diesmal aber mit Bezug zum frühen Russland, zu schreiben. Gleichzeitig aber drängte sich ihm der Plan zu einer Oper ähnlichen Inhalts auf; es wurde „Fürst Igor“. Die Arbeit an beiden Vorhaben verlief parallel, was beim Hören leicht nachvollzogen werden kann. So benötigte Borodin für seine Zweite sogar sieben Jahre. Wir hören die Dresdner Philharmonie unter der Stabführung von Michel Plasson - und bieten diese hervorragende Digitalaufnahme nun zum ersten Mal zum attraktiven Midprice an"


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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