> > > Movements: Michala Petri plays Amargós, Börtz and Stucky
Freitag, 22. September 2017

Movements - Michala Petri plays Amargós, Börtz and Stucky

Ein Gemälde und drei Konzerte


Label/Verlag: Our Recordings
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Drei zeitgenössische Blockflötenkonzerte von Amargós, Börtz und Stucky - sehr verschieden, stets aber interessant und hier von Michala Petri und dem Danish National PO unter Lan Shui meisterhaft gespielt.

Ihren Ruf als reines Einsteigerinstrument wird die Blockflöte wohl so schnell nicht los werden, zahlreicher Bemühungen zum Trotz, das Instrument – etwa durch wirkungsvolle Bearbeitungen für Blockflötenensembles oder neue Konzerte – als vollwertiges Mitglied in der Familie der Blasinstrumente zu bestätigen. Vor einiger Zeit habe ich eine Blockflötenplatte besprochen, in deren Booklet der Solist Dan Laurin die allgemein verbreitete These aufgriff, die Blockflöte sei in ihrem Ausdruckspektrum eingeschränkt und käme gegen ein volles Orchester ohnehin nicht an – um sie dann in musikalischer Weise eindrucksvoll zu widerlegen. Das Studium des Texthefts der vorliegenden CD aus dem Hause Our Recordings mit der dänischen Ausnahme-Flötistin Michala Petri hat da ein leichtes Déjà-vu zur Folge: Hier jedoch ist es mit Michael Stucky einer der Komponisten, der offen zugibt, diesem Vorurteil aufgesessen gewesen zu sein und erst nach dem eindrucksvollen Erlebnis eines Konzertes mit Michala Petri umgestimmt wurde – dann aber war er ‚schnell bekehrt’ und hat der bis dahin nicht für sinnvoll erachteten Komposition eines Blockflötenkonzerts sofort zugestimmt.

Klingender Gegenbeweis

Eben dieser Michael Stucky hat sein Konzert ‚Etudes’ genannt – und die drei Sätze tragen dann auch etüdenhafte Titel: ‚Scales’, ‚Glides’ und ‚Arpeggios’. Das Orchester ist eher kammermusikalisch-solistisch besetzt; so ist es schließlich nicht die Solistin allein, die sich mit den geforderten Aufgaben (Tonleitern, Glissandi und gebrochenen Dreiklangsfiguren) herumschlagen muss, sondern sämtliche Instrumente werden in gleichen Maßen an diesem Spiel beteiligt. Es entsteht auf diese Weise eine gleichermaßen geistreiche wie allgemeinverständliche und unterhaltsam andere Art von Konzert, dessen Inhalt sich – in Ergänzung mit der harmonisch unproblematischen Tonsprache – auch denjenigen Musikhörern erschließen sollte, die nicht Mathematik und/oder Tonsatz studiert haben. Noch mehr ‚für das Ohr’ sind die beiden anderen Konzerte geschrieben: Daniel Börtz liefert mit ‚Pipes and Bells’ ein einsätziges Konzertstück, das den nachdenklichen Mittelteil des Programms bildet; die Farben sind gedeckt, die Musik ist von einer gewissen Stille und verbreitet ein Gefühl melancholischer Einsamkeit, wie es beispielsweise den Betrachter eines Sternenhimmels überkommen kann. Die Rufe der Blockflöte am Ende verhallen im Nichts. Packend und ‚süffig’ ist dagegen das effektvolle ‚Northern Concerto’ des Spaniers Joan Albert Amargós, das den größten Orchesterapparat aufbietet und sich teilweise der Unterhaltungsmusik annähert: hier darf die Blockflöte auch einmal etwas ‚Swing’ verbreiten.

 

Meisterlich

Alle drei Konzerte sind eigenständig und auf ihre Weise hochinteressant und schön. Michala Petri bestätigt ihren herausragenden Ruf – sie beherrscht die Blockflöte meisterlich und zeichnet sich nicht nur durch technische Brillanz und hochvirtuose Beweglichkeit aus, sondern fällt insbesondere durch ihren absolut runden und vom Anblasen bis zum Verhallen vollends beherrschten reinen Ton auf, bei dem es keinerlei Trübungen in Klangfarbe oder Intonation zu beanstanden gibt. Die diversen Stimmungslagen der drei Konzerte werden darüber hinaus sehr einfühlsam herausgearbeitet. Absolut überzeugend! Das vom Chinesen Lan Shui geleitete Danish National Symphony Orchestra ist hochmotiviert bei der Sache und bildet den idealen Begleiter. Ob transparente Klangtupfer wie in Stuckys ‚Etüden’ oder fulminante Klangmassen wie in Amargós’ Konzert, stets überzeugen die Orchestermusiker auf hohem Niveau, und stets bleibt das runde Klangbild aufnahmetechnisch perfekt ausgewogen in der Balance zwischen Solistin und Begleitung; insbesondere der Mehrkanal-Klang der SACD ist sehr gut gelungen und bietet ein hohes Maß an Plastizität. Darüber hinaus ist der Ton in allen Abspielmodi sehr natürlich; die Klangereignisse sind in allen Schichten gut durchhörbar. Das Textheft – das seine Beiträge in englischer wie spanischer Sprache präsentiert – ist nett aufgemacht und auch recht informativ; reizvoll ist der genreübergreifende Aufhänger, das Projekt über ein Gemälde zu erschließen; dieses Bild, das wohl nicht zufällig von einem dänischen Künstler stammt, ist dann auch auf dem Cover abgebildet ist und hat zudem den Titel der Produktion geliefert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Movements: Michala Petri plays Amargós, Börtz and Stucky

Label:
Anzahl Medien:
Our Recordings
1
EAN:

747313153169


Cover vergössern

Our Recordings

After 30 years, and more than 70 international releases with companies like Philips/Polygram, RCA/BMG, and EMI, the Danish classical artists, recorder player Michala Petri and guitarist/lute player Lars Hannibal decided in late 2006 to launch their own recording label, OUR Recordings!

As the name suggests, their releases will be recordings where either Michala Petri or Lars Hannibal or both are involved. The idea is to have the full artistic and creative freedom and responsibility to record what they feel is necessary and consistent with their desire to explore new challenges. The label releases on average, three new albums every year.

To date, OUR Recordings has released 28 critically acclaimed recordings, and has earned international recognition, including the ECHO KLASSIK Award (Germany), four Grammy Nominations (US) a Gramophone Award nomination (UK), Diapason D´OR de l´année (France) and Danish Music Award nominations.

Several ambitious cycles have already captivated collectors and critics alike, including the "East Meets West" series and Michala Petri's ongoing campaign to expand her instrument's modern concerto literature with Recorder Concertos from different countries.

OUR Recordings enjoys global distribution with NAXOS.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...



Von Christian Vitalis zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

  • Zur Kritik... Neues für die Blockflöte: Dan Laurins Leistung ist über jeden Zweifel erhaben; sein Ton ist rein und von bestechender Intonationssicherheit, das Spiel von größter Präzision. Weiter...
    (Christian Vitalis, 25.09.2006)

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Our Recordings:

  • Zur Kritik... Solitär: Marcus Creed präsentiert zentrales Chorrepertoire des 20. Jahrhunderts hochklassig und mit überlegenem Können der beteiligten Ensembles. Olivier Messiaens Chormusik ist von größter Attraktivität. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Nicht ganz ausgewogen: Das audiophile Independent-Label OUR Recordings rückt die häufig belächelte Blockflöte ins richtige Licht - mit der zweiten Hälfte von Corellis Sonaten Opus 5. Darunter befinden sich die beliebten Variationen über 'La Folia'. Weiter...
    (Silvan Habenicht, )
  • Zur Kritik... Gelungener Balanceakt: Auch wenn es inzwischen eine ganze Auswahl an Aufnahmen mit Poulencs Vokalmusik gibt: Diese Einspielung glänzt mit vokaler Brillanz und Einfühlungsvermögen. Weiter...
    (Dr. Eckehard Pistrick, )
blättern

Alle Kritiken von Our Recordings...

Weitere CD-Besprechungen von Christian Vitalis:

  • Zur Kritik... Bretonische Legende auf der Opernbühne: Ordentliche Aufnahme aus Liège der heute recht unbekannten Oper 'Le Roi d'Ys' von Édouard Lalo. Zwar nicht Referenzklasse-Niveau, angesichts der geringen Auswahl aber dennoch empfehlenswert, sofern man sich für die Oper interessiert. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
  • Zur Kritik... Homogener als erwartet: Eine Gegenüberstellung von Orgelwerken finnischer Komponisten und solchen von J. S. Bach und Buxtehude bietet Kari Vuola mit dieser Platte. Faktisch fallen die im Titel versprochenen Kontraste geringer aus als erwartet. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
  • Zur Kritik... Stille und Einkehr: Es sind hier drei Konzertstücke zu hören, deren Entdeckung eine lohnende Bereicherung ist. Der Japaner Toshio Hosokawa versteht sich auf Musik an der Grenze zur Stille. Gelungene Interpretationen aus Luxemburg. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
blättern

Alle Kritiken von Christian Vitalis...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Mit starkem Pinsel: Daniel Raiskin und das Staatsorchester Rheinische Philharmonie legen sich für den dänischen Sinfoniker Louis Glass voll ins Zeug und bringen das Interessante und Ansprechende dieser vielfarbigen Musik sehr gut zur Geltung. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Seltene Erden: Ein Dokument des Gelingens. Weiter...
    (Dr. Daniel Krause, )
  • Zur Kritik... Besser als die Vorlage: Der Pianist Blazej Kwiatkowski versteht Chopins Lieder als ganz persönliche Tagebucheinträge des Komponisten. Gemeinsam mit empathischen Stimmen und begleitet auf einem Breadwood von 1847 belässt er sie in ihrer Schlichtheit. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2017) herunterladen (1880 KByte) Class aktuel (3/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Feliks Nowowiejski: Quo Vadis - Come, brothers, come, and sing to the Lord!

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Winfried Rademacher im Portrait "In jedem Ton schwingt der Mensch mit, der ihn produziert"
Winfried Rademacher sucht als Geiger auch gerne Kostbares auf Nebenwegen

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich