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Donnerstag, 28. Oktober 2021

Musik in Zürich - 1500--1900

Vom alten Zwingli bis Richard Wagner


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Musikalische Zeitreise durch Zürich beginnend bei der Reformation (Zwingli) bis zum Wagner des Schweizer Exils. Bunte, aber spannende und überzeugende Mischung. Ideal zur Horizonterweiterung.

Durch eine Reihe von Produktionen nicht nur des Labels Guild wird das Thema ‚Musik aus der Zentralbibliothek Zürich’ umfangreich dokumentiert – als Begleiter zur Ausstellung ‚Zwölf Jahrhunderte Musik in Zürich’ in der Schatzkammer der Zentralbibliothek vom Mai bis Juni 2007 liegt eine spezielle CD mit dem Titel ‚Musik in Zürich 1500-1900’ vor. Es finden sich hier eine große Zahl kleinerer Sätze und Stücke, die allesamt Produktionen des Schweizer Labels entnommen sind – insofern kann die Platte auch als werbewirksamer Sampler gesehen werden.

Stationen der Zeitreise

Wer kommt nun aber mit welchem Werk zu Wort, wie ist die Platte aufgebaut? Die Liste der Komponisten auf dem Cover enthält, so stellt man fest, fast ausschließlich unbekannte Namen. ‚Das 16. Jahrhundert’ macht den Beginn mit drei Sätzen des Reformators Huldrych Zwingli – den kennt man zwar, aber wer weiß schon, dass dieser Mann auch komponiert hat? – und drei Intavolierungen aus dem Orgelbuch des Clemes Hör (ca. 1553). Das Kapitel ‚Gesellschaftliches und häusliches Musizieren im 18. Jahrhundert’ bringt drei geistliche Lieder von Johann Caspar Bachofen, einige Sätze aus Johannes Schmidlins Kantate ‚Hymnus auf die Allmacht, Weißheit und Güte Gottes’ sowie zwei Gesänge aus dem Liederbuch von Johann Heinrich Egli und Johann Jacob Walder. Im nächsten Zeitfenster, ‚Zürich um 1800’, geht es in weltliche Gefilde: Es erklingen von Philipp Christoph Kayser eine Romanze für Tenor und Klavier (nicht anderes als Goethes ‚Veilchen’, durch Mozarts Vertonung weltbekannt), eine Arie aus ‚Ein Schauspiel für Götter’ in einer Klavierfassung sowie ein Satz aus der Sonate Nr. 1 D-Dur für Klavier, Violine und zwei Hörner. Anton Liste steuert den langsamen Satz aus seiner Fagottsonate op. 3 sowie ein Neujahrslied bei. Mit einem – diesmal aber rein instrumentalen – Neujahrslied beginnt der nächste und letzte Abschnitt, ‚Der Freundeskreis Richard Wagners’ betitelt; die genannte Komposition ist für Klavier geschrieben und stammt aus der Feder von Johann Carl Eschmann, von dem auch ein Satz aus seinem Streichquartett d-Moll sowie das flotte ‚Zur Weinlese’ op. 6 Nr. 6 für Horn und Klavier zu erleben sind. Mit einer Mazurka von Alexander Müller geht es weiter, bevor mit Richard Wagner der einzige große Komponist zu Wort kommt – jedoch mit einer Kuriosität, nämlich dem ursprünglichen Entwurf der Unterhaltung zwischen Siegfried und Brünnhilde vom Beginn der ‚Götterdämmerung’ aus dem Opernplan ‚Siegfrieds Tod’, dem Entwurfscharakter entsprechend für Klavier und Singstimmen und recht abrupt abbrechend. Das Schlusswort hat schließlich Wilhelm Baumgartner mit seinem Lied ‚Wenn die Sonne lieblich schiene’ op. 4 Nr. 5.

Schnuppern und neugierig werden

Man muss die CD natürlich als das sehen, was sie ist und auch sein soll: Sie schafft einen ersten Überblick, ermöglicht das Hineinschnuppern, macht neugierig auf die vollständigen Werke. Dass im – ohnehin vorbildlichen – Booklet eine vollständige Diskographie der Reihe ‚Musik aus der Zentralbibliothek Zürich’, die auch sämtliche Aufnahmen anderer Labels beinhaltet, zu finden ist, muss man als wertvolle und sinnvolle Ergänzung begrüßen. Der Einführungstext ist verständlich und ausführlich, die Bebilderung großzügig, die Gestaltung übersichtlich. Auch die vertonten Texte fehlen nicht. Die Interpretationen sind durch die Bank überzeugend, sofern sich in der Kürze ein gültiges Urteil fällen lässt. Großen Eindruck hinterlassen die Sätze aus Johannes Schmidlins Kantate, die sehr frisch und munter von den Purcell Singers vorgetragen werden. Neugierig auf mehr machen auch die Sonate Kaysers für die seltsame Besetzung Klavier, Violine und zwei Hörner, die von Roy Howat (Klavier), Oliver Lewis (Violine) und Dave Lee sowie Chris Davies (Hörner) sehr virtuos dargeboten wird, wobei Violine und Hörner noch durchwegs farbgebende Ergänzung denn gleichrangige Partner sind, und Eschmanns wirkungsvolles ‚Zur Weinlese’, nicht minder spritzig gespielt von Dave Lee (Horn) und Roy Howat (Klavier). Es zeigt sich, dass auch (fast) gänzlich ohne große Namen ein spannungsreiches und interessantes Programm zusammenzustellen ist. Einziges Ärgernis ist ein lästiges Knistern und Knacken, das gegen Ende der CD, insbesondere in Wagners Miniaturszene und dem abschließenden Lied Baumgartners handfest störendes Ausmaß annimmt, bei dem aber nicht klar ist, ob es in der Aufnahme begründet oder einem Fertigungsfehler (vielleicht nur meines Testexemplars) anzulasten ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Musik in Zürich: 1500--1900

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Guild
1
23.08.2007
Medium:
EAN:

CD
795754731224


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Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


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