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Freitag, 15. November 2019

Hui He - sings Verdi & Puccini

Eine echte Bereicherung


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Opernfreunde, die wieder einmal eine wirklich hervorragende Verdi- und Puccini-Interpretin kennen lernen möchten, werden den Kauf dieser Neuerscheinung nicht bereuen!

Die chinesische Sopranistin mit dem leicht einprägsamen Namen Hui He hat sich in den letzten Jahren ohne mediales Getöse in die Oberliga der internationalen Verdi- und Puccini-Intertpretinnen emporgearbeitet. Internationale Aufmerksamkeit erzielte sie erstmals vor sieben Jahren als sie bei Placido Domingos Gesangswettbewerb ‘Operalia’ in Los Angeles den zweiten Preis gewann. 2002 debütierte sie in Parma als Tosca, nachdem Raina Kabaiwanska die Rolle mit ihr einstudiert hatte. Dieser triumphale Einstand ebnete der Newcomerin den Weg an zahlreiche italienische Bühnen, wie etwa denen von Neapel und Florenz. Im deutschen Sprachraum machte Hui He 2004 anlässlich der neuen  ‘Butterfly’ an der Wiener Volksoper von sich reden. Mittlerweile konnte man die in Xi’An, der Stadt der weltberühmten Terrakotta-Armee, geborene Künstlerin an der Mailänder Scala ebenso hören wie an der New Yorker Met, der Wiener Staatsoper und der Pariser Operà de Bastille. Karriere gemacht hat sie mit Werken zweier Komponisten: Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini.

Beim Anhören der Solo-CD überraschen vor allem das außergewöhnliche Stilgefühl für die italienische Kantilene, die perfekte Sprachbeherrschung und der vollkommen natürliche, warme Ausdruck. Man würde also keinen Moment vermuten, eine Sängerin aus einem vollkommen anderen Kulturkreis zu hören. Die Stimme klingt ausgeglichen, flexibel, in allen Lagen legatofähig und trotz des klangvollen dramatischen Kerns geradezu mädchenhaft jugendlich gefärbt, was vor allem Puccinis fragilen Gestalten wie Butterfly, Liù und Manon zu gute kommt. Nicht minder berührend gelingt Toscas vollkommen unmanieriert vorgetragenes ‘Vissi d’arte’. Der erste Teil der CD ist mit Aida, Amelia (Un ballo in maschera), Leonora (La forza del destino und Il Trovatore) und Odabella (Attila) Giuseppe Verdi gewidmet. Rein interpretatorisch würde man sich hier eine noch differenziertere Herangehensweise wünschen, doch ist dies angesichts der noch kurzen Karrieredauer ein lediglich marginaler Einwand. Einziger wirklicher Minuspunkt dieser Arienplatte sind die nicht immer rein intonierten Spitzentöne.

Leider konnte oder wollte sich das Label kein der Sopranistin ebenbürtiges Orchester leisten: Das Slowakische Radio Symphonieorchester begleitet unter der Leitung seines Chefdirigenten Ivan Anguelov eintönig trocken und plump, die Pianopassagen geraten glanzlos, alles wirkt wie brav reproduzierte Noten ohne einer Spur von akzentuierter Verdi oder Puccini-Interpretation. Unbeholfen oder besser gesagt unausgeglichen ist die tontechnische Aufbereitung der 14 Nummern: Die Stimme ist wie nicht anders zu erwarten der dominierende Aspekt des Klangbildes, teilweise ist sie allerdings so dominant, dass das ganze Orchester überdeckt wird. Dafür wirken wieder einzelne Instrumentalsoli, wie etwa am Beginn von Aidas Arie im Nilakt, dynamisch künstlich hochgefahren.

Opernfreunde, die wieder einmal eine wirklich hervorragende Verdi- und Puccini-Interpretin kennen lernen möchten, werden den Kauf dieser Neuerscheinung nicht bereuen!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hui He : sings Verdi & Puccini

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
01.01.2012
Medium:
EAN:

CD
4260034867031


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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