> > > Elgar, Edward: Enigma Variations
Dienstag, 17. September 2019

Elgar, Edward - Enigma Variations

Bravouröse Orchesterleistung


Label/Verlag: LSO Live
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Von den 1899 in London uraufgeführten Enigma-Variationen hat sich die elegische zehnte, die sogenannte Nimrod-Variation als beliebtes Encore in den Konzertsälen etabliert.

Offenbar noch ausgelaugt vom Hype des Mozartjahrs 2006 will sich heuer niemand daran erinnern, dass 2007 eigentlich ein Elgar-Jahr wäre. Ein Grund dafür ist sicherlich auch die außerhalb Großbritanniens geringe Popularität des 1857 geborenen Musikers. Äußerst selten bekommt man bei uns mehr von seinem Œuvre mehr zu hören als die schon zu Lebzeiten des Komponisten äußerst erfolgreichen ‘Enigma-Variationen’, denen er seinen internationalen Durchbruch zu verdanken hatte.

So gesehen erweitert das zweite Werk dieser CD, die Introduction und das Allegro für Streichorchester den Horizont der deutschsprachigen Klassikfans. Elgar schrieb dieses 1905 entstandene, etwa 15 Minuten lange Stück für das kurz davor gegründete London Symphony Orchestra. Die formale Gestaltung der Partitur ist quasi ein Amalgam aus Elementen des Concerto grosso und der Sonatenform mit einer Fuge als Höhepunkt. Das London Symphony Orchestra unter der Leitung Sir Colin Davis’ spielt diese melancholisch pathetische Rarität mit sattem, aber immer durchsichtigen Orchesterklang. Dass Colin Davis den lyrischen Passagen genügend Zeit zur Entwicklung zugesteht, im entscheidenden Moment die Musik aber dramatisch vorwärts stürmen lässt, versteht sich von selbst.

Von den 1899 in London uraufgeführten Enigma-Variationen hat sich die elegische zehnte, die sogenannte Nimrod-Variation als beliebtes Encore in den Konzertsälen etabliert. Glaubt man den Erinnerungen des Komponisten, so ist das Enigma (=Rätsel) getaufte Grundthema durch Zufall beim Improvisieren entstanden. Was es mit diesem Rätsel auf sich hat, wollte Elgar vorerst nicht preisgeben. Dreizehn Jahre nach der Uraufführung erzählte er allerdings dem Kritiker Ernst Newmann, dass dieses Thema bei der Komposition sein Gefühl des einsamen Künstlers zum Ausdruck gebracht hat. Außerdem gab Elgar den kryptischen Hinweis, dass das Originalthema noch ein verborgenes zweites enthält, das existiert aber nicht gespielt wird. Alle Versuche, dieses Geheimnis zu lüften blieben bisher allerdings erfolglos. Mit Elgars Hilfe wurde rasch klar, dass das Werk einen außermusikalischen Inhalt hat, nämlich die Charakterisierung seiner Frau und seiner engsten Freunde. Die wuchtige letzte Variation zeigt wieder den Komponisten, diesmal aber nicht mehr grüblerisch depressiv, sondern als sich selbst zelebrierenden, selbstbewussten Repräsentanten der high society, wie man heute sagen würde.

In Sir Colin Davis Interpretation waren Elgars Freunde durchaus bodenständige Zeitgenossen. Er animiert das London Symphonie Orchestra immer wieder zu einem unreflektierten al fresco Spiel, was dem keineswegs metaphysischen Stück gut bekommt. Die farbenreiche Instrumentation sowie die einzelnen Orchesterstimmen sind differenziert herausgearbeitet, besonders die bereits erwähnte Nimrod-Variation zeigt wieder die Qualitäten der Streicher. In Summe präsentiert sich das London Symphony Orchestra bei diesem Im Jänner entstandenen Livemitschnitt als homogener, dynamisch flexibel agierender Klangkörper. Spielt man diese SACD auf einem herkömmlichen CD-Player wirkt der Klang sehr transparent, aber ohne räumliche Tiefe.

Die Spielzeit der Scheibe beträgt nicht einmal 48 Minuten, da wäre also noch ausreichend Platz gewesen, um das Publikum mit einem weiteren unbekannten Elgar bekannt zu machen. Das ist aber schon der einzige Einwand den, sich diese Neueinspielung gefallen lassen muss.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Elgar, Edward: Enigma Variations

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
LSO Live
1
01.06.2007
Medium:
EAN:

SACD
822231160922


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LSO Live

Einspielungen des Labels LSO Live vermitteln die Energie und Emotion der großartigsten Aufführungen mit höchster technischer Qualität und Finesse.

Liveaufzeichnungen bedeuteten früher gewöhnlich Kompromisse, aber heutzutage kann mit Hilfe der besten Aufnahmetechnik im Konzertsaal die Vitalität festgehalten werden, die im Studio so schwer nachzustellen ist.
Durch das Zusammenschneiden mehrerer Aufführungen können wir eine Vorlage schaffen, die die Spannung einer Konzertaufführung ohne unerwünschte Nebengeräusche bewahrt.

Seit 2000 veröffentlichte das LSO Live über 80 Alben und nahm zahlreiche Preise entgegen. Das London Symphony Orchestra war schon früher das am meisten aufgenommene Orchester der Welt, hatte es doch für zahlreiche Plattenfirmen gearbeitet und viele der berühmtesten Filmmusiken eingespielt. Die Investition in unsere eigenen Aufnahmen ermöglicht dem Orchester jedoch abzusichern, dass jede Veröffentlichung den höchsten Qualitätsansprüchen genügt und das Hören der besten Musik allen Menschen zugänglich ist.

Das LSO Live war eines der ersten klassischen Plattenfirmen, die Downloads anboten, um ein breiteres Publikum anzusprechen. Wir geben auch unsere Einspielungen im SACD Format (Super Audio Compact Disc) heraus. SACDs lassen sich auf allen CD-Spielern abspielen, ermöglichen aber den Hörern mit speziellen SACD-Spielern den Genuss eines hochaufgelösten, mehrkanaligen Klangs.

London Symphony Orchestra
Das London Symphony Orchestra wurde 1904 von einer Gruppe von Musikern gegründet, die für den Dirigenten Henry Wood spielten. Sie wollten ihr eigenes Orchester leiten und die Wahl haben, mit welchen Dirigenten sie zusammenarbeiteten. Sie beschrieben das LSO als eine musikalische Republik, und das Orchester war über Nacht ein Erfolg.

Heute gibt das LSO ungefähr 70 Konzerte pro Jahr in London und bis zu 90 auf Tournee. Es ist regelmäßig auf Konzertreise durch Europa, Nordamerika und im Fernen Osten. Waleri Gergijew ist seit 2007 Chefdirigent des LSO und Sir Colin Davis sein Präsident.

Das LSO organisiert auch das in der Welt am längsten laufende und umfangreichste Bildungsprogramm eines Orchesters: LSO Discovery. Mit seinem Sitz im Londoner Musikbildungszentrum LSO St Lukes schafft Discovery die Möglichkeit für Menschen aller Altersgruppen und Veranlagungen, mit Musikern des LSO zusammenzuarbeiten, etwas über Musik zu lernen und ihre Fertigkeiten zu entwickeln.


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