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Samstag, 28. Mai 2022

Caecilia-Concert - Buxtehude & Co.

Die besondere Klangkombination


Label/Verlag: Challenge Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wer Weckmanns Kantaten mit ihrem Melodienreichtum und der expressiven Harmonik kennt und mag, kommt an den Sonaten nicht vorbei. Was sich hier an aberwitzigen Erfindungen auf engstem Raum tummelt, ist atemberaubend und alleine schon diese CD wert.

Anfang des 17. Jahrhunderts, als die Instrumentalmusik zu einer ernstzunehmenden Gattung heranwuchs, kristallisierte sich aus der Gabrieli-Schule eine ganz besondere Klangkombination heraus. Am Habsburger Hof erblühte die Farbe: der sanfte, wendige Zink, die funkelnde Violine, der sonor brummende Dulzian und die majestätische Posaune verschmolzen zu einer eigenen Gattung der Sonate. Giovanni Valentini, Antonio Bertali und noch Johann Joseph Fux betätigten sich auf diesem reizvollen Klangfeld. Bisher unbeachtet geblieben ist jedoch, dass auch in Nord- und Mitteldeutschland diese aparte Verbindung gepflegt wurde.

Matthias Weckmann (1619-1674) war Schüler von Heinrich Schütz und ist uns hauptsächlich durch seine wegweisenden Orgelwerke und Kantaten in Erinnerung. Als Organist verbrachte er die meiste Zeit in Hamburg - dort schrieb er für das Collegium Musicum 12 Sonaten, von denen das Caecilia-Concert nun vier eingespielt und mit weiteren Sonaten der Zeit angereichert hat. Diese Sonaten sind auch die eigentliche Entdeckung auf dieser CD. Wer Weckmanns Kantaten mit ihrem Melodienreichtum und der ausufernd-expressiven Harmonik kennt und mag, kommt an den Sonaten nicht vorbei. Was sich hier an aberwitzigen Erfindungen auf engstem Raum tummelt, ist atemberaubend und alleine schon diese CD wert.

Ein schwerwiegender Kritikpunkt gilt den restlichen Werken: Die zwei eingespielten Stücke Dietrich Buxtehudes (1737-1707) sind eigentlich nicht für Bläser gedacht, wie auch die Besetzung der Sonaten Dietrich Beckers (1623-1671) nicht eindeutig geklärt ist. Andererseits - wer so virtuos die Barockposaune beherrscht wie Adam Woolf, der darf auch mal den Gambenpart spielen. Überhaupt ist diese CD musikalisch höchst überzeugend. Das Ensemble musiziert mit hörbarer Freude an den Farbkombinationen, agogisch frei und dennoch schlüssig. Die solistischen Passagen werden stets natürlich entwickelt, der Ensembleklang besticht durch rhythmische Präzision und Balance der Stimmen (wenn auch die eine oder andere Stelle vielleicht etwas mehr Wucht hätte vertragen können). Die sich Schritt für Schritt aufbauenden Kontrapunkte werden mit Genuss ausgekostet - fantastisch die Gänsehaut erzeugenden Vorhaltsketten in Weckmanns Sonata VI oder die Steigerungen in Theiles Sonata à 4.

Abgerundet wird das Programm durch die einleitende Chaconne von Johann Philipp Krieger (1649-1725). Zugunsten weiterer Weckmann-Sonaten hätte man dann allerdings auf die fast viertelstündigen, äußerst langatmigen Variationen BuxWV 247 verzichten können - so schön sie gespielt sind, sie waren wohl eher ein Zugeständnis an die Continuo-Spielerin Kathryn Cok als eine zwingende Ergänzung. Klangtechnisch ist die schön aufgemachte CD über jeden Zweifel erhaben. Die Instrumente sind räumlich klar angeordnet, ohne die Farbmischungen all zu sehr zu trennen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Torsten Nowicki,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Caecilia-Concert: Buxtehude & Co.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Challenge Classics
1
04.06.2007
Medium:
EAN:

CD
608917217926


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Challenge Classics

CHALLENGE RECORDS ist eine unabhängige Schallplattenfirma, die ihren Sitz in den Niederlanden hat. Sie setzt sich aus einer Gruppe von Musikenthusiasten zusammen, die mit großer Leidenschaft für den Jazz und die Klassische Musik internationale Produktionen kreieren.
Die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Ton Koopman, dem Combattimento Amsterdam, dem Altenberg Trio Wien, Musica Antiqua Köln u.v.a., gibt CHALLENGE CLASSICS ein eindeutiges Profil.
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