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Mittwoch, 30. November 2022

Rossini, Gioacchino - Le Comte Ory

Bodenständige Erotik


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Erlebnisse von Rossinis ‘Comte Ory’ als Verführer werden solide, aber nicht in besonders mitreißender Klangfülle dargeboten.

Die Handlung der 1828 uraufgeführten, vorletzten Oper Rossinis, zu der kein geringerer als Eugène Scribe zusammen mit Charles Gaspare Delestre-Poirson das Libretto verfasste, ist denkbar schlicht: Graf Ory nutzt die Abwesenheit der Kreuzritter aus, indem er versucht, deren Frauen zu verführen. Insbesondere die Gräfin de Formoutiers hat es ihm angetan, so dass er sich ihr in verschiedenen Verkleidungen nähert. Gestört wird er in seinen Bemühungen von seinem Pagen Isolier, der selbst ein Auge auf die adelige Dame geworfen hat. Gleich hier sei bemerkt, dass das knappe Booklet bei der inhaltlichen Beschäftigung mit dem Stück wenig hilfreich ist, enthält es doch nicht einmal das Libretto.

Die vorliegende Aufnahme entstand im Jahre 2002 beim Festival ‘Rossini in Wildbad’, einem für interessante Rossini-Interpretationen vermeintlich prädestinierten Ort. Leider haftet ihr in ihrer Gesamtheit der Eindruck der klanglichen Unausgewogenheit an, die Musik ertönt eher gedämpft, wie von Ferne. Natürlich sind Live-Aufnahmen anders zu beurteilen als solche im Tonstudio entstandenen. Es hätte jedoch möglich sein sollen, zumindest einige der zahlreichen, teils stark störenden Nebengeräusche zu eliminieren.

Huw Rhys-Evans in der Titelpartie hat eine schlanke, zarte und in allen Tonlagen präsente Stimme, die mit ihrem hellen Klang auch in der Höhe kontrolliert geführt wird. Höchstens die Koloraturen könnte man sich etwas geschmeidiger, perlender vorstellen. Ansonsten erfreut insbesondere im piano die genaue Intonation seines wandlungsfähigen Organs; ein Mehr an tenorale Durchschlagskraft könnte allerdings auch hier nicht schaden.

Mit heller Stimme meistert die Sopranistin Linda Gerrard als Gräfin mühelos die Höhe ihrer Partie, allerdings zuweilen etwas tremolierend und mit einiger Schärfe. Auch ihre Stimme könnte etwas mehr Fülle vertragen. In weiteren Rollen sind, sehr angenehm und prägnant, der Bariton Luca Salsi und Wojtek Gierlach, dessen Bass etwas profunder sein dürfte und in der Höhe deutlich an Kraft verliert, zu hören. Gloria Montanari und Sofia Solovity komplettieren das solide, jedoch nicht überragende Ensemble.

Wirklich überzeugend ist nur die Leistung der Mezzosopranistin Luisa Islam-Ali-Zade in der Hosenrolle des Isolier. Mit ihrer jugendlich-frischen Stimme verfügt sie über eine strahlende und volltönende Höhe und in der Mittellage über ein sehr angenehm warmes Timbre. Auch der französische Text ist bei ihr in den besten Händen.

Der von Peter Fiala und Jan Ocetek einstudierte Tschechische Philharmonische Chor Brünn ist im Forte der Ritter Orys kräftig, klingt aber in den feineren Passagen schlicht dünn und nicht immer homogen. Insbesondere die Einsätze geraten immer wieder uneinheitlich, bisweilen wird der Gesang recht uninspiriert abgespult.

Die wenig spannungsreiche Handlung des Stückes scheint sich auch auf die musikalische Interpretation ausgewirkt zu haben. So entfachen die Tschechischen Kammersolisten Brünn unter Brad Cohen nicht gerade ein Feuerwerk prächtiger Musik à la Rossini, obwohl die Partitur hierzu reichlich Gelegenheit böte, enthält sie doch komische und ernste, kräftige und lyrische Momente in großer Variationsbreite. Zwar ist das Spiel präzise, entbehrt jedoch des Schwungs, beispielsweise im Accelerando des Finales des ersten Aktes. So entsteht kein Eindruck der Geschlossenheit, sondern der Aneinanderreihung einzelner Rossini-Versatzstücke. Eine musikalische Sogwirkung wird entscheidend durch schwache Tempo- und Dynamikdifferenzierungen verhindert. Dies führt dazu, dass man die Schönheiten und Überraschungen der Partitur eher zufällig und erst nach mehrmaligem Hören erkennt. Das Orchester bleibt eher blasser Begleiter im Hintergrund, wobei zu berücksichtigen ist, dass sein klangliches Erscheinungsbild auch unter der ungenügenden technischen Aufnahmequalität zu leiden hat.

Ein kleiner Hinweis für Rossini Fans zum Schluss: Es bietet sich die Gelegenheit, die selten gespielte Oper auf der Bühne zu erleben. in der kommenden Spielzeit am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier und an der Staatsoper Stuttgart.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rossini, Gioacchino: Le Comte Ory

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
2
21.05.2007
Medium:
EAN:

CD
73009962072


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Naxos

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