> > > Harty, Sir Hamilton: An Irish Symphony
Dienstag, 16. August 2022

Harty, Sir Hamilton - An Irish Symphony

Aus Irland


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Irish Symphonies

Die Musik Irlands, die allgemein bekannt ist, ist die traditionelle Lied- und Tanzmusik, jene Volksmusik mit Harfe und Geige, deren Melodienreichtum so unerschöpflich und oft so melancholisch ist. Die irischen Kunstmusiker des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts machten sich diesen melodischen Volksliedschatz zu nutze. So schrieb etwa Charles Villiers Stanford, der vielleicht bekannteste Vertreter der irischen Spätromatiker, sechs Irish Rhapsodies, die auf irischen Volksliedmelodien basieren und auch in seinen sieben Symphonien sind zahlreiche traditionelle Weisen verarbeitet worden. Ähnlich verhält es sich mit den Werken von Hamilton Harty auf dieser CD. Harty wurde am 4. Dezember 1879 in Hillborough in der Grafschaft Down geboren. Harty arbeitete nicht nur als Komponist, sonder auch als Dirigent, namenhafter Klavierbegleiter, Organist und als Lehrer. er erwarb zahlreiche Auszeichungen während seiner langen Laufbahn bis zu seinem Tode am 19. Februar 1941. Als Komponist erwarb sich Harty sein Wissen primär als Autodidakt. Irische Themen und Sagen bilden nicht nur die Grundlage der Werke auf dieser CD, sondern spielen allgemein eine große Rolle im Oeuvre von Harty.

Mit den Wildgänsen
Eröffnet wird diese CD mit der knapp 18-minütigen Symphonischen Dichtung With the wild geese. 1910 in Cardiff uraufgeführt und im März 1911 auf Einladung von Hans Richter durch den Komponisten dem Londoner Publikum vorgestellt. Dieses Werk ist an zwei Gedichten von Emily Lawless orientiert. Das erste erzählt von irischen Soldaten, die Mitte des 18. Jahrhunderts in Frankreich auf Seiten der Franzosen gegen die Engländer kämpften und der Nacht vor der Schlacht. Das zweite beschört die Seelen gefallener Soldaten. Harty orientiert sein Werk an den Gedichten, in dem er seine Themen mit Momenten der Gedichte verknüpft. So steht eines für den Abschied von Irland, eines für die Sehnsüchte der Soldaten und eines für die Soldaten fern der Heimat. Die Musik ist sehr lebendig und rhythmisch prägnant gehalten. Die Themen sind aussagekräftig und packend formuliert. Schon die Eröffnung mit ihrer kraftvollen Bläserakkorden weckt große Erwartungen an das folgende, die auch erfüllt werden. Das Stück ist sehr abwechslungsreich, lyrische und kraftvolle abschnitte stehen in stetem Wechsel. Um sich eine Vorstellung zu machen, in welche Richtung der Charakter dieser Musik geht, mag man an die späten Symphonischen Dichtungen von Antonin Dvorak denken.
Dieses Eröffnungsstück ist mit Abstand das stärkste Werk auf dieser CD und eine echte Bereicherung für das Repertoire dieser Gattung. Die Orchestrierungskunst ist auf hohem Niveau und gleiches gilt für die musikalische Faktur. Die lyrischen Passagen sind anmutig und die schwungvollen Passagen voller Elan und Kraft. Harty’s Melodien sind ein Vergnügen für jeden Liebhaber spätromatischer Orchestermusik.

In Irland
Der zweiten Symphonischen Dichtung In Ireland auf dieser CD ist auf englisch vorangestellt: 'In einer Straße in Dublin spielen in der Dämmerung zwei Straßenmusikanten'. Die Solointrumente sind zwei der für die irische Volksmusik typischen – Flöte und Harfe. Sie stehen über weite Strecken im Vordergrund des Werkes. Dieses Werk ist kaum halb so lang wie With the wild geese und melodisch auch nicht ganz so prägnant formuliert, was aber nicht zeigt, daß das zweite Werk schwach ist, sondern wie stark das zu erst vorgestellte Stück gearbeitet ist. Es gibt einige schöne lyrische Momente. Es sind vor allem die, die in melodisch in Nähe zur irischen Volksmusik geschrieben sind. Der beeindruckenste Abschnitt dieses Werkes ist jedoch die sehr schwungvolle Schlußcoda, die wirklich großartig ist, vor allem, wenn die Flöte ganz gegen Ende nochmal hervortritt.

Eine irische Symphonie
Waren die beiden zuvor genannten Werke nur an irischen Versen und vielleicht in den lyrischen Passagen an dem Charakter irischer Volksmusik orientiert, so greift Harty in dem letzten Werk dieser CD An Irish Symphony unmittelbar auf irische Volksliedmelodien zurück. Peter Quinn nennt folgende Lieder, die Harty verwendet hat. Im ersten Satz Avening and bright und The croppy boy, im Scherzo The blackberry blossom und The girl I left behind me. Der langsame Satz basiert auf der Klage Jimín Mo Mhíle Stór und im abschließenden Finale begegnet man The boyne water. Die bei den beiden vorherigen Werken beschriebenen Charakteristika passen auch auf dieser halbstündige Opus. Dies heißt zu einen, daß Hartys Musik nicht allzu Abwechslungsreich in Ton und Charakter ist, aber zum anderen auch, daß man viele Freude an dieser CD hat, wenn man seine Art von irisch gefärbter Spätromantik mag. Der melancholische Ton, den viele irische Melodien haben und der auch den hier verwendeten zu eigen ist, prägt natürlich auch diese Werke. Auffällig ist im langsamen Satz die Nähe dieser Melodie zu dem berühmten amerikanischen Volkslied Shenandoah, was einen Hinweis gibt auf die Wirkung der Musik der irischen Aussiedler in den Vereinigten Staaten.

Ein lohnender Besuch in Irland
Zusammenfassend lässt sich zu dieser CD sagen, daß sie aufgrund des günstigen Preises alleine wegen dem ersten Stück With the wild geese allen Freunden spätromatischer Orchestermusik ans Herz zu legen ist. Wer lyrische Musik unter dem Einfluß irischer Volkslieder mag, wird an dieser CD auch sein Freude haben. With the wild geese ist eine echte Bereicherung für das Repertoire.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Kritik von Frédéric Döhl,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Harty, Sir Hamilton: An Irish Symphony

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Naxos
1
02.01.2001
57:20
1996
2001
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0636943473221
8.554732

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Harty, Sir Hamilton


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Dirigent(en):O'Duinn, Prionnsías
Orchester/Ensemble:National Symphony Orchestra of Ireland


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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