> > > Respighi, Ottorino: Belkis, Queen of Sheba
Freitag, 7. August 2020

Respighi, Ottorino - Belkis, Queen of Sheba

Subtil gestalteter Bombast


Label/Verlag: Octavia
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Großorchestrales, Bombastisches vom Klangmagier Respighi. Vladimir Ashkenazy und das Radio Filharmonisch Orkest Holland erweisen ihm die Ehre.

Vladimir Ashkenazy tingelt von Orchester zu Orchester auf der Suche nach kongenialen Interpretationen. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Zuletzt hatte er für das japanische Label ‚Octavia Records’ mit dem NHK Symphony Orchestra Tokyo eine dürftige Scheibe mit Ravels Orchesterwerken vorgelegt. Jetzt legt Ashkenazy nach. Mit orchestralen Prachtstücken von Ottorino Respighi und mit dem spielfreudigen Radio Filharmonisch Orkest Holland.

Groß, größer, am größten

In seinen Orchesterwerken ist Respighi ganz genuin Respighi. Es ginge zu weit, würde man behaupten: ‚Kennt man eines davon, kennt man alle’. Natürlich hatte Respighi eine Vorliebe für das stark besetzte Orchester. Doch nutzte er das Orchester nie als Haudraufmechanismus. Mögen auch die Ohren nach dem exzessiven Genuss der Musik Respighis gehörig klingeln, so kann sie dennoch süchtig machen, diese Art des musikalischen ‚Ecstasy’. Trancehaft und laut wird Respighis Musik immer wieder, doch alles dynamische Potenzieren ist so transparent orchestriert, wie nur wenige andere es konnten. Ganz intrikat hingegen geht es in der Ouvertüre zur komischen Oper ‚Belfagor’ zu, basierend auf dem Roman ‚Belfagor Arcidiavolo’ von Machiavelli und 1923 erfolglos an der Scala in Mailand uraufgeführt. Die Ouvertüre hingegen konnte sich einen Platz im Konzertrepertoire sicher. Exotizismen prägen die Musik zum Ballett ‚Belkis, Königin von Saba’ von 1930. Ein Mammutprojekt mit ungefähr tausend Mitwirkenden. Die Orchestersuite ist ein herrlich instrumentiertes viersätziges Werk, das so mancher Filmmusik der 40er und 50er Jahre als Vorbild gedient haben könnte. Schließlich die deskriptiven ‚Kirchenfenster’ von 1927, in denen Respighi äußerst plastisch und unter Zuhilfenahme seines Wissens um die alten Kirchentonarten bunte Glasfenster zum Leben erweckt.

Ashkenazy lässt das Orchester in der ‚Belfagor’-Ouvertüre noch ein wenig poltern, findet selber noch nicht den richtigen Zugang zu dieser Musik, die in ihrer rhythmischen Raffinesse so manche Nuss zu knacken aufgibt. Doch erreicht Ashkenazy vor allem in der Ballett-Suite Momente größter Stringenz. Die Balance zwischen subtiler kammermusikalischer Besetzung und großen Orchesterformationen kann er mit dem Radio Filharmonisch Orkest Holland bestens austarieren. Energetisches Spiel aller Register und Ashkenazys Verliebtheit in die Details der Partitur, die er transparent hörbar macht und doch in den großen Bogen übernimmt, machen diese Interpretation zu einem orgiastischen Klangerlebnis, bei dem Ashkenazy mit bündiger Phrasierung und einem breit angelegten dynamischen Spektrum nicht spart. In derselben Weise geht er an die ‚Kirchenfenster’ heran, fordert plakativ das Plakative heraus, um daraus fein abgerundete Episoden zu bilden. Die herausragende Tonqualität lässt ab und an um die Leistung und das Wohlergehen der Lautsprecher fürchten, so tiefendynamisch ist das Klangbild gestaffelt.

Ashkenazy scheint sein Aufgabengebiet im Bereich Orchesterliteratur gefunden zu haben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Respighi, Ottorino: Belkis, Queen of Sheba

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Octavia
1
25.05.2007
Medium:
EAN:

SACD
5425008375885


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Octavia

EXTON & TRITON sind zwei audiophile Reihen von Octavia Records aus Japan, die sich vornehmlich auf europäische Sinfonik, Klaviermusik und Kammermusik spezialisiert haben.

Die Zusammenarbeit mit so bedeutenden Orchestern wie Sydney Symphony, Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Pittsburgh Symphony Orchestra, Netherlands Radio Philharmonic Orchestra und so berühmten Dirigenten und Künstlern wie Vladimir Ashkenazy, Manfred Honeck, Sakari Oramo, Pascal Rogé, Jaap van Zweden u.v.a. zeugen von derem hohen Anspruch.


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