> > > Karita Mattila: Helsinki Recital
Dienstag, 17. September 2019

Karita Mattila - Helsinki Recital

Eindringliche Intensität und körperliche Verausgabung


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Karita Mattila präsentiert sich in diesem Life-Mitschnitt eines Liederabends in Helsinki in Bestform und geht dabei ganz in der Musik auf.

Die Ausnahmesopranistin Karita Mattila gab im Oktober 2006 einen umjubelten Liederabend in der Hauptstadt ihres Heimatlandes Finnland, von dem nun dieser Mitschnitt als SACD erschienen ist. Mattila präsentierte auf dem Album eine Auswahl von französischen und slawischen Texten in Vertonungen von Duparc, Saariaho, Rachmaninow und Dvorak, womit sie einen bunten Querschnitt durch ihr Stammrepertoire bietet. Begleitet wird sie hierbei von Martin Katz am Klavier, mit dem die Mattila eine tiefe musikalische Freundschaft verbindet.

Zu Beginn des Programms stehen fünf Lieder von Henri Duparc, der im Jahr 1868 jäh an einer psychischen Störung erkrankte, was ihn davon abhielt, weiterhin zu komponieren. Seine Lieder sind von melodiöser Schönheit und dramatischer Innigkeit. Die von ihm ausgewählten Texte zeigen dabei sein ausgeprägtes Gespür für Dichtung. Seine Vertonungen lassen sich nicht auf simpel einfache Harmoniefolgen festlegen; seine Tonsprache ist vielmehr geprägt von weichen, ständig im Fluss befindlichen Wechseln. Das sinnliche Timbre der Mattila eignet sich für die Interpretation dieser träumerischen Miniaturen bestens. Sie versteht es meisterhaft ihre Stimme mit jedem Ton neu zu modellieren und dabei die hochromantische, schwermütige Tiefe der Lieder einzufangen.

Als Kontrast erklingen im Anschluss vier Lieder von der finnischen Komponistin Kaija Saariaho, die diese Stücke eigens für Karita Mattila geschrieben und ihr auch gewidmet hat. Die Kompositionen basieren auf Texten des Franzosen Amin Maalouf und fordern der Interpretin alles ab. Man merkt in dieser Aufnahme, wie Mattila von Saariaho bis an die Grenzen ihrer stimmlichen und dramatischen Ausdrucksfähigkeit gefordert wird, ohne aber an den Anforderungen zu scheitern. Es ist unglaublich beeindruckend mitzuerleben, wie die Mattila es schafft, völlig in der Musik aufzugehen und gleichzeitig sich und ihrer Stimme immer treu bleibt.

Das aber sicherlich beeindruckendste Beispiel für ihr Können ist das Lied ‘Kakoje stsastje’ von Sergej Rachmaninow. Sie singt es mit solch erschütternder Intensität und körperlichem Einsatz, dass man fast um ihr leibliches Wohl fürchtet. Immer wieder hört man sie vor Verausgabung und Anspannung nach Luft ringen und verleiht damit dem Lied eine Präsenz, die einzigartig ist. Katz ist ein durch und durch routinierter Begleiter, der sich aber auf Grund der unglaublichen Präsenz der Mattila zwangsläufig im Hintergrund halten muss, da er gegen sie gar nicht ankommen kann. Er macht aber aus seiner Aufgabe das Beste und geht sensibel auf die jeweils geforderte Stimmung ein.

Den eher heiteren Abschluss des Programms bilden sieben Stücke von Dvorak, in denen dieser, ganz dem Geschmack der Zeit folgend, Zigeuner-Gedichte von Heyduk vertont. Das folkloristische Kolorit, das durch jedes dieser Werke zieht, ist dabei ein dankbarer Rahmen für die Interpretin, um noch einmal alle Register ihrer stimmlichen Möglichkeiten zu ziehen. Großartig auch, dass die Aufnahme, obwohl sie ein Life-Mitschnitt ist, eine solch hohe Qualität besitzt, dass sie jede Nuance, jede noch so kleine stimmliche Färbung der Sängerin minutiös einfängt und dieses bestens ausbalanciert mit dem Klavier zusammen mischt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Karita Mattila: Helsinki Recital

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
29.03.2010
Medium:
EAN:

SACD
761195110058


Cover vergössern

Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...



Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Ondine:

  • Zur Kritik... Kultiviert, aber nicht steril: Sigvards Klava und der lettische Radiochor präsentieren eine sehr gelungene Aufnahme mit geistlicher Chormusik von Pjotr Tschaikowskij. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Entschlackter Beethoven: Lars Vogt und das Royal Northern Sinfonia entwickeln einen spannenden Zugang zu Beethoven. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Dramatisch und sensibel: Christian Tetzlaff und das Finnish Radio Symphony Orchestra unter Hannu Lintu bereichern die Diskographie von Bartóks beiden Violinkonzerten mit einem sensibel ausgehörten, zugleich hochdramatischen Zugriff. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
blättern

Alle Kritiken von Ondine...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Christiane Bayer:

  • Zur Kritik... Wo ist das Strahlen?: Die Stücke sind schön eingesungen, wenn auch ohne große interpretatorische Überraschungen. Weiter...
    (Dr. Christiane Bayer, )
  • Zur Kritik... Frühling für die Ohren: Stefen Temmingh und Dorothee Mields spüren mit Neugier den unterschiedlichen Vogelstimmen und deren Bedeutungen in der europäischen Barockmusik nach. Was für ein buntes Gezwitscher, bei dem einem Ohr und Herz aufgehen. Weiter...
    (Dr. Christiane Bayer, )
  • Zur Kritik... Ein würdiger Auftakt: Der Startschuss zu einer Kuhnau-Reihe bei cpo könnte fulminanter gar nicht ausfallen: tadellose Umsetzung großartiger Musik durch das Ensemble Opella Musica mit Unterstützung der Camerata Lipsiensis. Weiter...
    (Dr. Christiane Bayer, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Christiane Bayer...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Üppige Symphonik aus Frankreich: Das Philharmonische Orchester Freiburg unter Fabrice Bollon legt hier Magnards dritte und vierte Symphonie in lebhaften Aufnahmen vor. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Besonderes Erlebnis: Auf ihrem Debüt-Album kann Moné Hattori ihr immenses Talent voll ausspielen. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Starke Crossover-Platte: Das WDR Funkhausorchester Köln serviert drei Symphonic-Jazz-Leckerbissen für Klarinette und Orchester. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (8/2019) herunterladen (3670 KByte) Class aktuell (3/2019) herunterladen (8670 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Ludwig van Beethoven: Quintett Es-Dur op.16 - Rondo. Allegro ma non troppo

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich