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Samstag, 10. Dezember 2022

Rossini, Gioacchino - La Scala di Seta

Am seidenen Faden


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Aufzeichnung aus dem Jahre 1983 hat ihre Stärke in einer insgesamt ansprechenden musikalischen Interpretation durch die Sänger. Der Witz der Oper findet in der statischen Personenführung leider keinen adäquaten Ausdruck.

‘La Scala di Seta’ aus dem Jahre 1812, komponiert für das Teatro San Moisè in Venedig, ist eines der frühen Werke Gioacchino Rossinis. Das Libretto der einaktigen Oper stammt von Giuseppe Foppa, einem gefragter Librettisten seiner Zeit, der sich hierbei auf zahlreiche verschiedene Quellen stützte. Selten gespielt, ist es schon als Verdienst anzusehen, diesem Werk eine DVD zu widmen.

Inhaltlich bietet die Oper den Stoff für eine leichte und heitere Komödie. Giulia und Dorvil sind heimlich verheiratet; er besucht sie allnächtlich über eine Scala di seta, eine seidene Leiter. Giulias Vormund möchte sie mit seinem Freund Blansac verheiraten. Durch die Beschränktheit des Dieners Germano kommt es zu einigen Turbulenzen, bis schließlich alle Verwirrungen ein gutes Ende finden.

Die Aufzeichnung aus dem Jahre 1983 entstand im Palazzo dei Congressi in Lugano. Filippo Crivelli besorgte die Inszenierung in einem Bühnenbild von Peter Bissegger und mit Kostümen von Franca Zucchelli, die das Geschehen optisch in der Entstehungszeit der Oper belassen. Die Bühne ist vom kompletten Inneren eines Hauses eingenommen, vom Keller bis zum Dachboden. Hierdurch böten sich reichlich Aktionsmöglichkeiten, diese werden aber kaum genutzt, da die Räume nicht wirklich bespielt werden. So ist von dem auf der DVD-Hülle angekündigten ‘atemberaubenden Türenschlagen’ nicht allzu viel zu bemerken. Auftritte, Abgänge und das Spiel der Sänger im Allgemeinen sind wenig überraschend. Die Aktionen beschränken sich zumeist auf wenige und wenig sagende Bewegungen, begleitet von einigem angestrengten Grimassieren. Hier fehlt eine klare Personenführung, die das Stück zu der ‘komischen Farce’ gemacht hätte, als die es bezeichnet ist. Allerdings muss man zugeben, dass die Oper als solche eher ein Hör- denn ein dramaturgischer Genuss ist. Mit dem Wirbeln der Partitur kann die Handlung nicht mithalten.

Leider merkt man der Einspielung das Alter recht deutlich an. Die Aufnahmequalität lässt in Bild und Ton zu wünschen übrig. Ersteres erscheint stets leicht unscharf, teilweise ist ein leichtes Ruckeln festzustellen. Musik und Gesang kommen eher gedämpft aus den Lautsprechern.

Dabei sind die Sänger durchaus geeignete Rossiniinterpreten. Allen voran der peruanische Tenor Ernesto Palacio in der Rolle des Dorvil. Mit strahlender Leichtigkeit und sicherer Ausdruckskraft trifft er genau den Ton der Belcanto-Oper. An seiner Seite: Carmen Lavani als Giulia, die über einen großen Stimmumfang verfügt, den sie differenziert und koloraturerfahren einzusetzen versteht. Ihre Stimme erscheint allerdings etwas zu dramatisch angelegt für die eher zarte Partie. Sehr angenehm ist der Bariton des Roberto Coviello in der Rolle des die Verwechslungen verursachenden Dieners Germano. Er ist auch der einzige, der seiner Rolle darstellerisch etwas mehr Profil zu verleihen versteht. Einzig Blansac, gesungen von Mario Chiappi, enttäuscht gesanglich. Mit seinem dumpfen, brummenden Bass, der wie in der Brust einzementiert klingt, kann er die Partie nur angestrengt bewältigen.

Tiziana Tramonti, mit ihrem hell klingenden Sopran, und Tullio Pane komplettieren das solide Ensemble.

Das Orchestra della Radiotelevisione della Svizzera Italiana unter Marc Andreae ist bestens aufgelegt. Mit viel Sinn für die Leichtigkeit der turbulenten Musik folgen die Wechsel des Tempos und der Dynamik, wird den zahlreichen feinen Verästelungen der Partitur nachgespürt. Andreae ist auch den Sängern ein zuverlässiger und sicherer Begleiter, was insbesondere in der Transparenz der wunderbaren Ensembles zum Ausdruck kommt. Bisweilen wünschte man sich lediglich, er würde den musikalischen Witz des Stückes durch noch etwas mehr pointierte Tempoimpulse auf die Spitze treiben.

Möchte man die Verwirrungen um die ‘Scala di Seta’ einmal vor sich sehen, so bietet die vorliegende DVD hierzu Gelegenheit, ansonsten greift man doch lieber zu einer CD-Einspielung, die die volle musikalische Qualität dieser Oper zum Ausdruck zu bringen geeignet ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
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Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rossini, Gioacchino: La Scala di Seta

Label:
Anzahl Medien:
Opus Arte
1
Medium:
EAN:

DVD
809478040231


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