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Dienstag, 16. August 2022

Atterberg, Kurt - Symphonies no.7&8

Durchaus grosse Sinfonik


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Durch die Editionen von Wilhelm Peterson-Berger hat das Label cpo bereits bekundet, dass in Schweden durchaus große Sinfonik existiert. Die ersten Sinfonien von Kurt Atterberg (1877–1974) als Beginn einer Gesamteinspielung unter dem finnischen Dirigenten Ari Rasilainen liegen bereits vor. Die jüngste Veröffentlichung in dieser Reihe ist die 7. und 8. Sinfonie mit dem SWR Radio-Sinfonieorchester Stuttgart.

Erst 15 Jahre nach dem ambivalenten Erfolg seiner 6. Sinfonie, von der Columbia Schallplattenfirma preisgekrönt, von den Kritikern hingegen kontrovers beurteilt, schrieb Atterberg sein nächstes sinfonisches Werk mit dem Titel ‚Sinfonia Romantica‘. Das gesamte motivische Material der 7. Sinfonie entnahm er seiner Oper ‚Fanal´ und arbeitete es in recht traditioneller Form aus. Zu Beginn der gleichermaßen dunklen wie schwer lastenden Introduktion klingen die Tuttischläge besonders bei den Blechbläsern edel und würdig. Das Hauptthema mit den klar markierten Rhythmen und Motiven wurde von Ari Rasilainen mit spannender Dramaturgie herausgearbeitet. Hingegen geben bei den pastoralen Rahmenteilen des 2. Satzes die Streicher einen differenzierten Klang und die Holzbläser spielen wunderschön weich. Besonders beeindrucken die volksliedartigen Motive der Streicher im 3. Satz mit den zügigen Solopassagen der Geigen und die dynamischen Abstufungen zwischen den Klanggruppen. Den 4. Satz entfernte der Komponist 1969 aus der Partitur, so dass die Sinfonie deshalb in einer dreisätzigen Fassung zu hören ist.

Bei der 8. Sinfonie sind die Themen wie in der 4. Sinfonie der schwedischen Volksmusik entlehnt und ebenfalls auf traditionelle Weise in einer äußerst kunstvollen Form sinfonisch verarbeitet. Der langsamen, in dunklen Farben gezeichneten Einleitung liegt als Hauptthema das fröhliche Kavalierslied zugrunde, von Holzbläsern feinfühlig eingeführt und dann im Tutti farbenprächtig durchgeführt. Die folkloristische Atmosphäre hält Rasilainen auch im weiteren Verlauf des Werkes durch. Im ‚Adagio‘ setzte er ganz auf die kammermusikalische Seite der volkstümlichen Motive und erst bei der Wiederholung des ersten Abschnitts entfaltet das Orchester den vollen Klang. Dagegen lässt er in dem äußerst zügigen 3. Satz besonders die flotten Streicher fein akzentuiert und leicht phrasieren. Mit pathetischen Einschlägen der Trompete beginnt der Finalsatz, der von Rasilainen im Ganzen breit, aber nicht schleppend geformt wurde.

Die CD liefert eine einfühlsame Interpretation und eine sehr gute Klangqualität. Das Zusammenspiel zwischen den Klangruppen ist für die mit voller Dramatik und rhythmischen Impulsen komponierte Musik exakt und bringt durch die spätromantische Sprache des Komponisten eine Fülle von Klangschönheiten mit sich. Aufgrund der treffenden Charakterdarstellung der beiden Sinfonien, die künstlerisch nicht auf demselben Niveau wie die früheren stehen, weil sie auf den klassischen Formkanon zurückgreifen, ist die spannende und aufregende Aufnahme von Ari Rasilainen mit dem SWR Radio-Sinfonieorchester Stuttgart empfehlenswert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Atterberg, Kurt: Symphonies no.7&8

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
cpo
1
06.08.2002
63:33
2000
2001
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0761203964123
999 641-2

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Atterberg, Kurt


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Dirigent(en):Rasilainen, Ari
Orchester/Ensemble:SWR Radio-Sinfonieorchester Stuttgart


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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