> > > Malipiero, Gian Francesco: Konzert für Violin und Orchester
Dienstag, 25. Juni 2019

Malipiero, Gian Francesco - Konzert für Violin und Orchester

Nicht aus der Mode gekommen


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


So empfiehlt sich diese Aufnahme für Entdecker im Violinrepertoire, aber auch für Freunde knapper, inspirierter Neoklassik.

Wer sind Casella und Malipiero? Italienische Klassikfans würden vielleicht sagen: Ja, hab ich schon mal gehört. Hierzulande sind die Namen dieser Komponisten gar nicht mehr präsent. Dabei gehörten sie zwischen 1920 und 1950 zu den bedeutendsten Komponisten Italiens. Malipiero brachte es vor dem 2. Weltkrieg sogar zu Uraufführungen an der Staatsoper in München und anderen deutschen Opernbühnen. Der nicht unberechtigte Vorwurf, die beiden hätten sich dem italienischen Faschismus freundlich gesonnen gezeigt, hat ihrem Ruf später ebenso geschadet, wie die Doktrin der Folgegeneration, dass es sich bei der Zwölftonmusik um die einzig gültige Musik des 20. Jahrhunderts handle. Gian Francesco Malipiero und Alfredo Casella schrieben dagegen so etwas wie neoklassische Musik, keine altbacken klingende Musik, aber Musik auf tonalem Grund. 

Mustergültig

Die vorliegende Aufnahme erreicht uns aus den Tiefen des Supraphon-Archivs. Die Wiederveröffentlichung schließt eine diskographische Lücke, denn die vorliegenden Werke waren auf CD bisher nicht greifbar. Der Geiger André Gertler und der Dirigent Václav Smetácek haben mit den Prager Symphonikern die Violinkonzerte Malipieros (1932) und Casellas (1928) in den Jahren 1971 und 1974 mustergültig aufgenommen. Wirkt die Musik dieser beiden Komponisten in jüngeren Einspielungen oft bemüht aufgepeppt und dadurch eher aus der Mode gekommen, so schaffen es Smetácek und Gertler sie unangestrengt frisch klingen zu lassen. Traditionelles in der Musik Casellas und Malipieros bleibt hier bewusst hörbar. Der Eindruck, es irgendwie mit etwas Vertrautem zu tun zu haben, verleiht ihr Halt. Neu klingt an ihr noch viel genug. Tontechnisch hatte man sich um 1970 schon einiges einfallen lassen. Der Klang ist sehr präsent, eine Spur zu dumpf, aber nicht rauschig.

Ein Streitfall auf CD

Während das Konzert Malipieros aus seiner stärksten Phase als Komponist stammt, hat Casella sein Violinkonzert bald nicht mehr sonderlich gemocht. Es gab zwischen den beiden Komponisten sogar einen heftigen Schlagabtausch, der Casellas Stück zum Thema hatte. Zu viel Verdi glaubte Malipiero im Adagio des Konzerts von Casella zu hören. Tatsächlich hebt das Adagio mit einer starken melodischen Geste an, durchaus tauglich, eine Opernszene zu eröffnen. Die Melodie der Violine schwingt weit aus. Das war Malipiero zu viel. Dabei ist der zweite Satz in seinem eigenen Violinkonzert kaum weniger „romantisch“ ausgefallen. Beide Sätze gehören, aus der Distanz einiger Generationen ganz undogmatisch gesprochen, zu den hörenswertesten Eingaben ihrer Schöpfer.

Bemerkenswerter Geiger

Mit André Gertler tritt uns ein herausragender Geiger entgegen, der heute zu Unrecht vergessen ist. Seine Aufnahmen von Musik Bartóks empfehlen den gebürtigen Ungarn nach wie vor. Er interessierte sich sehr stark für zeitgenössische Musik, dabei spielte er sie, das beweisen die vorliegenden Werke, durchaus im Sinne der Ideale des 19. Jahrhunderts: Schönklang, Emphase, große Phrasen, viel Legato, edler, schlanker Ton – alles da.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Malipiero, Gian Francesco: Konzert für Violin und Orchester

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
20.04.2007
Medium:
EAN:

CD
099925390426


Cover vergössern

Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Supraphon:

  • Zur Kritik... Hochexpressive tschechische Sonaten: Vor allem die Sonaten für Violine und Violoncello aus der Feder von Viktor Kalabis (1923–2006) sind höchst gelungene Gattungsbeiträge, die Klarinettensonate hingegen weniger. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Hausmusik von herber Schönheit: Diese Aufnahme ist mit Sicherheit keine hochpolierte Massenware, die im Schönklang ertrinkt, sondern eine kraftvolle und persönlichkeitsstarke Lanze für eine vernachlässigte Kunst: Hausmusik in ihrer schönsten Ausprägung. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Gesang der Instrumente: Tomás Netopil und das Prague Symphony Orchestra überzeugen mit atmosphärischen Suiten aus Janáčeks Opern. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Supraphon...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Thomas Vitzthum:

  • Zur Kritik... Schönste Wiener Kammermusik: Schwungvoll wienerische Kammermusik, gespielt von einem herausragenden Ensemble mit Wiener Wurzeln. Weiter...
    (Dr. Thomas Vitzthum, )
  • Zur Kritik... Undramatisch bekehrt : Frieder Bernius hat eine farbige, aber sehr undramatische Aufnahme des Paulus vorgelegt. Nichtsänger werden sie dennoch mögen. Weiter...
    (Dr. Thomas Vitzthum, )
  • Zur Kritik... Brendels eigene Wahl: Alfred Brendel hat eine persönliche Auswahl getroffen. Beethoven zeigt er als Humoristen und als Schwerblüter in späten Kompositionen. Erstaunlich ist Brendels Chopin. Weiter...
    (Dr. Thomas Vitzthum, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Thomas Vitzthum...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Bachs Cembalo konzertant: Fabio Bonizzoni und La Risonanza überzeugen auf dieser Einspielung mit hochklassigen Erkundungen in Bachs konzertantem Cembalo-Kosmos. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Dramatisch und sensibel: Christian Tetzlaff und das Finnish Radio Symphony Orchestra unter Hannu Lintu bereichern die Diskographie von Bartóks beiden Violinkonzerten mit einem sensibel ausgehörten, zugleich hochdramatischen Zugriff. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Kammermusik vom Allerfeinsten: Das Diogenes Quartett wirft einen intensiven Blick auf den Streichquartettkomponisten Gernsheim. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (6/2019) herunterladen (3061 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Josef Holbrooke: Symphony No.3 op.90 - Merchantships - Finale Marcia - Poco allego marcato

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich