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Freitag, 23. August 2019

Ravel, Maurice - Daphnis et Chloé

Orchestrale Farbenpracht


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Kauf dieses Tonträgers lohnt sich wegen ?Daphnis et Chloé? und ?Ma mére l?oye?, auf den ?Bolero? sollte man beim Abspielen verzichten, er bildet lediglich einen soliden Schlusspunkt dieser ansonsten -auch tontechnisch!-erstklassigen CD.

Mit Ravels ‘Ma Mére l’Oye’ und den Suiten 1 & 2 des Balletts ‘Daphnis et Chloé’ hat Bernhard Haitink gemeinsam mit dem Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam’ bereits in den frühen 70er Jahren zwei Schlüsselwerke des französischen Komponisten in Mehrkanaltechnik eingespielt, die nun auf SACD zur Verfügung stehen.  

‘Daphnis et Chloé’ -für Igor Strawinsky ‘eines der schönsten Produkte in der gesamten französischen Musik’- entstand als Auftragswerk für den russischen Choreographen Sergej Diaghilew, der mit diesem Ballett seinen Überraschungserfolg in Paris abzusichern gedachte. Die Partitur ist nicht nur Ravels längste, sondern auch seine aufwendigste: Für eine Aufführung benötigt man 15 (!) verschiedene Schlaginstrumente, einen Chor hinter der Bühne sowie eine Windmaschine. Die beiden je dreisätzigen Suiten, die 1911 beziehungsweise 1913 entstanden, nehmen die wichtigsten Themen des 1912 in Paris uraufgeführten Werks auf, allerdings ist die Verwendung des Chors ad libitum, was Haitink auch dazu veranlasste, auf ihn zu verzichten. Ravel bezeichnete sein Werk als ‘Symphonie Chorégraphique’, Diaghilew monierte allerdings, es sei mehr ‘Symphonique’ als ‘Chorégraphique.’ Doch genau dieser Umstand ermöglicht es Orchestern und Dirigenten, ihr ganzes gestalterisches Potential zu präsentieren, was Bernhard Haitink und dem Royal Concertgebouw sehr gelegen kommt.

Haitink nimmt bereits die eröffnende Nocturne in einem relativ raschen Tempo, das der Musik aber den nötigen Freiraum zur Entwicklung ihrer Farbigkeit lässt. Das Royal Concertgebouw Orchestra beweist in allem Instrumentengruppen neben dem luxuriösen Klang auch eine enorme dynamische Elastizität sowie einen noch im Forte strukturierten Sound, wodurch auch der unmittelbar theatralische  ‘Danse guerrière’ trotz seiner Heftigkeit noch kontrolliert und transparent gerät. Der bekannteste Teil der Partitur ist der ‘Lever du jour’ am Beginn der zweiten Suite. Die Musiker haben hier ihre größten Momente: Die Flöten scheinen schwerelos im Raum zu schweben, die Streicher überwältigen mit schimmerndem Klangkolorit. In der anschließenden Pantomime modelliert Haitink filigrane Momente, ohne durch die Detailarbeit an Spannung zu verlieren. Nach dem wuchtig euphorischen ‘Danse générale’ empfindet man das Prelude der 28minütige ‘Ma méré l’oye’ (Mutter Gans) beinahe wie eine Miniatur. Ravel komponierte das Stück 1908 als Suite für Klavier für die Sprösslinge eines Freundes, weshalb sich die Überschriften der einzelnen Teile auf verschiedene Kinderverse beziehen. Anlässlich der Orchestrierung  erweiterte Ravel sein Werk zu einer siebenteiligen Ballettsuite. Haitinks Interpretation ist ausgeglichen,  kammermusikalisch umgesetzte instrumentale Details ergeben ein in den Kontext des Stücks eingewobenes Ganzes.         

Auf den ‘Bolero’ wollte man bei dieser CD offenbar nicht verzichten, allerdings verschweigt das Front-Cover, dass man bei diesem Zugstück sowohl auf das Royal Concertgebouw Orchestra als auch auf Bernhard Haitink verzichten muss. Da sich auch das Booklet nicht dazu äußert, liegt die Vermutung nahe, dass Haitink dieses Stück nicht im Mehrkanalton-System aufnahm. So hört man eine grundsolide, 1974 entstandene Einspielung mit dem  Rotterdam Philharmonic Orchestra unter Edo de Waart, der ein eher behäbiges Grundtempo anschlägt und wenig Interesse an scharfer rhythmischer Akzentsetzung zeigt, wodurch das raffiniert instrumentierte Stück ohne Charme oder elektrisierende Energie vorüberzieht.

Der Kauf dieses Tonträgers lohnt sich wegen ‘Daphnis et Chloé’ und ‘Ma mére l’oye’, auf den ‘Bolero’ sollte man beim Abspielen verzichten, er bildet lediglich einen soliden Schlusspunkt dieser ansonsten -auch tontechnisch!-erstklassigen CD.  

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ravel, Maurice: Daphnis et Chloé

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Pentatone Classics
1
01.01.2013
Medium:
EAN:

SACD
827949016769


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
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Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


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