> > > Beethoven, Ludwig van: Sinfonie Nr. 3 'Eroica'
Dienstag, 30. November 2021

Beethoven, Ludwig van - Sinfonie Nr. 3 'Eroica'

‘Eroica’ aus einem Guss


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine überzeugende ‘Eroica’-Einspielung des Berliner Sinfonie-Orchesters unter Günther Herbig, die 20 Jahre auf ihre Veröffentlichung warten musste.

Wenn ein Werk so inflationär häufig eingespielt wird wie Beethovens ‘Eroica’, ist es schwierig, unter den vielen Aufnahmen die wirklich bemerkenswerten aufzustöbern. Die Interpretation des Berliner Sinfonie-Orchesters (seit 2006 ‘Konzerthausorchester Berlin’) unter Günther Herbig gehört zu diesen beeindruckenden Einspielungen. Erst 2002 – dann 2007 in einer Neuauflage – ist die CD erschienen: 20 Jahre nach ihrer Aufzeichnung im Juni 1982. Woran diese lange Verspätung lag? An der (kultur)politischen Situation in der ehemaligen DDR. Konkreter: Das Berliner Sinfonie-Orchester sollte eine eigene Spielstätte bekommen und diese mit der ‘Eroica’ einweihen. Geplant war auch eine zeitgleich erscheinende Aufnahme der Beethoven-Symphonie. Doch das DDR-Kulturministerium verzögerte den Einzug des Orchesters in das neue Konzerthaus und spann Intrigen gegen den Chefdirigenten. Günther Herbig musste notgedrungen zurücktreten. Er emigrierte in die USA, wo er Chef des Detroit Symphony Orchestra wurde. Nach seiner Rückkehr nach Europa leitete er von 2001 bis 2006 das Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken.

Herbigs ‘Eroica’-Deutung ist aus einem Guss und stark in romantischen Klangvorstellungen verwurzelt. Er bevorzugt nicht die oft erprobte radikal entschlackte Version, sondern tendiert zur großen Geste – und dies zugunsten der heroischen Größe der Symphonie im absolut positiven Sinne. Die Phrasierungsbögen sind weit gespannt und bilden klare organische Komplexe. Der Blick fürs Ganze scheint Herbig also eminent wichtig zu sein – was nicht bedeutet, dass er präziser Detailarbeit ausweicht. Nie sind die strukturierenden Akzente im Kopfsatz zu schroff; weiche, geschmeidige und dynamisch differenzierte Melodielinien lassen den Satz zu einem fließenden, homogenen Klanggefüge werden.

Im sonst furiosen und von großer Spielfreude geprägten Finale büßt die Transparenz an manchen Stellen ein wenig ein. Umso erfreulicher ist dagegen der Hörgenuss im zweiten Satz: absolut durchhörbar und von ergreifender Eindringlichkeit gestaltet Herbig den Trauermarsch. Dass es ein ausgereifter und elastischer Klangkörper ist, beweist das Berliner Sinfonie-Orchester in diesem Satz auf besonders überzeugende Weise. Herbig gibt dem Orchester stets Gelegenheit, sein äußerst dichtes und volles Klangbild zu entfalten und vermeidet es mittels gemäßigter Tempovorgaben, zu hetzen. Klangfarbliche Wärme und die lyrischen Kantilenen der Bläser-Soli beschwören eine sehr gefühls- und spannungsgeladene Atmosphäre herauf. Die energisch glühende orchestrale Kraft setzt sich auch im Scherzo fort, das von einer teils stark antithetischen dynamischen Gestaltung geprägt ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Barbara              Doll   Kritik von Barbara Doll ,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Sinfonie Nr. 3 'Eroica'

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Aufnahmejahr:
Berlin Classics
1
18.04.2007
1982
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
782124139223
0013922BC


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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