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Sonntag, 16. Mai 2021

Bach, Johann Sebastian - Goldberg-Variationen BWV 988

Glenngenial


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die legendäre Aufnahme der Goldberg-Variationen, die Glenn Gould 1955 im Studio einspielte, machte den Pianisten zum Weltstar. Nun bringt Naxos das Platten-Juwel in einer vorbildlich auf Hochglanz polierten CD-Pressung auf den Markt.

Es gibt diese Aufnahmen, die einschlagen wie eine Bombe – Platten, die Geschichte schreiben und die Hörgewohnheiten einer ganzen Generation verändern. Zu diesen Aufnahmen gehört Glenn Goulds Einspielung der Goldberg Variationen für das Label Columbia Records von 1955. Im Juni dieses für die Geschichte des Klaviersspiels folgenschweren Jahres betrat ein jungenhafter 23-Jähriger das Tonstudio und entfesselte eine Revolution: Das, was Gould mit den vertrauten Klängen Bachs machte, war unerhört. Von einem Tag auf den anderen war der pompös-süßliche Firniss, den die ‚Klavierwerke’ Bachs durch die Rezeption der Romantik erhalten hatten, weggefegt.

Schillernder Mikrokosmos

Mit technischer Brillanz, elegantem Anschlag, und jugendlich-genialer Unbekümmertheit durchkämmte Gould das polyphone Dickicht der Musik Bachs und legte deren verschränkte Strukturen frei wie ein Chirurg. Gould stellte die Musik in aller Deutlichkeit vor das geistige Auge des Zuhörers, und dieser konnte plötzlich einen schillernden Mikrokosmos wahrnehmen, der ihm bis dahin verborgen geblieben war. Ein Mikrokosmos, der für den Bachliebhaber ähnlich faszinierend gewesen sein muss wie jene Geheimnisse, die Hans Janssen und seines Sohn Zacharias mit neugierigem Blick enthüllten, als sie 1590 in Antwerpen das erste taugliche Mikroskop bauten.

 

Die am meisten überschätzte Aufnahme der Welt

 

Goulds Spiel war eine Offenbarung und sie machte den jungen Pianisten zu einem Star, der mit seiner schüchternen Sprödigkeit, seinem intellektuellen Rebellentum mehr mit den Leinwandhelden Hollywoods wie James Dean zu tun hatte, als seiner wachsenden Fangemeinde bewusst gewesen sein dürfte. Gould selbst bezeichnete seine Einspielung von 1955 in der für ihn typischen Geringschätzung journalistischer Superlative als die ‚am meisten überschätzte Aufnahme aller Zeiten’.

Kurz vor seinem Tode, als er sich längst vom Konzertpodium in die selbstgewählte Einsiedelei des Tonstudios zurückgezogen hatte, legte Gould eine weitere Einspielung der Goldberg-Variationen vor. Diese Aufnahme, die er seiner geheimnisvollen Hexenküche hinter Mischpulten und Mikrophonen zusammengestellt hatte, ist sein Vermächtnis und zeigt ein gewandeltes Bach-Bild. Längst hatte sich eine hermetische Vereinigung zwischen Gould und seinem Alter-Ego Bach vollzogen. Gould, über die Tasten gebeugt wie eine bebrillte Spinne, im Netz der Partitur, entrückt, singend, summend, stöhnend, war zum Neuschöpfer und Hohepriester geworden.

Wie anders noch 1955. Da war der Kanadische Pianist jugendlicher Stürmer und Prophet, nicht Sachwalter der eigenen Offenbarung. Die Aufnahme, die Naxos zusammen mit der 1954 eingespielten Partita Nr. 5 von Bach nun neu veröffentlicht, markiert einen Paradigmenwechsel, der Bach von der Tradition befreit und in ein neues Licht gestellt hat. Für Gould steht sie am Anfang eines langen Weges. Für die Musikwelt aber ist diese Aufnahme der Beginn eines Mythos.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Goldberg-Variationen BWV 988

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
19.03.2007
Medium:
EAN:

CD
747313324729


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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