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Samstag, 17. November 2018

Ensemble Integrales - Traces of Asia

Kulturen überschreitender Dialog für Neugierige


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit dem CD-Projekt ?Traces of Asia? eröffnet das Ensemble Intégrales einen interkulturellen Dialog zwischen europäischen Traditionen zeitgenössischem Komponierens und asiatischen Musikkulturen.

Der Globalisierung und der vermeintlich drohenden Einebnung kultureller Unterschiede zu Gunsten einheitlicherer Musikstile zum Trotz, wie sie in der populären Musik längst Fuß gefasst haben, lässt sich im Bereich zeitgenössischen Komponierens eine spannende Tendenz beobachten, die sich in den vergangenen Jahren gar verstärkt hat: Komponistinnen und Komponisten, die in außereuropäischen Musikkulturen beheimatet sind, reisen in den Westen, wo sie ganz oder teilweise ihre Ausbildung absolvieren, während sich in ihren Arbeiten zugleich die Kultur ihrer Heimatländer Bahn bricht und die musikalische Sprache vernehmbar bestimmt. Dies verdeutlicht, dass die Hinwendung nach Europa längst nicht mehr jenen musikalischen ‘Kulturschock’ auslöst, der einst zur Zurückdrängung einheimischer Musiktraditionen geführt hat.

Ganz im Gegenteil ist – insbesondere bei jüngeren Komponisten – ein neues Selbstbewusstsein zu spüren, das zur fruchtbaren musikalischen Auseinandersetzung mit den konträren Voraussetzungen von europäischer Komponiertradition und eigenen kulturellen Wurzeln führt. Diesen Umstand hat das in Hamburg ansässige Ensemble Intégrales als Ausgangspunkt für eine faszinierende CD-Produktion beim Label Coviello gewählt, auf der es Werke mehrerer asiatischer Komponisten versammelt. So unterschiedlich die Herkunft der sechs ausgewählten Komponisten ist, so spannend und vielfältig ist auch die Auseinandersetzung mit den Bedingungen der Musikkulturen, die sich in den entstandenen Werken abzeichnet. Trotz hochgradiger Individualisierung der künstlerischen Konzeptionen spiegeln sie das künstlerische Spannungsfeld, in dem sich die Komponisten jeweils bewegen, auf einzigartige Weise wider.

Neben der Japanerin Misato Mochizuki (*1969) und der aus Kasachstan stammenden Jamilia Jazylbekova (*1971) – erstere hat in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Kompositionen auf sich aufmerksam gemacht, letztere ist gerade in jüngster Zeit mit einigen spannenden Werken an die Öffentlichkeit getreten – kommen hier der Iraner Alireza Mashayeki (*1940), der Malaye Kee-Yong Chong (*1971), der mongolische Komponist Suren Soronzonbold (*1958) und die Chinesin Leilei Tian (*1971) zu Wort und führen den Hörer in sehr individuelle, aber dennoch immer faszinierende Klangwelten. Die Ergebnisse dieser Zusammenstellung sind denn auch gänzlich anderer Art als jene seichten Machwerke, die etwa von der Firma Naxos unter dem Etikett ‘20th Century Classical Chinese Music’ verkauft werden und sich als Musik in der romantischen Tradition mit einigen exotischen Einsprengseln entpuppen.

So schwebt etwa die Komposition ‘Meta X Nr. 3’ (2003) von Alireza Mahsayeki auf eigenartige Weise zugleich zwischen orientalischer Melodiebildung und Techniken okzidentalischer Klangbefragung wie zwischen improvisatorisch anmutender Leichtigkeit und streng komponierten Abschnitten und verknüpft so die gegensätzlichen Elemente zu einer Einheit voll kraftvollen, bisweilen gar eruptiven Ausdrucks, ohne dass dabei deren Eigenarten verloren gehen. Misato Mochizuki vermittelt in ‘Intermezzi I’ (1998) – bereits 2003 auf einer Porträt-CD des Labels Kairos erschienen, hier jedoch deutlich profilierter vorgetragen – die heterogenen Klangwelten eines an japanischer Flötenmusik orientierten Vortrags und die experimentelle Klangerkundung im Klavierinnern und gelangt dabei zu einer farbenreichen Musik, die passagenweise auf eigenartige Weise zu schweben scheint. Als einziger Komponist arbeitet Kee-Yong Chong in ‘Metamorphosis IV’ (2002) mit elektronischen Zuspielungen und stellt dabei tönende Beziehungen zwischen den in englischer und chinesischer Sprache vorgetragenen Texten und den beiden verwendeten Streichinstrumenten her, die sich an einigen Stellen zu einer fast berauschender Wirkung verdichten.

Suren Soronzonbold besinnt sich auf seine kulturellen Wurzeln, indem er – ausgehend von schamanistischen Vorstellungen – jeder Instrumentalstimme in dem lediglich mit den Satznummern ‘I’ und ‘II’ überschriebene Werk (2005) ein Eigenleben verleiht, sie jedoch zugleich subtil in ein übergeordnetes Beziehungsnetz einbindet. Hingegen sucht Jamilia Jazylbekova in ‘sfiorasi’ (2004/05) die Stille, indem sie mit leisen, teils geräuschhaften Instrumentalklängen eine sanft tastende Musik mit sphärischen Wirkungen entfaltet und damit auch eine der stärksten Kompositionen dieser CD vorlegt. Im Gegensatz hierzu schafft Leilei Tian schließlich in ‘Ensembles Intégrales’ (2005) eine Welt der entfesselten Klänge, die den Musikern ein Maximum an technischen Fähigkeiten abverlangt und in der Behandlung der Instrumente immer wieder das Kolorit chinesischer Wölbbrettzithern anklingen lässt.

Zum Gelingen des Projekts trägt das Engagement der Ensemblemitglieder entscheidend bei, die hier in unterschiedlichen Besetzungen aufeinander treffen und mitunter erhebliche instrumentale Anforderungen zu bewältigen haben. Daneben ist aber auch das außerordentlich klare und durchsichtige Klangbild zu erwähnen, das die Wirkung der einzelnen Kompositionen sicher noch steigert und eine Konzentration auf die kleinsten Details erlaubt. ‘Traces of Asia’ gehört für mich zu den aufregendsten und aufschlussreichsten Produktionen aus dem Sektor der zeitgenössischen Musik, die in den letzten Jahren in meinem CD-Player gelandet sind. Die Platte macht etwas von jener musikalischen Vielfalt bewusst, von der wir eigentlich umgeben sind und führt von der Fixierung auf bestimmte etablierte Komponistengestalten aus dem mitteleuropäischen oder amerikanischen Raum weg zu den Facetten eines Kulturen übergreifenden Dialogs, der sich heute gerade im Schaffen junger Komponisten abspielt. Diejenigen Hörer, die sich ihre Neugier bewahrt haben und dem Zeitgenössischen gegenüber aufgeschlossen sind, bekommen hier die Möglichkeit einer einzigartigen Horizonterweiterung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ensemble Integrales: Traces of Asia

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Coviello Classics
1
01.04.2007
EAN:

4039956607069


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Coviello Classics

Für Coviello Classics steht bei einer Musikproduktion immer das besondere Hörerlebnis im Vordergrund ? alle technischen und organisatorischen Entscheidungen müssen sich diesem ästhetisch definierten Ziel unterordnen. Wesentliche Entscheidungen treffen bei coviello classics nicht gewinnorientierte Manager, sondern kreative Musik-Gestalter: zum einen die Gründer, Geschäftsführer und prägenden Köpfe Olaf Mielke und Moritz Bergfeld, die als Diplom-Tonmeister und Aufnahmeleiter den coviello classics-Produktionen ihr ?klangliches Gesicht? geben, zum anderen die Interpreten, die für coviello classics immer die wichtigsten Partner sind. Ihre künstlerische Aussage ist das zentrale Kriterium für die Qualität einer Aufnahme; sie sind in alle ästhetischen Fragen einer Veröffentlichung einbezogen.

Hoher Repertoirewert

Grundvoraussetzung für unsere Neuproduktionen sind die besonderen Anforderungen an Künstler und Repertoire. Um dem Klassikmarkt neue Impulse zu geben, produziert coviello classics bislang wenig beachtetes Repertoire, oftmals in Weltersteinspielungen, und sorgt damit immer wieder für überraschende Entdeckungen. Bekanntere Werke erscheinen durch ungewöhnliche Interpretationen in neuem Licht ? hier gibt es keine ideologischen Grenzen oder vermeintlichen Authentizitäts-Anspruch; lebendige Musikkultur zeigt oft das vertraute in ganz anderem klanglichem Gewand. Ein besonderer Schwerpunkt ist die seit einigen Jahren etablierte Reihe coviello contemporary, in der sich die Nähe zum weltbekannten Darmstädter Institut für neue Musik in ganz aktuellen Kompositionen bemerkbar macht.

Technische und ästhetische Kompetenz

coviello classics ist das Label, unter dem die Aufnahmen der Produktionsfirma MBM vertrieben werden ? ob als CD, DVD oder SACD. Durch einen ganz speziell für die Anforderungen hochwertigster Musikproduktionen konzipierten Übertragungswagen sind die Voraussetzungen für die Aufnahmequalität bei MBM optimal. coviello classics bietet darüber hinaus in jedem Bereich und in jeder Phase der Realisierung einer Musikproduktion ? bis hin zu grafischer Gestaltung und Textredaktion bei den begleitenden Druckmedien ? sowohl Logistik und hochwertiges Gerät wie auch technisches und ästhetisches Know-how.

Grafiken, Texte und weltweite Wege

Zu einer Musikveröffentlichung gehört nicht nur der gespeicherte Ton ? da gibt es noch einiges mehr zu gestalten. Das Cover einer CD, DVD oder SACD muss nicht nur grafisch ansprechend gestaltet sein, sondern auch einen sinnvollen Zusammenhang mit dem musikalischen Inhalt herstellen. Das begleitende Booklet soll umfassend über Werke, Künstler und Aufführungspraxis informieren; die Texte müssen wissenschaftlicher Prüfung standhalten, aber trotzdem allgemein verständlich und auch noch unterhaltsam sein ? schwierige Herausforderungen auch über die Musik hinaus, für die coviello classics mit erfahrenen Grafikern und Textautoren zusammenarbeitet. Schließlich muss das fertige Produkt an möglichst vielen Orten der Welt erhältlich sein. Dafür haben wir in vielen Ländern in Europa, Asien und Nordamerika Partner vor Ort, die ihren Markt genau kennen. Sie werden laufend mit Neuheiten, Informationsmaterial und Rezensionen aus der Presse versorgt ? auch wenn die Produktion eigentlich fertig ist, macht sie uns noch viel Arbeit.


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