> > > Paisiello, Giovanni: La Passione di Gesù Cristo
Montag, 29. November 2021

Paisiello, Giovanni - La Passione di Gesù Cristo

Passion in Italien


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Passion einmal anders: Giovanni Paisiellos Version ist vor allem geistliche Oper und wird von Diego Fasolis und seinen Mitstreitern gelungen aufgefasst - eine durchaus interessante Ergänzung zum protestantischen Repertoire.

In Deutschland dominieren ganz selbstverständlich die Passionsvertonungen der großen Protestanten – Heinrich Schütz und vor allem Johann Sebastian Bach sind als ‚Lieferanten’ der alljährlich aufgeführten und vielfach eingespielten Kompositionen, die das Leiden Christi musikalisch und mit gemäßigter Geste reflektieren, unentbehrlich.

Daneben existiert manch andere Tradition, die sich doch sehr von der protestantisch-intellektuellen Strenge des oben genannten unterscheidet – als ein solches Beispiel mag jene ‚Azione sacra in due parti’ von Pietro Metastasio gelten, auf deren textlicher Grundlage sich im Italien des 18. Jahrhunderts eine fast eigenständige musikalische Traditionslinie herausbildete: Das im Jahr 1730 fertiggestellte Libretto der ‚Passione di Gesù Cristo’ regte unter anderem Antonio Caldara, Johann Gottlieb Naumann, Antonio Salieri und Joseph Myslivecek und Niccolò Jommelli zu eigenen Vertonungen an. Mit dem beliebten Werk des Letzteren konkurrierte seit 1783 eine Version Giovanni Paisiellos (1740-1816), der bereits zu diesem Zeitpunkt in Italien und halb Europa seit längerer Zeit als Opernkomponist erhebliche Erfolge gefeiert hatte.

Und so zeigt sich auch in der Passion seine Opernkunst: Erzählt wird nicht die Geschichte des Leidens Jesu, vielmehr finden wir Petrus, Johannes, Joseph von Arimathea und Maria Magdalena unmittelbar nach der Kreuzigung im bald klagenden, bald sinnierenden Reflektieren des eben Geschehenen befindlich. Das garantiert vor allem starke Emotionen und großflächige Gesten statt verwickelter Ereignisse – durchaus ein Stoff nach dem Geschmack Paisiellos. Der lässt seine Protagonisten wunderbar zeitgemäße Arien singen, erweitert das Spektrum um typische Gesten der Klage und der Trauer. Doch finden sich auch strukturell interessante Abschnitte, so etwa die eindrucksvolle Orchestereinleitung mit eingelagertem Petrus-Rezitativ. Lange hält es Paisiello nicht bei einem Affekt, er mag die Charaktere auch nicht ohne Unterlass klagen lassen – also gerät manche Arie zur äußerst temperamentvollen und energischen Angelegenheit. Das ist auch dem ebenso leidens- wie lebensnahen Libretto Metastasios geschuldet, das mit klarer Sprache und eindrucksvollen Bildern nicht nur das Leidensgeschehen an sich, sondern auch die tiefgehende Judenfeindschaft der katholischen Kirche dramatisiert.

Gelungen

 

Es handelt sich demnach um ein opernhaft-geistliches Werk, das in der vorliegenden Einspielung von potenten Aufführenden profitiert: Roberta Invernizzi verleiht dem Petrus mit ihrem schlanken, klangschönen Sopran sehr menschliche Züge, Alla Simoni als Maria Magdalena überzeugt mit charakteristischer Stimme und dramatischer Verve. Der Johannes des Luca Dordolo agiert vor allem im Bereich des Lyrischen, wird aber auch mit seiner Schlagkraft gefordert. Dazu ein emotional grundierter, voluminöser Bariton José Fardilhas als Joseph von Arimathea.

Diego Fasolis leitet ‚I Barocchisti’ zu einem sehr disziplinierten Spiel an: Die Instrumentalisten agieren rhythmisch äußerst prägnant, arbeiten gemeinsam mit Fasolis manch plastisches Detail überzeugend heraus und bewahren sich auch in gesteigerter Dynamik einen gut fokussierten Klang. Fasolis fasst die dramaturgische Anlage mit Konzentration auf das inhaltliche Geschehen auf, vermeidet dabei souverän eine allzu vordergründige Effekthascherei: Im Ergebnis wird Paisiellos durchaus originelle, gleichwohl nicht in jedem Moment gewichtige Komposition sehr lebendig gespielt und gesungen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Paisiello, Giovanni: La Passione di Gesù Cristo

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
cpo
2
21.03.2007
96:03
2001
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
761203725724
CPO 777 257-2


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Paisiello, Giovanni
 - La Passione di Gesù Cristo - Parte Prima
 - La Passione di Gesù Cristo - Parte Seconda


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Dirigent(en):Fasolis, Diego
Interpret(en):Invernizzi, Roberta
Dordolo, Luca
Simoni, Alla
Fardilha, José


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
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