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Dienstag, 17. September 2019

Haydn, Joseph - Die Schöpfung

Persönlichkeitsstark


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wer seine Sammlung vor kurzem um die Aufnahme Harnoncourts erweitert hat, soll sich dadurch nicht davon abhalten lassen, auch noch in diese - im übrigen auch klangtechnisch - überzeugende, persönlichkeitsstarke ?Schöpfung? zu investieren!

‘Ich war auch nie so fromm, als während der Zeit, da ich an der Schöpfung arbeitete. Täglich fiel ich auf meine Knie nieder und bat Gott, dass er mir die Kraft zur glücklichen Ausführung dieses Werkes verleihen möchte.’ Dieser häufig zitierte Ausspruch Haydns zeigt, dass die wahrscheinlich zwischen Dezember 1796 und 1798 entstandene, von der ‘Gesellschaft der assoziierten Kavaliers’ hoch dotierte Komposition für den bereits weit über 60 Jahren alten Musiker mit beträchtlichen Mühen verbunden war. Die von Haydn selbst dirigierte erste öffentliche Aufführung im alten Wiener Burgtheater am Michaelerplatz war für den 19. März 1799 angesetzt und geriert zum gesellschaftlichen Ereignis. Im Zusammenhang mit dieser Aufführung stößt man auch wieder einmal auf den Namen Antonio Salieris, er saß am Klavier.

Haydn interessierte Klassikfans wurden erst vor kurzem mit Nikolaus Harnoncourts aktueller Deutung der Partitur konfrontiert, und auch die jüngste mit nicht ganz so prominenten Namen prunkende Neuerscheinung verdient größte Wertschätzung: Für das Mozarteum Orchester Salzburg ist der Engländer Ivor Bolton ein Glücksfall: Sein Repertoire ist epochenübergreifend, dem Klangkörper hat er mittlerweile auch schon zu einer international bestaunten Bruckner-Aufnahme verholfen. Bei Haydns Oratorium erweist er sich nun als Dirigent, der Aspekte einer Originalklanginterpretation unverkrampft (!) auf ein traditionelles Orchester übertragen kann: Die Streicher bleiben ohne Vibrato, das Klangbild der Bläser wirkt weitgehend ‘gerade’. Im Gegensatz zu Harnoncourt verzichtet Bolton jedoch auf aggressive Gegensätze und grell beleuchtete Details. Haydns Werk rückt so in die Nähe der Händel-Oratorien.

Wie Harnoncourts Aufnahme, bei der ebenfalls ein Hammerklavier als Continuoinstrument eingesetzt wird, kommt auch diese Einspielung mit drei Gesangssolisten aus: Mit dem Finnen Topi Lehtipuu lernt man einen lyrischen Tenor kennen, der das Potential für eine viel versprechende Karriere zu haben scheint: Die Stimme ist schlank, geschmeidig und in allen Registern gut ansprechend. Außerdem punktet er mit einer klaren Artikulation. Interpretatorisch kann er mit er seinem arrivierteren Kollegen Michael Schade noch nicht mithalten –angesichts der erst wenige Jahre dauernden Karriere kein Manko. Miah Persson gefällt mit ihrem silber-hell flutenden Sopran. Ein noch nachhaltigerer Eindruck wäre garantiert, wenn die Klangästhetik um ihrer selbst Willen nicht vom ersten bis zum letzten interpretationsbestimmend wäre. David Wilson-Johnsons kompensiert den schon etwas ältlichen Klang seines Baritons durch eine nuancierte ungekünstelte Textgestaltung. Durchaus homogen aber nicht erstklassig klingt der Salzburger Bachchor.

Wer seine Sammlung vor kurzem um die Aufnahme Harnoncourts erweitert hat, soll sich dadurch nicht davon abhalten lassen, auch noch in diese - im übrigen auch klangtechnisch - überzeugende, persönlichkeitsstarke ‘Schöpfung’ zu investieren!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Haydn, Joseph: Die Schöpfung

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
2
16.03.2007
Medium:
EAN:

SACD
4260034866096


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Dirigent(en):Bolton, Ivor


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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