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Samstag, 7. Dezember 2019

Stravinksy, Igor - Apollon Musagete

Russen unter sich


Label/Verlag: Onyx Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit Stravinskys Ballettmusik Apollo, dem Concerto in D-Dur für Streicher und einer Bearbeitung von Prokofievs Visions fugitives spielen sich die Moscow Soloists unter Yuri Bashmet ins Herz jedes Liebhabers russischer Musik des zwanzigsten Jahrhunderts.

Was haben Ballettmusik, ein Konzert für Streicher und ein Klavierzyklus von klugen und frechen Miniaturen gemeinsam? Nun, sie bilden das Repertoire, das sich das kleine und virtuose Ensemble der Moscow Soloists unter seinem Leiter Yuri Bashmet in einer Neueinspielung zur Brust nimmt. Entstanden im Sommer 2006 in Berlin, führt das 15 Jahre junge Orchester damit seinen Schwerpunkt der russischen Musik des 20. Jahrhunderts fort, indem es die Ballettmusik Apollo und das Concerto in D von Igor Stravinsky sowie die 20 Visions fugitives - eigentlich ein Klavierzyklus - von Sergej Prokofjew spielt.

Eine Verbindung zwischen Stravinsky und Prokofjew findet sich nicht nur in ihrer Popularität oder ihrer gemeinsamen Nationalität, die sie mit dem Ensemble teilen, sondern auch in der Besonderheit und Ausgeprägtheit ihres jeweiligen persönlichen Stils. Während nämlich Stravinsky häufig an der Rhythmusprominenz seiner Werke erkannt werden kann, sind für Prokofjew die gefühlte Geschwindigkeit, die so oft werkimmanente Ironie oder die Feinheit der Bewegungen in den gegeneinander gerichteten Stimmen ein Markenzeichen seines Könnens. Bashmet und die Moskauer begehen dabei nicht den Fehler, diese Kennzeichen überzustrapazieren, indem sie sie hervorkehren. Ganz im Gegenteil, fast selbstverständlich erkennt man den Rhythmiker hier, den Ironiker da, doch dies nur zur Identifizierung.

Das Mehr an Musik steckt hier im Detail und kann durch gezielte Verminderung des Vibrato im Eröffnungstableau von Apollo, große Freiheit im Umgang mit Tempi und nicht zuletzt die allein durch seine Kleinheit bedingte Durchsichtigkeit des Klagkörpers hörbar gemacht werden. Das soll aber nicht heißen, dass das Orchester kein Vibrato verwendet und sprunghaft die Exaktheit der Rhythmen ruiniert, sondern Bashmet verwendet solcherlei Effekte nur sparsam, um so die durch das antike Sujet und die Instrumentierung vom Komponisten angedachte Rückbesinnung auf Barock beziehungsweise dessen Klassizismus ins Bewusstsein zu evozieren. Die Ausgewogenheit zwischen den gerade einmal drei Celli und einem Bass auf der einen und insgesamt 13 Violinen und Violen auf der anderen Seite ist dabei besonders bemerkenswert. Diese Besetzung kann nach Streichquartettvolumen genauso klingen wie nach sattem Tutti, wenn die Musiker die starren Akkorde in der Apollo-Variation einfach wie Salzsäulen hinstellen mit leeren Saiten und sich dann umso charmanter mit matter, tänzerischer Attitüde auf den folgenden Pas de deux einlassen, wieder aber mit vielen Flageoletts und unverhohlen leeren Saiten.

Die Frechheit der Bearbeitung

Eine andere Sache ist es mit Prokofjews Visions fugitives, denn diese sind hier in der Bearbeitung von Rudolf Barshai und Roman Balashov für Streichensemble interpretiert. Heikel wird dies dadurch, dass, so hört man oft, gerade Prokofjews pianistischer Stil unverwechselbar und damit auch - für konservative Liebhaber - unantastbar sein sollte. Doch eines zumindest verbindet pianistische und Streichvariante: die Schwierigkeit der Ausführung. Hier können alle Stimmen des Orchesters zeigen, was in ihnen steckt - nicht nur technisch, sondern auch in der Frage, ob der Klang eines Klaviers zu imitieren sei oder eigene Wege beschritten werden sollten. Bashmet und die Moskauer entscheiden sich für zweiteres und wählen als Leitstern die Frische und Frechheit, die sie erhalten und gegenüber einer Klavierversion steigern wollen. Indem sie also ein ppp misterioso nicht gar so genau nehmen zugunsten eines vierstimmig geteilten Celloklanges und Tremolocollagen anbringen, wo einem Flügel schon längst der lang gehaltene Ton entflohen wäre, stellen sie die Berechtigung ihrer Interpretation auf. Und bieten in den unerwartetesten Momenten so passende streichertypische Effekte wie ein kleines, aber ungeheuer gemeines Pizzicato an, dass man vergisst, dass es sich bei der ganzen Angelegenheit ‘nur’ um eine Bearbeitung handelt. Nein, diese Visions verdienen dank der Begeisterung, technischen Sicherheit und Exklusivität der Interpretation das Prädikat original und originell.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Annika Forkert,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Stravinksy, Igor: Apollon Musagete

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Onyx Classics
1
23.02.2007
Medium:
EAN:

CD
880040401728


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Onyx Classics

"Ein feines Label, das viel zu bieten hat" James Jolly, Gramophone

"Ein Label, dessen Aufnahmen in jedem Laden stehen müssen" Independent on Sunday

ONYX Classics wurde 2005 gegründet und ist ein Label, das sich Aufnahmen höchster Qualität verschrieben hat. Das Ziel von ONYX Classics sind Veröffentlichungen von Künstlern, die in der Vergangenheit bei den so genannten "Major"-Labels internationale Anerkennung erworben haben, nun aber mehr direkten Einfluss auf ihre Aufnahmen ausüben möchten.
Darüber hinaus versteht sich ONYX auch als Plattform für herausragend begabte junge Musiker, die bereits große Wettbewerbe gewonnen und internationale Konzerterfahrung gesammelt haben, aber erst am Anfang ihrer Karriere stehen.
Schon in der kurzen Zeit seines Bestehens hat ONYX durch die enge und freundschaftliche Zusammenarbeit viele namhafte Künstler unter Vertrag nehmen können. Unter anderen: Viktoria Mullova, Susan Graham, James Ehnes, Stephen Kovacevich, Nikolai Lugansky, Yuri Bashmet, die Moscow Soloists, Pascal Rogé, das Borodin Quartet, das Nash Ensemble , Christine Schäfer, Malcolm Martineau, Pieter Wispelwey, Christianne Stotijn, Philippe Graffin, Florian Boesch, Shai Wosner, Maxim Rysanov, Ilya Gringolts und Sascha Goetzel sowie das Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra, und The Philharmonia.

Seit 2005 hat ONYX etliche prestigeträchtige Preise für seine Aufnahmen gewinnen können. Zum Beispiel 2008 den Gramophone Award für das "Elgar Violin Concerto" mit James Ehnes, The Philharmonia und Sir Colin Davis, und 2008 einen Grammy Award für die Walton, Korngold und Barber Violinkonzerte, ebenfalls mit James Ehnes. Viktoria Mullovas Veröffentlichung der Vivaldi Konzerte gewann den Diapason d?or 2005, und ihre Einspielung der Bach Sonaten für Violine und Klavier mit Ottavio Dantone den Diapason d?or 2007. 2009 erhielt Stephen Kovacevich den Editors Choice Gramophone Award für seine Beethoven Diabelli Variationen, und James Ehnes den Diapason D?or und den Choc de Classica für seine aktuelle Einspielung der 24 Capricen von Paganini.

Gründer und Eigentümer von ONYX ist Paul Moseley, der lange Jahre Senior Executive der Decca war. General Manager von ONYX ist Matthew Cosgrove, der viele Jahre Warner Classics führte und bis 2007 Head of A&R bei der Deutschen Grammophon war.


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