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Dienstag, 30. November 2021

Destination London - Kammermusik für Flöte, Viola & Cello

Hausmusik der Frühklassik


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In dieser recht uninspirierten Einspielung der dem Earl of Abingdon gewidmeten Stücke der Londoner Frühklassik, fehlen den Flötisten Hazelzet und Moonen der entscheidende Esprit und der spielerische Elan, um aus ihnen mehr als biedere Hausmusik zu machen.

Lord Willoughby Bertie, der 4. Earl of Abingdon, war ein angesehener Musikmäzen, der im London des 18.Jahrhunderts eine bedeutende Rolle als Förderer und Unterstützer internationaler Komponisten und Musiker inne hatte. Am 16. Januar 1740 in Gainsborough geboren, erhielt er seine Ausbildung in Westminster, Oxford und Genf. Mitte der 1760er Jahre reiste er für längere Zeit durch Europa, wo er unter anderem Kontakte zu vielen berühmten Musikern knüpfte. So nahm er beispielsweise bei Karl Garpard Weiß Flötenunterricht, der später in der Privatkapelle von Georg III. reüssieren sollte. Nach seiner Rückkehr nach England beteiligte er sich aktiv am dortigen Musikleben und fand durch seinen Schwager Giovanni Gallini Zutritt zu den wichtigsten Künstlerkreisen, da dieser die berühmten Bach-Abel Konzerte organisierte. Durch ihn machte er die Bekanntschaft von Carl-Friedrich Abel und Johann Christian Bach, die ihm kammermusikalische Kompositionen widmeten. Da Abingdon Zeit seines Lebens ein passionierter Querflötenspieler war, sind alle ihm gewidmeten Werke für dieses Instrument gesetzt.

Ein Ensemble um die beiden Flötisten Wilbert Hazelzet und Marion Moonen hat diese für den Earl entstandene Kammermusik auf einer bei Berlin Classics neu erschienenen CD eingespielt. Neben Kompositionen von Abel und J.C. Bach befinden sich auch ein Stück von Carl Philipp Stamitz und zwei Werke von Joseph Hayden in der Auswahl. Ein ziemliches Novum dürfte dabei vielen Kennern die Country dances von Abingdon persönlich sein. Besonders Haydn regte seine ihm in Freundschaft verbundenen Förderer immer wieder dazu an, sich selbst an kleinere Kompositionen zu wagen. So entstanden eine ganze Reihe von Werken, in denen Abingdon versuchte, die von Haydn erhaltenen Anregungen umzusetzen. Auch die hier vorliegenden Tänze können ihre Verwandtschaft mit dem Haydnschen Oeuvre nicht verleugnen, doch fehlt ihnen etwas der Einfallsreichtum und die Komplexität ihrer Vorbilder.

Allen Stücken der CD gemein ist die Besetzung für zwei Flöten, Bratsche und Violoncello. Meist in gefälligen Terzen oder einfachen Gegenbewegungen geführt, sind die dominierenden Flötenparts nicht sehr anspruchsvoll doch bestens geeignet für unterhaltsame Hausmusiken. Auch die beiden begleitenden Streicherstimmen zeichnen sich durch eher simple Formen und recht einfach zu spielende Läufe aus. Bernadette Verhagen (Viola) und Barbara Kernig (Cello) liefern eine entsprechend solide Leistung ab, doch verleihen sie den Interpretationen keine eigenen Impulse. Auch Hazelzet und Moonen wirken in ihrem Spiel merkwürdig uninspiriert, was zur Folge hat, dass viele Stücke unerwartet monoton klingen. Weder Ton noch Phrasierung bringen die Werke zum Leuchten und so können sie den Eindruck gut gemachter, biederer Hausmusik nicht überbieten. Die Dynamik ist wenig ausgefeilt, und auch die Tempi sind durchweg recht einförmig. Dies ist um so bedauerlicher, als das Programm der CD an sich sehr spannend ist und eine engagiertere Interpretation verdient hätte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Destination London: Kammermusik für Flöte, Viola & Cello

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
30.03.2007
Medium:
EAN:

CD
782124179823


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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