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Dienstag, 7. Dezember 2021

Cage, John - Werke für Cello

Cage für Liebhaber


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Friedrich Gauwerky setzt sich auf einer CD des Labels Wergo mit John Cages Werken für Violoncello solo auseinander.

Sieht man einmal von Veranstaltungen zur zeitgenössischen Musik ab, werden die Werke John Cages im Bereich des öffentlichen Konzertlebens, also im Rahmen von philharmonischen Konzerten oder Kammermusikabenden, eher selten aufgeführt. Die weite Verbreitung seines Schaffens verdankt sich vornehmlich dem Medium CD, das den unorthodoxen und häufig seltsam sperrigen Arbeiten des Amerikaners ein geduldiges Forum bietet – allerdings unter Missachtung der Aufführungssituation und deren prinzipieller Einmaligkeit. An Gesamteinspielungen für diverse Besetzungen oder Soloinstrumente fehlt es daher nicht, und Friedrich Gauwerky hat nun seinen Teil dazu beigetragen, auch das Violoncello diesem Reigen einzuverleiben.

Nur wenig mehr als fünfzig Minuten Musik bietet die Produktion des Labels Wergo – ein Wert, der angesichts des häufig frei wählbaren Zeitrahmens bei der Wiedergabe von Cages Werken etwas gering anmutet. In der Tat hätte manch eine Komposition vielleicht einer breiteren Auseinanderfaltung bedurft, allen voran das für jegliche Besetzung offene ‘Variations I’ (1958), das nur knapp zwei Minuten in Anspruch nimmt: Angesichts der vom Interpreten bestimmbaren Aufführungsdauer ist trotz der überzeugenden Materialpräsentation – auch Auswahl, Beschaffenheit und Zeitpunkt der Klangereignisse obliegen dem Musiker, der Cages grafisches Konzept erst in eine Partitur umsetzen muss – eine gewisse Tendenz zur Ruhelosigkeit bemerkbar. Diese spricht auch aus dem ‘Solo for 'Cello’, das – basierend auf der Ausarbeitung des Violoncelloparts aus Cages ‘Piano Concerto’ – meiner Ansicht nach zu wenig mit den Räumen zwischen den vorgetragenen Klängen spielt. Beide Interpretationen sind daher in gewissem Sinne symptomatisch für eine gewisse Scheu vor dem Nicht-Klang, den sie nur in sehr begrenztem Maße zulassen.

Dennoch: Gauwerky musiziert mit einer ungeheuren Konzentration, verleiht jedem noch so beiläufig erscheinenden Klang, jedem getupften Einsatz, jedem Glissando oder Bogengeräusch eine andere Nuance, was die Produktion auch wieder sehr spannend macht. Das zahlt sich vor allem im ‘Atlas Eclipticalis’ (1961) aus, der hier im Multi-Tracking-Verfahren mit zwei Violoncelli eingespielt ist – eine Interpretations-Variante, über die der Hörer im Booklet leider nichts erfährt –, macht aber auch die vier ‘Etudes Boréales’ (1978) zu einem wahren Hörerlebnis. Schade nur, dass der Begleittext von einem Cage-Apologeten wie Heinz-Klaus Metzger verfasst wurde, der mit seinen philosophischen Auslegungen die Musik zu überfrachten droht und dem Leser/Hörer nur allzu gern vorschreiben möchte, wie man diese Klänge zu hören und im Sinne von anarchischer gesellschaftlicher Sprengkraft zu deuten hat.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Cage, John: Werke für Cello

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
WERGO
1
01.03.2007
52:20
2002
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4010228669329
WER 6693 2


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WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


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