> > > Rosetti, Antonio: Partiten für Bläser Murray Verz. B2, B13, B18 & B21
Montag, 26. Juli 2021

Rosetti, Antonio - Partiten für Bläser Murray Verz. B2, B13, B18 & B21

Original-Jägermeister


Label/Verlag: Pan Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Aufnahme, die der sogenannten Alte-Musik-Bewegung nachhaltig Recht gibt. Was so unerhört gut klingt, sollte nie wieder anders gespielt werden, als ‘historisch informiert’!

Vermutlich würden mir Nikolaus Harnoncourt und Roger Norrington beipflichten: kaum ein Instrument kann so urwüchsig begeistern, geradezu euphorisieren, wie ein Naturhorn. Die vorn genannten Dirigenten setzen es ja nicht von ungefähr bevorzugt gegenüber den sonst üblichen Ventilhörnern sogar in modernen Orchesterapparaten ein, sofern es die zeitliche Einordnung der zu spielenden Literatur zulässt (NB: auf jeden Fall bis zu Beethoven, manchmal gar bis Wagner!).

‘À la chasse – Harmoniemusik from Wallerstein’ heißt die neue Platte des Amphion Bläserensembles, erschienen beim Label ‘Pan Classics’. Das Finale der an den Anfang gestellten Partita in F-Dur ist, den Titel stiftend, programmatisch mit Allegro a la chasse überschrieben. Und hier kann man die zuforderst beschriebene klangliche Besonderheit der Naturhörner par excellence genießen. Das knattert und kracht, dass es eine wahre Freude ist. Nun sind die drei Hornisten des Basler Ensembles nicht nur hervorragende Instrumentalisten, sondern auch ausgesprochen sensible Musiker und verwöhnen den Hörer auch mit delikat und elegant geblasenen Passagen, beispielsweise im Trio zum Menuett der schon angesprochenen Partita. Elegische Klarinettenkantilenen sind ja schon so etwas wie paradigmatisch für Harmoniemusiken, dennoch wäre es hier ob ihrer exquisiten Klasse sträflich, sie nicht wenigstens zu erwähnen. Prima inter pares, ihrer hörbaren Führungsqualitäten und der ungekünstelten Verzierungen wegen, ist Xenia Löffler. Ihr Oboenspiel ist blutvoll und sie gestaltet packend und musikalisch zwingend.

Die CD ist ausnahmslos dem Schaffen für großbesetzte Bläsermusik des Mozart-Zeitgenossen Francesco Antoino Rosetti gewidmet. Drei von vieren der hier eingespielten Partiten sind Weltersteinspielungen. Das Booklet gibt, wenn auch in kargem Layout, hinreichend Auskunft über den Komponisten, vielleicht sind die Werkeinführungen doch etwas trocken geraten. Rosetti ist in der Tat einfallsreich und vor allem ein echter Könner, gerade wenn er für Bläser schreibt. So gibt er jedem der Instrumente regelmäßig Gelegenheit, sich solistisch zu präsentieren. Insofern handelt es sich um echte Bravourstücke für das junge Ensemble Amphion, eine Paradevereinigung unter den Bläsergruppierungen. Besonders und (leider) immer noch ungewöhnlich – die Musiker, zum Teil echte Szene-Stars wie Xenia Löffler, Christian Leitherer oder Václav Luks, spielen alle auf Originalinstrumenten (oder deren Kopien) aus der Zeit um 1800. Das ist nicht nur authentisch, historisch korrekt und musikalisch sinnvoll, sondern, wie in diesem Fall, schlicht und einfach im klanglichen Ergebnis dermaßen gut, dass die museale Komponente nur Beiwerk bleibt. Das, was nämlich so überzeugt, ist eine beinahe draufgängerische Musizierlust, die mit ihrer Risikofreude zwar die ein oder andere Intonationstrübung in Kauf nimmt (leider am Ende des Andante ma Allegretto der zweiten F-Dur-Partita allzu störend in den Oboen); auch nicht immer einhellig gesetzte Tuttiakkorde ließen sich verzeichnen. Alles in allem aber gelingt den Amphion-Bläsern eine mehr als respektable Aufnahme, die eindeutig Lust auf weitere macht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rosetti, Antonio: Partiten für Bläser Murray Verz. B2, B13, B18 & B21

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Pan Classics
1
01.02.2007
Medium:
EAN:

CD
7619990101944


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Pan Classics

Gegründet 1992 vom Musikhaus Pan in Zürich, wurde das Label 1997 von den Tonmeistern Clement Spiess und Koichiro Hattori übernommen. 2011 entschloss man sich zu einem radikalen Neuanfang: Der umfangreiche Katalog wurde gelichtet und die verbliebenen Aufnahmen erhielten ein neues, attraktives Erscheinungsbild. Den CDs wird so ein unverwechselbares Äußeres mit einem hohen Wiedererkennungswert verliehen. Geblieben sind dagegen die Vorliebe für außergewöhnliches Repertoire und der Anspruch, mit renommierten Musikern und Ensembles einen künstlerisch hochwertigen Katalog zu schaffen. Zu diesen Künstlern zählen Namen wie die Hammerklavier-Spezialisten Edoardo Torbianelli und Arthur Schoonderwoerd, der Tenor Jan Kobow u.v.a.


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