> > > Bax, Arnold: Violinsonaten Nr. 1 & 3
Montag, 17. Mai 2021

Bax, Arnold - Violinsonaten Nr. 1 & 3

Entdeckungsfreude höchstem Niveau


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Naxos bringt eine rundum gelungene Einspielung der Violinsonaten Nr. 1 und 3 von Arnold Bax mit dem Geiger Laurence Jackson und dem Pianisten Ashley Wass auf den Markt.

Das Schaffen des britischen Komponisten Arnold Bax (1883-1953) schlummert hierzulande weitgehend am Rande der öffentlichen Aufmerksamkeit vor sich hin und taucht leider viel zu selten auf den Konzertprogrammen auf. Befasst man sich allerdings näher mit der entsprechenden Musik, wird man diese Lücke wahrscheinlich als höchst bedauerlich empfinden. Glücklicherweise erscheinen beim Label Naxos seit geraumer Zeit immer wieder Produktionen mit unterschiedlichsten kammermusikalischen und sinfonischen Werken aus dem umfangreichen Schaffen von Bax, was eine kostengünstige Annäherung ermöglicht. Ganz aktuell betrifft dies eine CD mit den Sonaten für Violine und Klavier Nr. 1 und Nr. 3, interpretiert vom Geiger Laurence Jackson und dem Pianisten Ashley Wass.

Bax’ Violinsonaten wurden in der Vergangenheit mehrfach eingespielt: Die Gesamtaufnahme mit Lydia Mordkovitch und Gerhard Oppitz (Chandos 1989) etwa dürfte zwar weiterhin Maßstäbe setzen, ist aber längst nicht mehr erhältlich, so dass man heute zur neuen Einspielung mit Robert Gibbs und Mary Mei-Loc Wu (Asv 2001) greifen muss, wenn man an allen Werken interessiert ist. Die Naxos-CD bringt, wie weitere im Handel befindliche Einspielungen auch, nicht alle Sonaten, sondern beschränkt sich auf die erste und dritte. Allerdings – und dies macht den besonderen Repertoirewert aus – kann der Hörer hier erstmals neben der vom Komponisten 1920 und 1945 überarbeiteten Version der ersten Sonate (1910-15) den dritten und vierten Satz in der viel längeren Ursprungsfassung hören und so in der Tat ein völlig anderes Werk kennen lernen. Überrascht hat mich dabei jedoch nicht nur der aufschlussreiche Vergleich der beiden Versionen, die man durch entsprechende Programmierung des CD-Players hintereinander hören kann, beeindruckt hat mich vor allem auch die Aufnahme selbst mit ihrer exzellenten Umsetzung der Kompositionen. Hier wird durchgehend auf technisch und musikalisch höchstem Niveau musiziert, was ich zumindest in Bezug auf Kammermusik bislang bei Naxos eher selten angetroffen habe.

Jacksons wandlungsfähige Tongebung und das klangvolle, differenzierte Spiel von Wass sind bis in die feinen Details aufeinander abgestimmt und lassen die Musik förmlich atmen. Die Präzision des Zusammenspiels, die in den rhythmisch komplexen Teilen wie dem Mittelsatz aus der Endfassung der ersten Sonate, aber auch in der Kunst der feinen Übergänge in deren Kopfsatz zum Zuge kommt, vermag ebenso zu begeistern wie die Nachzeichnung jener ständigen Stimmungswechsel, die den rhapsodische anmutenden Kopfsatz der zweiten Sonate bestimmen. Und der Facettenreichtum, den beide Musiker im partnerschaftlichen Dialog an den Tag legen ist beachtlich, reicht von fast sentimentalen Momente mit schmachtendem, warmen Gesang und zart perlenden Klavierarpeggien, bis zu jener Gegenüberstellung äußerster klanglicher Härte und atmosphärisch gehauchter Stellen, mit denen im zweiten Satz der späteren Sonate einem gestreuten Spektrum kontrastierender Ausdrucksbereiche Rechnung getragen wird.

Abgerundet wird die Produktion durch einen informativen Booklettext, der das Verständnis für die Musik deutlich vertiefen kann und zudem über die Geschichte der Umarbeitung und die Entstehung der endgültigen Version von Sonate Nr. 1 informiert. Wirklich schön wäre es, wenn Jackson und Wass nun auf dem selben hohen Niveau auch noch eine weitere CD mit der zweiten Sonate sowie mit der nicht nummerierten Violinsonate von 1928 nachlegen und somit eine neue, aktuellere Gesamteinspielung der Sonaten für Violine und Klavier von Arnold Bax vorlegen würden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bax, Arnold: Violinsonaten Nr. 1 & 3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
02.01.2007
Medium:
EAN:

CD
747313254026


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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