> > > Wagner, Richard: Siegfried
Dienstag, 20. August 2019

Wagner, Richard - Siegfried

Bei den Helden poltert's


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mögen die Requisiten auch mitspielen, mögen Blechdosen und Helme purzeln - Lothar Zagrosek legt bei NAXOS einen sehr interessanten und hörenswerten Siegfried vor.

Es ist schon so eine Sache mit den Live-Aufnahmen von Opern, denn man hört nicht nur die Musik, die Sänger und das Orchester, sondern eben alles, was mit dem wirklichen Bühnenereignis zusammengehört: Fallende Helme, rumpelnde Chöre, knarrzend sich bewegendes Bühnenbild, kämpfende Protagonisten. Das wirkt zuweilen – da die visuelle Ebene fehlt – durchaus amüsant. Auch in der beim Label Naxos erschienene Aufnahme klappert und poltert und kracht es nicht ganz wenig. Man kann ganz wunderbar verfolgen und sich in seiner Phantasie ausmalen, was denn Mime gerade tun mag, wenn es da so präsent poltert. Neugierig macht insbesondere jenes geheimnisvolle Instrument, das den sonst üblichen Amboss ersetzt haben mag – hier klingt es eher wie eine veritable Ravioli-Dose aus der Mime ein Schwert schmiedet. Diese Kleinigkeiten stören aber keineswegs die Freude an der Aufnahme – die Aktivität der Inszenierung, die offensichtlich so manches hat fallen lassen, überträgt sich in vielen Szenen auch beim Hören.

Gerade die erste Szene ‘Zwangvolle Plage! Müh´ ohne Zweck!’ birst beinahe vor theatraler Kraft und Aktion. Heinz Göhrig ist ein schlicht großartiger Mime. Er versteht es, auf kleinstem Raum die Stimme immer wieder anders zu färben, man weiß nie genau woran man ist und ob man seinem Mime trauen sollte oder sich besser vor ihm zu hüten hat. Wie Göhrig mit großer Freundlichkeit und zarter Stimmgebung eine Phrase beginnt, um fast bruchlos in garstiges Poltern umzuschwenken, das ist wirklich enorm. Etwas gefährlich nah an der Karikatur hingegen wirkt der Beginn der zweiten Szene, in welcher der Wanderer auf Mime trifft. Wieder fällt einiges zu Boden – natürlich ausgerechnet während der schönsten Kantilenen des Wanderers. Ein unglücklicher Zufall auch, dass des Wanderers Bericht vom Wohnsitz der Götter auf wolkiger Höhe begleitet wird von einem polternden Helm o.ä. Weitaus störender als das Geklapper der Requisiten jedoch ist hier das beängstigend übertriebene Vibrato des Wanderers (Wolfgang Schöne) – Textverständlichkeit, sollte diese angestrebt werden, ist hier hintangestellt.

Jon Fredric West gibt einen sehr sicheren und versierten Siegfried – unbedingt zu loben ist die klare Diktion; große Teile des Textes sind durchaus verständlich und man ahnt, dass dies auch während des Theaterabends im Stuttgarter Opernhaus so gewesen sein könnte. Auch das übrige Ensemble ist durchweg sehr gut besetzt: Der mächtig sonore Fafner (Attila Jun) hat in Gabriela Herreras Waldvogel-Partie ein lyrisches und zartes Pendant. Zur fast durchgehend guten Verständlichkeit des Textes – eine Ausnahme wurde geschildert – trägt natürlich auch die eher zurückhaltend zu nennende Begleitung des Staatsorchesters Stuttgart unter der Leitung von Lothar Zagrosek bei. Hier jedoch war offensichtlich die Aufnahmetechnik an ihre Grenzen gekommen, denn der Klang des Orchesters ist doch zu häufig etwas matt und dumpf. Den zahlreichen dunklen, fast knorrzigen Einsätzen der Fagotte kommt dies zwar sehr gelegen, doch einige fulminante Orchesterausbrüche hätte man sich doch mit etwas mehr Brillanz und Durchschlagskraft gewünscht. In den Stellen ohne Sänger ist naturgemäß mehr von den erstaunlichen Möglichkeiten des Orchesters zu hören. Auf dieser Ebene bleibt die Aufnahme eher ein interessantes Tondokument – zu viele brillante und ausgewogenere Aufnahmen müssten dann den Vorzug haben – es ist aber dabei nicht zu vergessen, das es sich hier um einen Live-Mitschnitt handelt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Gordon  Kampe Kritik von Gordon Kampe,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Wagner, Richard: Siegfried

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
4
02.01.2007
Medium:
EAN:

CD
730099617529


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Dirigent(en):Zagrosek, Lothar


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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