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Sonntag, 24. September 2023

Buxtehude, Dietrich - Das Orgelwerk

Buxtehude bemerkenswert farbenreich - beispielhaft!


Label/Verlag: Ricercar
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese CD-Box ist ein gewichtiger Beitrag zum Buxtehudejahr 2007, eine optimal präsentierte, erstklassige Aufnahme wunderbarer Orgelmusik.

Nach seiner von der Kritik viel gelobten Gesamteinspielung der Orgelwerke Johann Sebastian Bachs legt Bernard Foccroulle nun ein 5 CD-Set mit den Orgelkompositionen des heurigen Jubilars Dieterich Buxtehude vor. Sie haben richtig gelesen: ‚Dieterich’ hält die aktuell weltweit führende Buxtehude Expertin und Biographin Kerala Johnson Snyder für die korrekteste Schreibweise des Vornamens. Belgiens vielseitiges Aushängeschild auf dem Gebiet der Musik, der Komponist, Opernintendant und eben auch Organist Bernard Foccroulle liefert einen der bleibenden und ohne jeden Zweifel hervorragendsten Beiträge zum Jubiläumsjahr – das lässt sich sogar schon jetzt sagen, nachdem nur knapp ein Vierteljahr vergangen ist.

Mit bisweilen spektakulärem Erfolg bemüht sich der Organist um eine möglichst farben- und kontrastreiche, mithin spannende und abwechslungsreiche Wiedergabe der Werke Buxtehudes, ob es sich nun um Choralbearbeitungen, freie Präludien oder die großen Variationenwerke handelt. Als klug und äußerst glücklich erweist sich dabei die Instrumentenwahl: Foccroulle spielt auf berühmten Orgeln in der norddeutschen Barocktradition, wobei er durch die Wahl von fünf Orgeln in vier Nationen (2 x Niederlande, je 1 x Schweden, Dänemark und Deutschland) Buxtehudes Internationalität und den ‚synthetischen’ Charakter von Buxtehudes Kunst betont. So ist hier unter anderem die berühmte Arp Schnitger-Orgel von St. Ludgeri in Norden zu hören, dann die Orgel in der Martinikirche in Groningen/NL, erbaut vom gleichen Meister. Nicht bekannt waren mir bislang die Lorentz-Frietzsch-Orgel von St. Mariae in Helsingor/DK (ein veritables Buxtehude-Denkmal, zumal der Komponist zeitweilig dort wirkte!), die Grönlunds-Orgel der Stockholmer St. Gertruds-Kirche und die Thomas-Orgel von St. Katharina in Hoogstraten/NL. Allen diesen Instrumenten ist gemein, dass sie eine schier unerschöpfliche Registerpalette bieten und der in den skandinavischen Raum hinein wirkenden niederländisch-norddeutschen Tradition verpflichtet sind.

Ein Feuerwerk an Virtuosität, Klangpracht und Klangfarbenzauber entfacht Foccroulle insbesondere in jenen Werken, die dem Stylus phantasticus verpflichtet sind, also den mehrteiligen, groß angelegten Präludien, in denen fugierte Abschnitte eingearbeitet sind. Foccroulle behandelt diese Werke sehr theatralisch und mit dramatischem Gespür – das kommt ihnen sehr zugute und lässt jeden Anflug nordischer Steifheit weichen: Buxtehude ist ein Meister der barocken Varietas, liebt Überraschungen und unerwartete Wendungen. Obwohl in diesen Werken so viel an Symbolik und zum Teil noch gänzlich unergründeten Tiefenschichten liegt, klingt sie niemals nur konstruiert.

Ganz besonders ausführlich sind die Booklettexte, alle Orgeln werden mit Disposition und Foto präsentiert, bei allen Werken ist detailliert die Registrierung angegeben, sogar ein Register zu Buxtehudes Orgelwerken ist angefügt, die Gestaltung der CD-Box ist besonders geschmackvoll und gediegen – kurzum die Präsentation ist schlichtweg sensationell gelungen, ein Beispiel, wie man es machen kann.

Erstklassig ist im übrigen auch das Klangbild – diese CD-Box, die zu einem vergleichsweise günstigen Preis zu haben ist, gehört in jedes Plattenregal, ist nicht nur etwas für Orgelfans und Barockfetischisten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dr. Franz Gratl Kritik von Dr. Franz Gratl,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Buxtehude, Dietrich: Das Orgelwerk

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ricercar
5
01.01.2007
Medium:
EAN:

CD
5400439002500


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Ricercar

Von Haus aus Musikwissenschaftler und Gambist (und hier immerhin Schüler von Wieland Kuijken), gründete der Belgier Jérôme Lejeune 1980 sein Label RICERCAR, das schnell zu einem der wichtigsten im Bereich der Alten Musik wurde. Das war nicht nur durch die musikwissenschaftliche Arbeit Lejeunes nahe liegend, sondern auch dem Umstand geschuldet, dass Belgien von je her zu den führenden Nationen im Bereich der historischen Aufführungspraxis gehörte. Die Künstler, die für RICERCAR aufnehmen bzw. aufgenommen haben, lesen sich ohne Übertreibung wie das Who-is-Who der Alten Musik-Szene: Hier machte zum Beispiel Philippe Herreweghe genauso seine allerersten Aufnahmen wie das Ricercar Consort, Jos van Immerseel oder Mark Minkowski (sowohl als Fagottist als auch als Dirigent). Zu den Künstlern und Ensembles, die derzeit dem Label verbunden sind, gehören so prominente Namen wie der Organist Bernard Foccroulle, die Sopranistin Sophie Karthäuser sowie die Ensemble La Fenice und Continens Paradisi. Nach wie vor bietet Lejeune dabei jungen Künstlern und Ensembles eine künstlerische Plattform und er beweist dabei stets ein besonders glückliches Händchen. Viele der nicht weniger als 250 Aufnahmen, die hier veröffentlicht wurden, waren klingende Lektionen in Musikgeschichte, die in mehrteiligen Reihen solche Themen wie Bach und seine Vorgänger, die franko-flämische Polyphonie oder Instrumentenkunde behandelten und so etwas wie zu einem Markenzeichen des Labels wurden. Das erstaunliche dabei war auch, dass nahezu alle Produktionen des Labels von Lejeune sowohl wissenschaftlich als künstlerisch und technisch betreut wurden.


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