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Montag, 17. Dezember 2018

Marx, Joseph - Orchesterwerke

Musik ohne Zwangsjacke


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die üppigen Klanggemälde des Österreichers Joseph Marx befinden sich bei Johannes Wildner und dem RSO Wien in besten Händen.

Vor gut 50 Jahren veröffentlichte der Wiener Musikschriftsteller Alois Melichar sein Pamphlet 'Musik in der Zwangsjacke'. Darin greift er zwei der seinerzeit bekanntesten Komponisten, Carl Orff und Arnold Schönberg, scharf an. Orff ist für Melichar ein primitiver Strawinsky-Imitator ohne jede Begabung, Schönberg bezeichnet er als mittelmäßigen Wagnerianer, der das musikalische Handwerk nicht beherrscht. Auch andere Vertreter der Moderne, namentlich Rolf Liebermann und Josef Matthias Hauer, werden von Melichar attackiert. Solch bittere Polemiken lesen sich heute teils befremdlich, teils vergnüglich – in vielen Punkten irrte sich ihr Verfasser, in anderen muss man ihm nachträglich recht geben.

Und es gibt auch Komponisten, vor denen Melichar den Hut zieht: Joseph Marx (1882 – 1964) beispielsweise, ein heute weitgehend vergessener Name, ist für den Autor 'der Musiker mit dem feinsten inneren Ohr für tonal-funktionale Schwebungen und Nuancen [...], ein harmonischer Auskultator non plus ultra'. Damit ist ein wesentlicher Punkt von Marx´ Musik charakterisiert: Sein bei aller harmonischer Flexibilität unbeirrtes Festhalten an der Dur-Moll-Tonalität, auch als diese längst aus der Mode gekommen war. Die drei hier von Johannes Wildner und dem Radio-Symphonieorchester Wien vorgestellten Werke zeigen Marx in der Nähe von Richard Strauss und Gustav Mahler, zumindest formal schien er der Tondichtung dabei eher zugeneigt zu sein als der Symphonie. Im Jahr 1925 entstanden 'Eine Frühlingsmusik' und die 'Idylle', 21 Jahre später schrieb Marx die 'Feste im Herbst'.

Die Titel der drei Werke legen es nahe, hier von Programmusik zu sprechen. Doch über vage Assoziationen hinaus reicht das Programm nicht. Gewiss könnte man etwa die 'Frühlingsmusik' als heiter, munter oder frisch bezeichnen. Aber ihre musikalische Aussagekraft hat sie auch ohne den Titel. Wildner begreift das Werk als rauschendes Klanggemälde, in dem die Streicher nach Herzenslust schwelgen dürfen. Auch Harfe und Holzbläser wurden von Marx reich bedacht, die ganze Partitur hindurch glänzt und schillert es. Die farbige Instrumentenpallette ist jedoch nur eine Seite des Stückes, die andere ist die bereits von Melichar gelobte Harmonik. Das RSO Wien verfügt über die erforderliche Sicherheit, um in die harmonischen Tiefen des Werkes einzudringen. Hört man diese packende, auch klanglich geglückte Interpretation, dann wird es zum Rätsel, warum Marx´ Stücke in Vergessenheit geraten konnten. Gewiss, es handelt sich um romantische Musik, die nicht verstören oder aufrütteln will. Doch von ihrer Substanz her ist die 'Frühlingsmusik' ein erstklassiges Werk, das hier in einer kaum weniger erstklassigen Einspielung vorliegt.

Dies wird auch beim Blick auf die 'Idylle' deutlich, einem merklich schwächeren Stück. Das im gleichen Jahr wie die 'Frühlingsmusik' entstandene Werk verfügt nicht über deren Strahl- und Aussagekraft. Trotz vieler gelungener Passagen (etwa der zarte Beginn der Klarinette) fehlt hier ein wenig die Schlüssigkeit. Hervorzuheben ist erneut die Leistung der Holzbläser, die Marx offenbar sehr am Herzen lagen. Auch die 'Idylle' stellt sie vor viele dankbare Aufgaben, die von den Musikern des Wiener Orchesters gerne angenommen werden. Wildner ist bemüht, den leider gelegentlich anzutreffenden Leerlauf mit einem straffen Tempo zu kaschieren.

Mit der 'Feste im Herbst' erreicht Marx dann wieder das Niveau der 'Frühlingsmusik', das 1946 entstandene Werk dürfte im Umfeld der Nachkriegs-Avantgarde hoffnungslos anachronistisch gewirkt haben. Der heutige Hörer kann sich dem Stück unbefangener nähern und wird feststellen, dass die genannten Vorzüge auch hier anzutreffen sind. Aus der abwechslungsreichen Instrumentation ragen Klavier und Celesta als raffinierte Farbtupfer heraus. Die österreichischen Musiker halten hier das hohe interpretatorische Niveau aus den beiden vorangegangenen Werken. Als letztes vollendetes Werk des Komponisten – der es, Sibelius vergleichbar, am Ende seines Lebens vorzog zu schweigen – bildet die 'Feste im Herbst' einen gelungenen Abschluss dieser bemerkenswerten Marx-CD.

Noch ein Wort zum Vorwurf des Ekklektizismus. Marx war sicherlich kein bahnbrechender Neutöner, er stand in der Tradition der deutsch-österreichischen Symphonik. Von wem er in seinen Werken Impulse empfing, darüber ließe sich wohl ein ganzes Buch schreiben. Wichtiger erscheint mir jedoch die handwerkliche Souveränität und Ehrlichkeit seiner drei hier vorgestellten Werke. Ohne Zweifel handelt es sich um konservative Musik, dies aber im besten Sinne des Wortes. Wildner und das RSO Wien legen mit dieser CD ein eindrucksvolle Plädoyer für einen Spätromantiker vor, dessen Oeuvre – nachdem es jahrelang vernachlässigt wurde – allmählich die verdiente Würdigung erfährt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Marx, Joseph: Orchesterwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.09.2008
EAN:

761203732029


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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