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Donnerstag, 21. März 2019

Morricone, Ennio - Leben und Legende

Der bescheidene Gigant


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine wahre Sternstunde aus der Philharmonie im Gasteig, die sicher einst historischen Wert haben wird.

Lebende Legenden lassen sich manchmal nur ungern blicken, mögen sie auch zu den Besten, Erfolgreichsten, Erfahrensten, aber auch Integersten ihrer Branche gehören. So hat es Jahres gedauert, bis sich Filmmusik-Superstar Ennio Morricone auf das Konzertpodium wagte, um seine Musik selbst zu dirigieren. Das Rampenlicht scheute der Maestro lieber und eine Rampensau ist er ohnehin nie gewesen. Der Schöpfer von über 400 Filmmusikpartituren hat sich seinen mehr als verdienten Superstarstatus am Schreibtisch erarbeitet und als er am 20. Oktober 2004 im Münchener Gasteig das Dirigentenpult betrat, um mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und dem Münchner Rundfunkorchester ein Programm eigener Filmmusiken zu dirigieren, zeigte sich dem Publikum ein geradezu introvertierter Maestro, ein fast scheuer Meister seines Fachs. Der bescheidene großbebrillte Gigant möchte so gar nicht in das Schema des entrückten Künstlers passen. Der Live-Mitschnitt des Konzerts ist nun auf DVD erschienen.

Sternstunde im Gasteig

Das Filmische liegt den Morricones offenbar im Blut, und so hat sich Giovanni Morricone um die Regie dieses Konzerts im Münchener Gasteig gekümmert. Er tut dies schnörkellos, ohne von der Musik ablenkendes Beiwerk – volle Punktzahl! Ab und an werden der eine oder andere Ausschnitt aus den Filmen, deren Musik gerade erklingt, eingeblendet. Ansonsten darf sich das Auge des Betrachters und das Ohr des Hörers ganz auf das Geschehen im Konzertsaal und die fünf umfangreichen Suiten konzentrieren, die Ennio Morricone zusammengestellt hat. Natürlich darf Morricone es sich nicht nehmen lassen, viel Bekanntes zu präsentieren. Allen voran freilich ‚Spiel mir das Lied vom Tod’, ‚Es war einmal in Amerika’, ‚Zwei glorreiche Halunken’. Diese musikalischen Blockbuster stehen jedoch weniger im Vordergrund als man meinen könnte. Das Konzert, so war es geplant, sollte ein möglichst breites Spektrum der Arbeiten des Maestros bieten. Unter den Titeln ‚Lose Blätter’ und ‚Engagierter Film’ fasst Morricone Musik aus so gut wie unbekannten Filmen zu zwei Suiten zusammen. Gerade diese Musik zu cineastischen Nicht-Kassenschlagern macht den Reiz dieses Konzerts aus.

Und da steht er nun, der Bescheidene, dirigiert mit knapper Geste seine eigene Musik. Das eigentliche Feuer entzündet sich in Morricones dickbebrillten Augen. Kaum hat er den Taktstock gehoben, ist die Introvertiertheit nur äußerer Schein, denn während der Maestro hoch aufmerksam dirigiert, entsteht die Musik im Augenblick des Erklingens. Das Publikum zumindest scheint überwältigt zu sein von diesem Mann, der dort vorne steht und aus dem all diese Musik herauskommt. Als ob es jahrelang unter Morricones Leitung spielte, setzt das Münchner Rundfunkorchester die Klangpanoramen des Komponisten so facettenreich, so klangschwelgerisch um, mit interpretatorischer Gedankentiefe, die angesichts von Filmmusik leider immer noch viel zu selten bei Orchestern waltet. Das Picassohafte Morricones, das Matthias Keller, der den Komponisten nach München holte, im Begleitheft beschwört und damit das Gespür für das knapp skizzierte Auf-Den-Punkt-Bringen der Essenz der filmischen Handlung meint, eben jenes Picassohafte Farben- und Formenspiel wird vom Münchner Rundfunkorchester mit äußerster Stringenz umgesetzt. Da gewinnen die diversen Stimmungen der Stücke, nicht zuletzt auch durch die hervorragenden Gesangs- und Instrumentalsolisten, an Charakter und Kontur, da beginnt die Musik sich endgültig vom wohlvertrauten Filmbild zu lösen und eigenständige, absolute Musik zu sein. Wenn dann noch der Chor des Bayerischen Rundfunks einsetzt und rund und homogen und mit überwältigender Klangpräsenz sich zum Orchester hinzu gesellt, ist Gänsehaut durchaus garantiert. Das Publikum jedenfalls hielt es am Ende nicht mehr auf den Stühlen: Standing Ovations für einen wahren Könner seines Fachs. Geneigte Leserin, geneigter Leser, wenn Sie bislang noch wenig Interesse an Morricones Musik hatten, mit dieser DVD wird sich das ändern. Nicht allein auch deshalb, weil diese mit einer überbordend tiefendynamisch ausbalancierten Klangqualität aufwartet und ein opulentes Klangbild entwirft. Eine wahre Sternstunde aus der Philharmonie im Gasteig, die sicher einst historischen Wert haben wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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    Morricone, Ennio: Leben und Legende

Label:
Anzahl Medien:
EuroArts
1
EAN:

880242546982


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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