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Mittwoch, 21. November 2018

Rathgeber, Valentin - Augsburgisches Tafel-Confect

Fränkischer Humor


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Um den Bendedikterpater Valentin Rathgeber, ursprünglich Mönch im oberfränkischen Kloster Banz, ranken sich viele Legenden und Mythen.

Um den Bendedikterpater Valentin Rathgeber, ursprünglich Mönch im oberfränkischen Kloster Banz, ranken sich viele Legenden und Mythen. Da ist die Rede von seiner unerlaubten Reise durch halb Europa und seiner während dieser Zeit regen Tätigkeit als Publizist unterhaltsamer Lieder. In den letzten Jahren wurde diese schier unglaubliche Lebensgeschichte oft hinterfragt, und schließlich bleibt von dem hitzigen und lebenslustigen Klosterbruder nicht mehr so viel übrig; im Gegenzug schärft sich das Profil eines sehr geschäftstüchtigen Ordensmannes.

Mit einer Auswahl der dreiteiligen Sammlung ‘Ohrenvergnügendes und Gemüthergötzendes Tafel-Confect & Concertos’ (1733 und 1737) macht uns nun das immer wieder neue Repertoire-Sparten erschließende Label cpo mit diesen heiteren Werken bekannt. Einmal mehr entstand diese Produktion als eine Zusammenarbeit mit einer der deutschen Rundfunkanstalten, hier mit dem Bayerischen Rundfunk, Studio Franken. Das hochgeschätzte Ensemble ‘Das Neu-Eröffnete Orchestre’ unter der Leitung von Jürgen Sonnentheil zeichnet für den instrumentalen Part verantwortlich, während das vierköpfige Solisten-Ensemble canto tanto den Vokalpart übernimmt.

Ohrenvergnügend

Den Eingang macht ein recht kurzweiliges ‘Concerto’ für zwei Trompeten, zwei Violinen und Basso continuo. Die beiden Trompeter meistern ihren Part sehr leicht und beweglich. Vor allem der Ensembleklang besticht in diesem kurzen Stück: Das Neu-Eröffnete Orchestre spielt federleicht und beschwingt, ohne auf äußere Effekte zu setzen, wie das leider bei Ensembles mit historischen Instrumenten immer öfters zu hören ist. Jürgen Sonnentheil lässt diese Musik munter vor sich hin fließen, ohne ihr etwas aufsetzen zu wollen. Die Balance des Ensembles ist sehr ausgeglichen, auch die beiden Trompeter stechen nicht durch spitze Tongebung aus dem Klang heraus, sondern treten nur leicht durch ihren konzertierenden Part hervor.

Gemüthergötzend

Die folgenden Gesangsnummern sind so leicht bekömmlich, wie ihre Titel schon andeuten, beispielsweise ‘Die Beschwerlichkeiten des Ehestandes’ oder ‘Der herrische Riepel’. Die je Nummer wechselnde Vokalbesetzung erfüllt diese dialektal eingefärbten Verse mit Witz und humoristischen Abtönungen. Allerdings könnte man sich z.B. von der Sopranistin Monika Frommer manchmal etwas mehr jugendliche frische wünschen. Ihr Sopran klingt stellenweise etwas zu gesetzt; einzelne Textstellen könnten durchaus noch drastischer realisiert werden. Positiv fällt einmal mehr der Bass Peter Kooij auf, der mittlerweile ja schon zu den alten Hasen seines Fachs gerechnet werden darf. Allerdings gelingt es ihm am besten, die Textinhalte durch ständig wechselnde Schattierungen der Stimme deutlich zu machen. Diese besonders an Bachs Kantaten geschulte Interpretationsweise setzt er hier überzeugend ein, um die Pointen schmunzelnd zu unterstreichen. Die Altistin Christa Bonhoff und der Tenor Dantes Diwiak machen ihre Aufgabe gut, letzterer besonders in ‘Amor vincit omnia’.

Allgemein gelingen dem Ensemble besonders jene Stücke am besten, die nicht in ihrem Gestus nicht so volkstümlich wirken, z.B. in ihrer einfachen Melodieführung und dem schnellen Wechsel der ‘Sprecher’. Die Nummern, in denen Rathgeber den ‘hohen Stil’, z.B. Da-Capo-Arien parodiert, sind zudem musikalisch ausgefeilter als strophische Lieder.

Alles in allem jedoch eine recht kurzweilige Produktion, die einen leeren Fleck der musikalischen Landkarte mit kräftigen Farben füllt. Unterhaltungsmusik des 18. Jahrhunderts – vor allem für das Musizieren zu Hause gedacht – kann kaum leichter und witziger Ausfallen. Jürgen Sonnentheil und sein vortreffliches Neu-Eröffnetes Orchestre zeigen sich wieder einmal von ihrer besten Seite: angenehm fließende Tempi, dynamische Differenzierung, tänzerischer Charakter, tadellose Ensembleleistung. Positiv zum Gesamteindruck trägt zudem eine recht transparente klangliche Realisierung bei, außerdem ein interessanter Einführungstext plus alle Gesangstexte im Booklet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rathgeber, Valentin: Augsburgisches Tafel-Confect

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
cpo
1
20.08.2005
77:42
2003
EAN:
BestellNr.:

0761203999521
999 995-2


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Rathgeber, Valentin
 - Concerto in D major -
 - Rätzel -
 - Die Beschwerlichkeiten des Ehestandes -
 - Fratres exultate -
 - Die herrische Riepel -
 - Von einem Politico -
 - Summirum Summarum -
 - Die Bettelzech -
 - Concerto in C major -
 - Amor vincit omnia -
 - Der Liebhaber des Gelds, des Weins, des Frauenzimmer -
 - Vom Rauch- und Schnupf-Taback -
 - Die gute und böse Ehe -
 - Von allerhand Nasen -
 - Reim dich oder ich friß dich -


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Dirigent(en):Sonnentheil, Jürgen
Orchester/Ensemble:Das Neu-Eröffnete Orchestre


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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