> > > Schumann, Georg: Klavierwerke
Montag, 23. Mai 2022

Schumann, Georg - Klavierwerke

Individuelle Lösungen


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Münchner Klaviertrio widmet sich Georg Schumanns Klaviertrios mit sehr engagiertem Spiel und in ausgezeichneter Balance der Stimmen.

Klaviertrios des frühen 20. Jahrhunderts von Komponisten aus der zweiten Reihe, vielleicht sogar aus der dritten – für das Label cpo langsam Standartrepertoire. Manches Mal mögen es auch Quartette sein, jedenfalls beweisen diese Platten regelmäßig, dass in der Kammermusik dieser Zeit nicht nur viel bislang Unerhörtes schlummert, sondern dass es außerdem offenbar ein heute in seiner Gesamtheit völlig vergessenes intensives Bemühen um neuartige Ausdrucksmöglichkeiten abseits der avantgardistischen Strömungen gegeben hat. Damit sind nicht einzelne Komponisten in Vergessenheit geraten, sondern eine ganze musikgeschichtliche Strömung, die zwischen den Polen Pfitzner und Schönberg verblasst ist. Ob sie nun Juon heißen, Dohnányi, Marx, Graener oder Enescu – sie alle haben, mehr oder weniger, Teil gehabt an diesen Bemühungen, mal etwas konservativer, mal innovativer. Einige dieser Vertreter gelangten dabei zu bemerkenswerten individuellen Lösungen, die bei cpo in vorbildlichen Produktionen veröffentlicht wurden. Und es gibt weitere, die das Label bislang nicht neu belebt hat.

Georg Schumann wird nun mit seinen beiden Klaviertrios in diese Folge eingereiht, wieder in einer im Grunde tadellosen Produktion. Vorgestellt werden die Werke durch das Münchner Klaviertrio; die Aufnahmen entstanden vor genau einem Jahr in Berlin. Michael Arlt, Gerhard Zank und Donald Sulzen widmen sich den Werken mit sehr engagiertem Spiel und in ausgezeichneter Balance der Stimmen. Sehr schön ziehen sie den Spannungsbogen über die beiden Trios, die mit jeweils gut 35 Minuten ziemlich umfangreich sind.

Beide Werke, komponiert 1900 und 1915, stehen in der Tonart F-Dur und haben auffälligerweise einige weitere Gemeinsamkeiten. Georg Schumann beginnt in beiden Fällen nicht mit einem griffigen Hauptthema, sondern mit verhaltenem Material, während die jeweils zweiten Themen dominanter daherkommen. Besonders griffig sind Schumanns Themen ohnehin nie; es entsteht zuweilen eher der Eindruck breiter Klangflächen. Die langsamen Sätze sind nicht besonders lyrisch oder sanglich, eher leidenschaftlich. Sie tragen die Zusätze 'con espressione' und 'con passione'. Der dritte Satz ist in beiden Fällen kein gewöhnliches Scherzo. Das sanfte 'Siciliano' des ersten Trios ist ruhiger als der eigentliche langsame Satz und alterniert mit einem wiederum sehr aufgewühlten Mittelteil. Auch im zweiten Trio herrscht ruhig fließende Melodik, die jedoch mehrfach mit einem Scherzo-typischen Formteil kontrastiert wird. Grundsätzlich scheint das spätere Werk, das die Tonalität konsequent beibehält, das spannendere und in der Inspiration frischere zu sein. Das Beiheft ist weniger ausführlich als bei vielen anderen cpo-Platten und enthält wenig biographische Informationen zu Georg Schumann, dafür aber anschauliche Beschreibungen der Werke von Gottfried Eberle.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schumann, Georg: Klavierwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.09.2011
Medium:
EAN:

CD
761203771226


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Wieder da: Die Gesamteinspielung der Sinfonien von Josef Tal mit der NDR Radiophilharmonie Hannover unter Israel Yinon hat nach fast zwanzig Jahren nichts von ihrer Faszination verloren. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Halbfinale: Ein Projekt auf der Zielgeraden: Gregor Meyer steuert mit dem siebten Teil des geistlichen Gesamtwerks von Johann Kuhnau auf das Finale zu. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Abschiedsgabe: Wolfgang Carl Briegel ist sicher einer jener Komponisten, die zu unterschätzen aus heutiger, auf wenige Größen verengter Perspektive, mancher Gefahr laufen könnte. Das Ensemble Polyharmonique setzt dem ein entschiedenes Plädoyer entgegen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jan Kampmeier:

  • Zur Kritik... Frische Farbigkeit: Markus Becker und das Ma'alot Quintett spielen Mozart in neuer, reizvoller Bearbeitung für Klavier und Bläser. Weiter...
    (Dr. Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Betont lyrisch: Ekaterina Levental und Frank Peters mit der dritten Folge ihrer Gesamtaufnahme der Lieder Nikolai Medtners. Weiter...
    (Dr. Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Freche Bläser: Wirklich seltenes Repertoire hat das Cracow Golden Quintet aufgenommen, nämlich fünf polnische Bläserquintette von Michal Spisak, Tadeusz Paciorkiewicz, Wojciech Kilar, Jozef Swider und als bekannteste und älteste Komponistin Grazyna Bacewicz. Weiter...
    (Dr. Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jan Kampmeier...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Ein hohes Maß an Perfektion: Jean-Jacques und Alexandre Kantorow schließen nahtlos an die herausragende Qualität ihrer ersten Saint-Saëns-CD an – diesmal mit den ersten beiden Konzerten und vier weiteren Stücken für Klavier und Orchester. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Ein Leben für die Oper: Würdigung eines immer noch nicht hinreichend wertgeschätzten Meisters der Barockoper. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Nostalgische Kunst-Folklore: Magdalena Kožená macht mit 'Nostalgia' auf zwei viel zu selten gespielte Liederzyklen von Bartók und Mussorgsky aufmerksam. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2022) herunterladen (2400 KByte) Class aktuell (4/2021) herunterladen (7000 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich