> > > Heinrich Schütz: Musikalische Exequien: Complete recordings, Vol. 3
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Heinrich Schütz: Musikalische Exequien - Complete recordings, Vol. 3

Trauermusiken


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Aus der Feder Heinrich Schütz': Ein weiterer sehr niveauvoller Teil der laufenden Schütz-Gesamtseinspielung von Hans-Christoph Rademann.

Die dritte Platte seiner Gesamtaufnahme der Werke Heinrich Schütz’ hat Hans-Christoph Rademann ausschließlich Trauerwerken gewidmet. Im Mittelpunkt stehen natürlich die 'Musikalischen Exequien', die Schütz für das im Februar 1636 gefeierte Begräbnis von Heinrich Posthumus Reuß komponiert hatte. Dieses theologisch und musikalisch so durchdachte Klangkunstwerk ist vielfach beschrieben und wohl ebenso häufig eingespielt worden, oft in tatsächlich bemerkenswerter Qualität. Besonders interessant machen die vorliegende Platte daher vor allem die kleineren Werke, vier davon wurden erstmalig eingespielt. Diesem Umstand wird der interessierte Hörer in Rademanns Zyklus angesichts der durchaus bemerkenswerten Zahl anlassbezogener Einzelwerke in Schütz’ Schaffen und der weitgehenden Konzentration bisheriger Interpreten auf die bekannten Zyklen zweifellos noch häufiger begegnen.

Nach den einleitenden Exequien steht mit 'Ich bin die Auferstehung und das Leben' SWV 464 ein sicher und effektvoll gesetztes Stück mit klaren Strukturen und in konsequenter Doppelchörigkeit. Ganz anders geartet ist das solistisch gesungene 'Grimmige Gruft' SWV 52, das einen durchaus interessanten Text in einer plastischen Vokallinie mit interessanten harmonischen Implikationen abbildet. Bemerkenswert ist zudem noch der Satz 'Ich hab mein Sach Gott heimgestellt' SWV 94: Diese variative, in ausladenden Versen gegliederte Komposition wartet mit satztechnisch kunstvoll umsponnener Melodik auf. Vor allem textlich bei weitem eindrucksvoller ist das die Platte beschließende 'O meine Seel, warum bist Du betrübet' SWV 419: Den auch dem Hörer der Gegenwart zu Herze gehenden Text schrieb der Dresdner Hofbibliothekar Christian Brehme zum Tod seiner Frau im Jahr 1652 – und Heinrich Schütz schrieb dazu einen intensiven, schlichten, klaren Satz, der in seiner homophonen Dichte die individuelle Trauer Brehmes kongenial ausdrückt.

Große Deutung mit minimalem Einwand

Das alles lässt Hans-Christoph Rademann von seinem Dresdner Kammerchor und versierten Solisten ins Werk setzen. Der Chor zeigt sich einmal mehr agil und ist mit feinen, konzentrierten, leicht klingenden Registern ausgestattet. Im Wechselspiel mit den Vokalsolisten wird in zartem Kontrast ein schöner Kontext hergestellt, ohne diese Wechsel zu Brüchen in der Deutung werden zu lassen. Die Diktion des Chors ist generell klar und präzis, allenfalls in rascher genommenen Passagen sind hier einige Nachlässigkeiten zu verzeichnen.

Die Solistenriege agiert, angeführt von den beispielhaft singenden Sopranen Dorothee Mields und Anja Zügner, sehr ansprechend – Alexander Schneider mit klangschönem Altus, die beiden Tenöre Jan Kobow und Tobias Mäthger mit der notwendigen Präsenz und konzentrierten Strahlkraft. Vor allem Kobows agile und glaubensgewisse Deutung des Abschnitts 'Ich weiß, dass mein Erlöser lebt' im ersten Teil der Exequien ist idealtypisch gelungen. Matthias Lutze und Harry van der Kamp grundieren solide und ruhig, weisen allenfalls in größerer Höhe Momente eines etwas unfreien Stimmklangs auf. Matthias Müller und Ludger Rémy spielen auf Violone und Orgel einen angemessen Basso continuo, klangwirksam und doch in stets kontrollierter Artikulation.

Klanglich bleiben bei dieser hybriden SACD keine Wünsche offen: Exquisit erwärmt, zugleich konturstark und in expliziter Staffelung realisiert, gelingt vor allem eine schöne Balance von Chor und Soli. Neben einem wirklich ansprechend und deutungsstark hinzugezogenen Raumanteil wird auch die gelegentlich recht kräftig wirkende Orgel gelungen in das Gesamtbild integriert. Das solide Booklet bietet alle Texte der Stücke und eine dreisprachige Einführung. Die ist allerdings gerade bei den weniger bekannten Stücken bedauernswert knapp geraten – hier hat man es verpasst, im Zuge der Gesamtaufnahme auch im Bereich fundierter Information Standards zu setzen.

Rademann deutet Schütz’ Werke elegant und klangsinnlich, dabei das Verhältnis von Wort und Musik sehr treffend auffassend – und bietet damit in mancher Hinsicht Vorbildliches. Ein Einwand mag aber geltend gemacht werden: Gerade in diesem intensiven Trauerrepertoire ist im Chorischen eine Spur mehr echter Erschütterung und Beteiligung wünschenswert, zum Beispiel im zweiten Teil der Exequien oder besonders im allzu leicht wirkenden 'Das ist je gewisslich wahr' SWV 277 auf den Tod von Johann Hermann Schein. Dass Rademann und die Seinen zu dieser tiefer reichenden Geste befähigt sind, zeigen der wunderbar gelungene letzte Teil der Exequien sowie der schon angesprochene Satz 'O meine Seel, warum bist Du betrübet' SWV 419. Ein diskographisches Schwergewicht ist die Platte dennoch allemal – natürlich wegen der Qualität ihrer Interpretation, vor allem aber, weil die Musikalischen Exequien mit teils erstmals eingespielten Kompositionen programmatisch schlüssig gerundet wurden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Heinrich Schütz: Musikalische Exequien: Complete recordings, Vol. 3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Carus
1
01.10.2011
067:25
2011
Medium:
EAN:
BestellNr.:

SACD
4009350832381
8323800


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"Unter der musikalischen Gesamtleitung von Hans-Christoph Rademann verwirklicht der Dresdner Kammerchor bis 2017 gemeinsam mit dem Carus-Verlag Stuttgart die erste Heinrich-Schütz-Gesamteinspielung. Als dritter Teil erscheinen nun die „Musikalischen Exequien“, die Schütz 1635/36 anlässlich des Todes seines Landesherren Heinrich Posthumus Reuß komponierte. Weitere, z. T. solistische Trauergesänge ergänzen die CD, darunter einige bisher nicht eingespielte Werke. Neben dem Dresdner Kammerchor konnten u.a. Dorothee Mields, Harry van der Kamp und Jan Kobow für die Gesamteinspielung gewonnen werden. Die Aufnahme erscheint in exzellenter SACD-Aufnahmetechnik."


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Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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