> > > Cage, John: Werke für Cello & Klavier
Mittwoch, 15. August 2018

Cage, John - Werke für Cello & Klavier

Sterne am Klanghimmel


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Cellist Friedrich Gauwerky und der Pianisten Mark Knoop arbeiten mit an Kompositionen von John Cage.

Der Komponist John Cage hat unter anderem versucht, den Komponisten aus dem Vorgang des Komponierens weitestgehend herauszunehmen. Die Musik sollte ohne jemanden entstehen, dessen Denken, dessen Tradition oder dessen Prägung die Komposition beeinflussen könnte, ob bewusst oder unbewusst. Dieses Ziel versuchte er auf verschiedenen Wegen zu erreichen. Der wichtigste ist die Verwendung aleatorischer Elemente. In seiner wohl bekanntesten Komposition '4'33"' spielt der Interpret keinen Ton, zu hören sind die zufälligen Geräusche des Saals, der Zuhörer, das Knacken, Knistern und Knarren der Mauern, das Hüsteln der Hälse.

Papierstruktur

Seit einigen Jahren schon legt das Label Wergo die Edition John Cage auf, wozu nicht nur Musik, sondern auch eine 8-CD-Box mit Auszügen aus den Tagebüchern von John Cage gehört, gelesen von ihm selbst. Auf der zuletzt herausgegeben CD interpretieren der in Köln lebende Cellist Friedrich Gauwerky, der auch die eingespielten Fassungen erstellt hat, und der in London lebende Dirigent und Pianist Mark Knoop Cages Kompositionen 'Etudes Boreales' (1978), 'Harmony' (1976) und 10'40.3". 10'40.3" ist eigentlich ein Teil der Komposition 26'1.1499" (1955), und zwar die ersten 640,3 Sekunden. Cage selbst hat diese Variante in 26'1.1499" vorgesehen; der Interpret ist frei, nur einen Ausschnitt der Komposition zu wählen. Der Titel muss dann entsprechend geändert werden. Nicht nur in Titel und Dauer, obwohl der ursprüngliche Titel an ein genau determiniertes Werk denken lässt, wendet John Cage Techniken an, die das Ergebnis unvorhersehbar werden lassen. Die Komposition verlangt keinen willenlosen Ausführenden – Friedrich Gauwerky muss einen eigenen Teil zum Entstehen der Komposition beitragen. Andererseits enthält das Werk auch exakt determinierte Elemente, die, wie so oft bei Cage, mit Zufallsoperationen entwickelt wurden. Hier war es die Struktur des Papiers.

Sterne und Kometen

Grundlage von 'Etude Boreales' wiederum war eine Sternkarte, aus der Cage mit Hilfe von Zufallsoperationen des I Ging die Komposition herleitete. In der von Mark Knoop gespielten Soloversion für Klavier klingt es, als wären die Sterne jetzt Klänge, die unbeweglich und unerreichbar in der Unendlichkeit eines Klanghimmels von überwältigender Schönheit prangen. In der Duoversion mit Friedrich Gauwerky tönen die Cellosphären wie Kometen, bewegte Himmelskörper in den Himmelswelten vor den Fixsternen. Vervollständigt wird die schlüssig zusammengestellte CD mit vier zur Komposition 'Apartment House 1976' gehörenden 'Harmonies'. Die Mitarbeit von Friedrich Gauwerky und Mark Knoop an Cages Werken ist überaus gelungen. Sie setzen die Klänge und Töne zurückhaltend in die Welt. Sie drängen sich nicht auf, sie sind einfach da. Ganz so, wie es der Intention von John Cage entspricht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Patrick Beck Kritik von Patrick Beck ,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Cage, John: Werke für Cello & Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
WERGO
1
01.04.2010
EAN:

4010228671827


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WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


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