> > > Cage, John: Werke für Cello & Klavier
Montag, 29. Mai 2017

Cage, John - Werke für Cello & Klavier

Sterne am Klanghimmel


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Cellist Friedrich Gauwerky und der Pianisten Mark Knoop arbeiten mit an Kompositionen von John Cage.

Der Komponist John Cage hat unter anderem versucht, den Komponisten aus dem Vorgang des Komponierens weitestgehend herauszunehmen. Die Musik sollte ohne jemanden entstehen, dessen Denken, dessen Tradition oder dessen Prägung die Komposition beeinflussen könnte, ob bewusst oder unbewusst. Dieses Ziel versuchte er auf verschiedenen Wegen zu erreichen. Der wichtigste ist die Verwendung aleatorischer Elemente. In seiner wohl bekanntesten Komposition '4'33"' spielt der Interpret keinen Ton, zu hören sind die zufälligen Geräusche des Saals, der Zuhörer, das Knacken, Knistern und Knarren der Mauern, das Hüsteln der Hälse.

Papierstruktur

Seit einigen Jahren schon legt das Label Wergo die Edition John Cage auf, wozu nicht nur Musik, sondern auch eine 8-CD-Box mit Auszügen aus den Tagebüchern von John Cage gehört, gelesen von ihm selbst. Auf der zuletzt herausgegeben CD interpretieren der in Köln lebende Cellist Friedrich Gauwerky, der auch die eingespielten Fassungen erstellt hat, und der in London lebende Dirigent und Pianist Mark Knoop Cages Kompositionen 'Etudes Boreales' (1978), 'Harmony' (1976) und 10'40.3". 10'40.3" ist eigentlich ein Teil der Komposition 26'1.1499" (1955), und zwar die ersten 640,3 Sekunden. Cage selbst hat diese Variante in 26'1.1499" vorgesehen; der Interpret ist frei, nur einen Ausschnitt der Komposition zu wählen. Der Titel muss dann entsprechend geändert werden. Nicht nur in Titel und Dauer, obwohl der ursprüngliche Titel an ein genau determiniertes Werk denken lässt, wendet John Cage Techniken an, die das Ergebnis unvorhersehbar werden lassen. Die Komposition verlangt keinen willenlosen Ausführenden – Friedrich Gauwerky muss einen eigenen Teil zum Entstehen der Komposition beitragen. Andererseits enthält das Werk auch exakt determinierte Elemente, die, wie so oft bei Cage, mit Zufallsoperationen entwickelt wurden. Hier war es die Struktur des Papiers.

Sterne und Kometen

Grundlage von 'Etude Boreales' wiederum war eine Sternkarte, aus der Cage mit Hilfe von Zufallsoperationen des I Ging die Komposition herleitete. In der von Mark Knoop gespielten Soloversion für Klavier klingt es, als wären die Sterne jetzt Klänge, die unbeweglich und unerreichbar in der Unendlichkeit eines Klanghimmels von überwältigender Schönheit prangen. In der Duoversion mit Friedrich Gauwerky tönen die Cellosphären wie Kometen, bewegte Himmelskörper in den Himmelswelten vor den Fixsternen. Vervollständigt wird die schlüssig zusammengestellte CD mit vier zur Komposition 'Apartment House 1976' gehörenden 'Harmonies'. Die Mitarbeit von Friedrich Gauwerky und Mark Knoop an Cages Werken ist überaus gelungen. Sie setzen die Klänge und Töne zurückhaltend in die Welt. Sie drängen sich nicht auf, sie sind einfach da. Ganz so, wie es der Intention von John Cage entspricht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Patrick Beck Kritik von Patrick Beck,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Cage, John: Werke für Cello & Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
WERGO
1
01.04.2010
EAN:

4010228671827


Cover vergössern

WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Von Patrick Beck zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag WERGO:

  • Zur Kritik... Lob des orchesterbegleiteten Gesangs: Die Sopranistin Juliane Banse glänzt mit drei orchester- und ensemblebegleiteten Gesänge aus den vergangenen sechs Jahrzehnten. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Gezimmerte Klänge: Walter Zimmermann, Jahrgang 1949, gehört zu den wichtigsten Klavierkomponisten der Neue-Musik-Szene. Seine Klavierwerke der Jahre 2001 bis 2006 sind nun von Nicholas Hodges eingespielt worden. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Weit gestreutes Repertoire: Diesmal verbindet das Ensemble Musikfabrik Kompositionen von Brian Ferneyhough, Klaus Lang, Carola Bauckholt und Jorge E. López zu einer Leistungsschau seiner musikalischen Fähigkeiten. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
blättern

Alle Kritiken von WERGO...

Weitere CD-Besprechungen von Patrick Beck:

  • Zur Kritik... Quartett trifft Human Beatboxing: Zweite CD des polnischen Quartetts Kwartludium. Kwartludium spielt die hier vorgestellten Kompositionen genau, sorgfältig, mit viel Liebe, atmosphärisch und vor allem überaus lebendig. Weiter...
    (Patrick Beck, )
  • Zur Kritik... Unsuk Chin wieder aufgelegt: Das Ensemble Intercontemporain spielt Werke von Unsuk Chin - auch in Wiederauflage eine tolle Aufnahme. Weiter...
    (Patrick Beck, )
  • Zur Kritik... Edgar Varèse in Salzburg: Ein kostbares Dokument der Salzburger Festspiele 2009 mit Kompositionen Edgar Varèses. Weiter...
    (Patrick Beck, )
blättern

Alle Kritiken von Patrick Beck...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Der dirigierende Komponist: Das Label Tacet legt die Einspielung von Wilhelm Furtwänglers Klavierquintett mit dem Clarens Quintett in einer Real-Surround-Sound-Blu-ray neu auf und spricht damit insbesondere Neukunden und Besitzer einer leistungsstarken Sound-Anlage an. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
  • Zur Kritik... Chopin im Kraftraum: Gianluca Imperato hat Glieres Klavier-Hauptwerk, die 25 Preludes op. 30 (1907), eindrucksvoll für Brilliant Classics eingespielt, garniert mit zehn zwischen 1904 und 1955 komponierten Stücken aus anderen Zyklen. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Mit Belang: Das Trio Parnassus ist in perfekter Balance und ausgezeichnetem Zusammenspiel ein äußerst überzeugender Sachwalter der Klaviertrio-Kompositionen Cécile Chaminades'. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

SWR: Schwetzinger Festspiele (Live-Stream)

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Conradin Kreutzer: Trio in Es-Dur, op. 43 - Andantino grazioso

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Julian Prégardien im Portrait "Das ganze Projekt ist eine Reise durch die Musik"
Julian Prégardien macht die Aufführungsgeschichte großer Werke anschaulich - und setzt Impulse für die Zukunft

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich