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Dienstag, 27. Juni 2017

Sibelius, Jean - Luonnotar

Finnisches Finish


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Soile Isokoski ist damit ein wahrer Geniestreich gelungen. Man hat den Eindruck, sie fühle sich bei diesen Liedern wohl wie ein Fisch im Wasser.

Nach der bereits legendären Einspielung der Sinfonien Jean Sibelius’ macht sich der finnische Dirigent (Geiger, Pianist und Komponist) Leif Segerstam nun an die Orchesterlieder. Den Vokalpart übernimmt die ebenfalls aus Finnland stammende Sopranistin Soile Isokoski, die in den letzten Jahren vor allem in der Oper von sich Reden machte. Und – um es gleich zu verraten – diesem Traumduo glückt zusammen mit dem fabelhaften Philharmonischen Orchester Helsinki eine hinreißende Platte, die zweifellos zu den besten und interessantesten Aufnahmen dieses Jahres gehört.

Baden im Klang

Den Anfang dieser CD macht das Lied „Kaiutar“ op. 72/4 aus dem Jahr 1914/15. Sibelius beschäftigte sich hier einmal wieder mit dem Kalevala-Mythos. Den eher deklamierenden Stil der Textvorlage verbindet Sibelius mit den dunklen Streicherklängen seiner früheren Kalevala-Vertonungen aus den 1890er Jahren; hier allerdings lässt er die Worte mehr fließen und gestaltet den instrumentalen Hintergrund (für Orchester arrangiert von Jussi Jalas) mit bewegten Flächen. Schon hier zeigt Soile Isokoski ihre Weltklasse: Sie trägt den Text nicht nur vor, sondern transzendiert ihn in Musik, unterstützt von den wogenden Klängen des Philharmonischen Orchesters Helsinki. Fulminant geriet das als sinfonische Dichtung für Sopran und Orchester zu bezeichnende „Luonnotar“ op. 70. Leif Segerstam zaubert einen unglaublich bewegten, dunkel wabernden (im positiven Sinne!) Orchesterklang, der den idealen Untergrund für Soile Isokoskis spannungsgeladene Interpretation bietet. Alles scheint bei dem Orchester in Bewegung zu sein, alles flirrt, zirpt, flimmert und fügt sich zu einem erstaunlich runden, voluminösen Orchesterklang. Der Klangmagier Leif Segerstam leistete hier einmal mehr beste Arbeit. Was aber diese Aufnahme von „Luonnotar“ zur Referenz werden lässt, ist die traumwandlerische Abstimmung zwischen Dirigent, Orchester und Solistin. Jedes kleinste Rubato wird im Orchester aufgenommen, jede Abschattierung der Stimme von den Instrumenten optimal unterstützt. Soile Isokoski meistert den äußerst anspruchsvollen Part in „Luonnotar“ mit solch technischer Brillanz, dass sie sich voll auf den Inhalt dieser anrührenden mystischen Zeilen konzentrieren kann. Auch in den höchsten Höhen klingt ihre Sopranstimme klar und hell, ohne eng und klirrend zu werden (scheinbar kann sie ihren bezaubernden Klang trotz der Kraftanstrengungen in der Oper halten). Gänzlich überwältigt wird man spätestens wenn Stimme und Trompete in dem brausenden Orchesterklang zu einer Einheit verschmelzen. Was für ein Unterschied etwa zu Karita Mattilas letzten Jahres erschienenen Einspielung mit Sakari Oramo und dem City of Birmingham Symphony!

In schäumenden Klangwellen

Auch in den vor allem schwedisch-sprachigen Liedern zeigt Soile Isokoski ihre Präsenz und Feinfühligkeit im Umgang mit dem Text. Die unschuldig wirkende Naturlyrik, verbunden mit symbolistischer Introvertiertheit kommt bei Isokoski bestens zum Tragen. Man höre nur etwa das anrührende „Demanten på marssnön“ op. 36/6. Wie unglaublich zart setzt die Sopranistin ihre Stimme hier ein, untermalt von den hinreißenden Harfenklängen, die Leif Segerstam stets bis kurz vor die Grenze zum Kitsch auskostet; der letzte Schritt aber wird nicht vollzogen, und so bleibt diese Musik spannungsvoll, lyrisch und ausdrucksstark, ohne jemals ins Sentimentale abzugleiten.

Das Philharmonische Orchester Helsinki wird von dem Klangzauberer Segerstam zu einem Klangkörper geformt, dessen Instrumentengruppen perfekt balanciert sind und einen unglaublich runden, vollen Sound zu produzieren vermögen. Was einem da aus den Lautsprechern entgegenschallt (egal ob aus fünfen oder nur aus zwei), man wird überwältigt. Die klangliche Realisierung ist ausgezeichnet gelungen – der finnische Toningenieur Enno Mäemets zeigt einmal mehr, dass er zu den besten Tontechnikern gehört. Der Klang des Orchesters ist sehr differenziert eingefangen, solistische Einwürfe heben sich leicht aus dem glitzernden Orchesterklang hervor, ohne künstlich hervorgezogen zu wirken.

Soile Isokoski ist damit ein wahrer Geniestreich gelungen. Man hat den Eindruck, sie fühle sich bei diesen Liedern wohl wie ein Fisch im Wasser. Und für die wogenden Klänge ist Leif Segerstam der perfekte Mann. Was er aus dem Orchester an Klangfarben und dynamischen Abstufungen holt, ist einfach beeindruckend. Diese Platte muss man haben!!!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sibelius, Jean: Luonnotar

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
29.03.2010
EAN:

761195108055


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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