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Montag, 5. Dezember 2022

Heinz Holliger, © Priska Ketterer

Heinz Holliger, © Priska Ketterer

Preis ist mit 15.000 Euro dotiert

Robert Schumann-Preis für Heinz Holliger

Mainz, . Die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz hat den Schweizer Komponisten Heinz Holliger (83) für sein künstlerisches Lebenswerk mit dem Robert Schumann-Preis für Dichtung und Musik ausgezeichnet. Die Verleihung wurde durch das Duo Christian Gerhaher und Gerold Huber musikalisch mit Werken des Preisträgers und Robert Schumann umrahmt.

"In Heinz Holligers vielseitigem Wirken berühren sich Musik und Dichtung", so die Findungskommission in ihrer Begründung, "indem sie sich in einer prismatischen Vielfalt befragen und herausfordern. Nicht um eine Ergänzung geht es dabei, schon gar nicht um gesicherte Wahrheiten. In seinen Kompositionen lässt er eine Fülle an Hörperspektiven zu – und auch offen." Jedes Wort hat für ihn – wie er selbst sagt - eine "labyrinthische Aura" und "mehrere Ein- und Ausgänge". Die Dichter, mit denen er sich auseinandergesetzt hat, bieten ihm beides: Ob Paul Celan, Georg Trakl, Nelly Sachs, Samuel Beckett, Robert Walser oder Friedrich Hölderlin. Für die Jury sind es "psychische Grenzbereiche, die Holliger auslotet. Dabei und dafür müssen die Interpreten oft auch physische Grenzen überwinden. Bei aller Hörarbeit, die Holliger vom Publikum verlangt, ist seinen Stücken eine sinnliche, bisweilen auch soghafte und sogar unterhaltsame Qualität eigen, die ohne eine wechselseitige Verdichtung von Musik und Dichtung undenkbar wäre."

Heinz Holliger wurde 1939 in Langenthal in der Schweiz geboren und nahm bereits früh Musikunterricht. Im Alter von vierzehn Jahren entstanden erste eigene Kompositionen. 1956 begann er ein Studium am Berner Konservatorium bei Emile Cassagnaud (Oboe) und Sándor Veress (Komposition). Nachdem er zwei Jahre später sein Abitur bestand, erwarb er zusätzlich ein Lehrdiplom und studierte Klavier am Berner Konservatorium. Von 1961 bis 1963 nahm er außerdem weiteren Kompositionsunterricht bei Pierre Boulez. 1959 begann er seine professionelle Laufbahn als Solo-Oboist der Basler Orchester-Gesellschaft. 1961 folgten erste Schallplattenaufnahmen sowie weltweite Auftritte. 1965 nahm er eine Professur an der Hochschule für Musik in Freiburg im Breisgau an. Seit 1975 war er ständiger Gastdirigent bei Paul Sachers Basler Kammerorchester. Von 1998 bis 2001 war er zudem Dirigent des Orchestre de Chambre de Lausanne. Composer-in-Residence war er beim Orchestre de la Suisse Romande (1993/1994), bei den Luzerner Festwochen (1998) und bei den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker (2002). Im Jahr 2007 wurde Holliger das Komponistenportrait des Rheingau Musik Festivals gewidmet. 1987 gründete er zusammen mit Jürg Wyttenbach und Rudolf Kelterborn das Basler Musikforum. Holliger komponierte zahlreiche Bühnenwerke, Orchester-, Solo- und Kammermusikwerke.

Der Robert Schumann-Preis für Dichtung und Musik wird alle zwei Jahre von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur / Mainz an Persönlichkeiten für ein herausragendes Werk auf dem Gebiet der Musik, der Dichtung sowie der Musikvermittlung vergeben. Vorherige Preisträger waren Pierre Boulez, Wolfgang Rihm, Aribert Reimann, Jörg Widmann und Olga Neuwirth. Der Preis wird von der Mainzer Strecker-Stiftung finanziert und ist mit 15.000 Euro dotiert. Die Stiftung sieht in der interdisziplinären Struktur der Akademie die ideale Anbindung für diesen Preis. Als einzige der Akademien besitzt sie eine Klasse der Literatur und der Musik und betreut im Rahmen des Akademienprogramms zahlreiche musikwissenschaftliche Editionen.

Weiterführende Informationen:

Portrait Olga Neuwirth

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