> > > Oper Leipzig erinnert an Dirigent Gustav Brecher
Samstag, 2. Juli 2022

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Skadi Jennicke, Ulf Schirmer bei der Enthüllung der Bronzetafel, © Ida Zenna

Skadi Jennicke, Ulf Schirmer bei der Enthüllung der Bronzetafel, © Ida Zenna

Bronzetafel für den ehemaligen Generalmusikdirektor

Oper Leipzig erinnert an Dirigent Gustav Brecher

Leipzig, . In einer Gedenkstunde an der Oper Leipzig ist die Probebühne 1 in Gustav-Brecher-Probebühne umbenannt worden. Zu Ehren des jüdischen Musikers, Komponisten und Dirigenten enthüllten Skadi Jennicke, Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur der Stadt Leipzig, und Intendant und Generalmusikdirektor Ulf Schirmer, zusammen mit Wolfgang Ramsner vom Förderkreis der Oper Leipzig und Küf Kaufmann, dem Vorsitzenden der Israelitischen Religionsgemeinde, eine Bronzetafel mit Name, Titel und Lebensdaten des Künstlers. Zusätzlich zur Ehrung wurde vor dem Haupteingang des Opernhauses ein sogenannter Stolperstein verlegt, zwei Stolpersteine weisen ebenfalls am ehemaligen Wohnort des Ehepaars Brecher in Markkleeberg auf Gustav Brecher hin.

Gustav Brecher prägte von 1923 bis 1933 als Generalmusikdirektor und Künstlerischer Leiter das Musiktheater Leipzigs. Er hatte erstmalig die Idee, die vollendeten musikdramatischen Werke Richard Wagners in chronologischer Reihenfolge aufzuführen, und bereitete das Mammutprojekt bereits vor, als er 1933 wegen der "Förderung entarteter Künstler" und seiner jüdischen Abstammung aus dem Amt gedrängt wurde. Brecher galt, ähnlich wie Otto Klemperer an der Berliner Kroll-Oper, als einer der wichtigsten Erneuerer des Musiktheaters. Seine Ära steht für den konsequenten Aufbau und die Pflege eines Ensemblewesens, die Erweiterung des Spielplans um zeitgenössische Werke und um Leipziger Uraufführungen von avantgardistischen Komponisten wie Ernst Krenek und Kurt Weill. In den Musikdramen Richard Wagners sah Gustav Brecher die kongeniale Verbindung von Musik, Text und Szene repräsentiert und wollte daher sämtliche Werke des in Leipzig geborenen Komponisten in dessen Heimatstadt auf die Bühne bringen. Nach der Uraufführung von Kurt Weills "Silbersee" 1933 und einem letzten Dirigat der "Meistersinger" wurde er entlassen und verließ die Stadt; seine Idee des künstlerischen Wagnerfestivals wurde ideologisch vom nationalsozialistischen Unrechtsstaat besetzt und ohne ihn fünf Jahre später anlässlich des 125. Geburtstages Richard Wagners zum ersten und im 20. Jahrhundert einzigen Mal realisiert. Zusammen mit seiner Ehefrau Gertrud Deutsch und deren Mutter beging er auf der Flucht 1940 Selbstmord.

 

Die Oper Leipzig ist nach Venedig und Hamburg die drittälteste bürgerliche Musiktheaterbühne Europas; das erste Opernhaus in Leipzig wurde 1729 errichtet. Das 1864-1868 von Carl Ferdinand Langhans erbaute Neue Theater wurde im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört, das aktuelle Haus der Leipziger Oper wurde 1960 fertig gestellt. Es verfügt über 1.267 Sitzplätze und 600 Mitarbeiter. Bei der Oper handelt es sich um Dreispartentheater mit Oper, Ballett und Musikalischer Komödie, als zweite Spielstätte gibt es das Haus Dreilinden. Betrieben wird die Oper von der Stadt Leipzig. Seit der Spielzeit 2009/2010 ist Ulf Schirmer Generalmusikdirektor der Oper, im August 2011 übernahm dieser auch die Intendanz des Hauses.

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