> > > Konzerthaus Wien: Konzert mit Teodor Currentzis und musicAeterna abgesagt
Sonntag, 2. Oktober 2022

Teodor Currentzis, © Nadia Rosenberg

Teodor Currentzis, © Nadia Rosenberg

Wiener Konzerthaus erfüllt Wunsch des ukrainischen Botschafters

Konzerthaus Wien: Konzert mit Teodor Currentzis und musicAeterna abgesagt

Wien, . Das für heute geplante Konzert von Teodor Currentzis und musicAeterna im Wiener Konzerthaus ist kurzfristig abgesagt worden. Der Auftritt des griechisch-russischen Dirigenten und seines Ensembles hätte als Benefizkonzert für die Ukraine stattfinden sollen. Schon im Voraus war der Termin allerdings umstritten gewesen, weil das Ensemble musicAeterna von einer der größten russischen Banken finanziert wird, gegen die wegen des Angriffs auf die Ukraine Sanktionen verhängt wurden. Das Rote Kreuz sprang vergangene Woche als Kooperationspartner für das Konzert ab, weil ihnen die Diskussion um den Abend nach eigener Aussage zu politisch wurde (klassik.com berichtete), als neuer Partner wurde die Caritas gefunden.

Mit der Absage kommt das Wiener Konzerthaus nun einer Forderung des ukrainischen Botschafters in Österreich nach. Dieser wünschte sich, bei Benefizkonzerten für die Ukraine von russischen Künstlern abzusehen. Ferner setzte das Konzerthaus den Kartenverkauf für alle weiteren Konzerte von musicAeterna in der Spielzeit 2022/23 vorläufig aus, "solange bis eine unabhängige Finanzierung des Orchesters gesichert ist", hieß es. "Das Wiener Konzerthaus darf die politische Dimension des Auftritts eines in St. Petersburg beheimateten Orchesters in der Zeit des durch den Angriffskrieg der Russischen Föderation gegen die Ukraine verursachten unermesslichen Leids nicht ignorieren", so der Intendant des Wiener Konzerthauses, Matthias Naske. Er versicherte, dass die humanitäre Hilfe im Vordergrund gestanden hätte und das Konzerthaus den Krieg in der Ukraine ohne Einschränkung verurteile.

Teodor Currentzis wurde am 24. Februar 1972 in Athen geboren. Ab seinem dreizehnten Lebensjahr nahm der Geigenkurse am Athener Konservatorium, wo er 1987 ein Dirigierstudium begann. 1994 wechselte er nach Sankt Petersburg und studierte bis 1999 bei Ilja Musin. Fünf Jahre später wurde er Chefdirigent des Staatlichen Akademischen Oper- und Ballett-Theaters in Nowosibirsk. Dort gründete er das Ensemble musicAeterna, welches Orchester und Chor beinhaltet. 2011 wurde er Musikdirektor am Staatlichen Opern- und Ballett-theater in Perm. Seit 2018 ist er Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters in Stuttgart, im Folgejahr gab er sein Amt in Perm auf. Currentzis erhielt mehrfach den russischen Theaterpreis Goldene Maske sowie 2008 den russischen Orden der Freundschaft. 2016 wurde er mit dem KAIROS-Preis der Alfred Toepfer Stiftung geehrt.

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Bisherige Kommentare:

  1. Absurde Fehlentscheidung
    Eines der bemerkenswertesten Orchester unserer Zeit wird ausgeladen. Weil es aus Russland stammt. Und weil es dann auch noch von einer russischen Bank finanziell unterstützt wird. Ohne Förderung geht es aber nunmal nicht. Welche Geldquelle, frage ich mich, wäre uns denn für ein in Russland beheimatetes Orchester genehm? So weit ist es also gekommen in unserer vermeintlich liberalen Gesellschaft. Solidarität mit der Ukraine ist selbstverständlich richtig und wichtig. Aber Russen dürfen diese nicht bezeugen? Wäre es denn nicht ein großartiges Symbol gewesen, wenn gerade ein russisches Orchester ein Benefizkonzert für die Ukraine gespielt hätte? Wenn ukrainische Botschafter uns jetzt vorschreiben, wer bei uns im Konzert auftreten darf, dann geht das entschieden zu weit. Meines Erachtens ist die Entscheidung an Absurdität kaum zu überbieten und ein moralischer Offenbarungseid, von dem künstlerischen Verlust ganz zu schweigen. Herr Intendant Naske: Laden Sie doch einfach russische UND ukrainische Künstler ein, lassen Sie alle spielen.
    Nutzer_PKKAMTX, 12.04.2022, 10:48 Uhr

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