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Samstag, 2. Juli 2022

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Wagner-Verband präsentiert historische LGBT-Künstler aus der Festspielgeschichte Bayreuths

Bayreuth und Diversität

Berlin, . Der Wagner Verband Berlin-Brandenburg hat sich dem Thema Diversität bei den Bayreuther Festspielen genähert: Nach einem Vortrag von Dr. Kevin Clarke zu schwulen, lesbischen und bisexuellen Künstlern, die unter Siegfried Wagner zwischen 1908 und 1930 auf dem Grünen Hügel tätig waren – als Sänger, Volontäre, Assistenten und Bühnenbildner –, wurde im Rahmen einer Diskussion der Frage nachgegangen, warum das Wagner-Museum in Bayreuth diese Thematik bislang noch nicht in einer Ausstellung behandelt hat. Eine entsprechend fokussierte Geschichte der Bayreuther Festspiele sei überfällig.

Dass man eine solche Inklusion in Bayreuth ausgerechnet in den 1920er-Jahren im Schatten des heraufziehenden Nationalsozialismus finde, sei bemerkenswert. Dieser Aspekt werde in vielen Bayreuth-Chroniken zwischen Fragen rund um Nationalsozialismus und Antisemitismus jedoch nicht einmal in einem Nebensatz behandelt. Clarke und Prof. Kadja Grönke gingen zusammen mit anwesenden Musikjournalisten auch auf die Kontroverse um die Wagner-Sopranistin Frida Leider ein, deren mögliche lesbische Seite in der Biografie von Frauenforscherin Eva Rieger vehement ignoriert werde, indem sie deren Lebenspartnerin Hilde Bahl verschweigt. Kulturredakteur Tilman Krause warb dafür, Bayreuth als zentralen Ort der deutschen schwulen Geschichte zu würdigen und endlich entsprechend aufzuarbeiten. Das habe bislang ansatzweise nur Rosa von Praunheim in seinem Film "Operndiven – Operntunten" (2020) getan, wo unter anderem Barrie Kosky und Nadine Secunde über Wagner und Homosexualität sprechen.

Die Siegfried-Wagner-Gesellschaft begleitet die Diskussion wie schon 2017 mit einer entsprechenden Ausstellung im Schwulen Museum Berlin, die als Kooperation der Siegfried-Wagner-Gesellschaft und dem Richard-Wagner-Museum in Bayreuth entstand. Am 8. April eröffnet die neue Ausstellung "Richard Wagner und das deutsche Gefühl". In deren Rahmen wird zumindest in einem Videostatement die Frage der Diversität im Bayreuth der 1920er-Jahre aufgeworfen und warum die Wagner-Forschung diese in ihren Publikationen bislang ignoriert hat.

Die Bayreuther Festspiele wurden 1876 mit der zyklischen Gesamtdarstellung des "Ring des Nibelungen" zum ersten Mal veranstaltet. Nach dem Tode Richard Wagners wurden sie zunächst von seiner Frau Cosima, dann von Sohn Siegfried und bis 1944 von dessen Frau Winifred fortgeführt. Nach dem zweiten Weltkrieg öffnete das Haus 1951 wieder seine Pforten. Seit 1973 ist die Richard-Wagner-Stiftung Träger des Opernfestivals. Die Leitung der Festspiele liegt nach wie vor in den Händen der Familie Wagner. Nach dem Rücktritt des langjährigen Leiters Wolfgang Wagner 2008 übernahmen dessen Töchter, Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, die Leitung der Bayreuther Festspiele. Seit 2015 ist Katharina Wagner Festspielleiterin, der Vertrag wurde zwischenzeitlich bis 2025 verlängert.

Weiterführende Informationen:

Portrait Richard Wagner
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