> > > Berlin: Intendant der Komischen Oper kritisiert Straßenumbenennungen
Sonntag, 23. Januar 2022

Komische Oper Berlin, © Jörg Zägel

Komische Oper Berlin, © Jörg Zägel unter CC BY-SA 3.0

Barrie Kosky: Diskussion um Umbenennungen nicht mehr als Marketing

Berlin: Intendant der Komischen Oper kritisiert Straßenumbenennungen

Berlin, . Barrie Kosky, Intendant der Komischen Oper Berlin, hat sich gegen die Umbenennung von Straßen ausgesprochen. Derzeit wird vielfach diskutiert, ob für Straßen, die nach Künstlern mit Bezug zum Nationalsozialismus oder Antisemitismus benannt sind, neue Namen gefunden werden sollen. In Berlin hat der Antisemitismusbeauftragte Samuel Salzborn eine Liste solcher Straßen erstellt. 290 Namen stehen darauf, darunter Richard Wagner und Martin Luther, bei 100 steht die Umbenennung im Raum.

Der jüdisch-stämmige Kosky stellte sich nun gegen dieses Vorhaben: "Ich möchte nicht schon wieder von einem nicht-jüdischen Mann hören, was antisemitisch ist", sagte er. Es sei "grauenhaft, dass jemand im Deutschland des 21. Jahrhunderts Listen macht", fuhr Kosky fort. Lieber solle man sich kritisch mit den Namensgebern der Straßen auseinandersetzen. Er verwies auf den nach Karl Böhm benannten Saal in Salzburg: Dort hat man neben dem Namensschild wegen dessen Bezug zum Nationalsozialismus ein zweites Schild mit der historischen Einordnung Böhms aufgehängt. Ferner führte er Salzborns Gedankenspiel fort und übertrug seinen Ansatz auf Kirchen: "Die Kirchen haben mehr jüdisches Blut an den Händen als all die 300 Menschen auf der Liste zusammen", so Kosky. Denke man Salzborns Ansatz zu Ende, müsse man auch alle Kirchen schließen. Die Diskussionen um die Umbenennungen seien nicht mehr als Marketing.

Barrie Kosky wurde am 18. Februar 1967 in Melbourne geboren. Sein erstes Theaterstück inszenierte er bereits in der Schule. Später studierte er Klavier und Musikgeschichte an der Universität Melbourne. Neben ersten Regiearbeiten war er danach auch als Schauspieler und Klavierbegleiter aktiv. Von 1990 bis 1997 war er Leiter der Gilgul Theatre Company, 1996 wurde er künstlerischer Leiter des Adelaide Festivals. Zwischen 2001 und 2005 arbeitete er als Codirektor des Wiener Schauspielhauses. In der Folge inszenierte er an der Berliner Staatsoper, der Komischen Oper Berlin, der Wiener Staatsoper sowie in Essen, Bremen, Hannover, Basel und Frankfurt. 2010 war er als freier Regisseur auch an der English National Opera London aktiv. 2012 wurde er Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin. Das Amt plant er 2022 niederzulegen, allerdings will er dort weiter als freier Regisseur arbeiten. 2014 inszenierte er das erste Mal bei den Bayreuther Festspielen. 2017 nahm er neben der australischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft an. Für seine Arbeit wurde er unter anderem mit dem Faustpreis, dem International Opera Award und dem Berliner Bär ausgezeichnet.

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